A Summer Place

Steiner, Max: A Summer Place
Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
2. Oktober 2004
Abgelegt unter:
CD

Score

(3.5/6)

A Summer Place • Die Sommerinsel (1959) ist eine heutzutage kaum noch gezeigte Soap-Opera, in deren Zentrum die erwachende Sexualität des Teenagerpärchens Molly und Johnny (Sandra Dee und Troy Donahue) die für den damaligen Erfolg des Films entscheidende Rolle spielt. Was seinerzeit den Nerv des Publikums traf, freizügig und progressiv wirkte, erscheint nicht erst heutzutage allein harm- und eher belanglos.

Ein Thema aus der Musik Max Steiners ist der Hauptgrund, zumindest den Namen des Films in Erinnerung zu behalten. Zum Hit und Evergreen (siehe auch Newmans Love Is A Many-Splendored Thing) wurde das für „Molly und Johnny“ durch die Adaption des Bandleaders Percy Faith: als „Theme from A Summer Place“ ging es um die Welt. Steiners besonders charmante Melodie für das Liebe und Sex entdeckende Teenagerpärchen bezieht — wie auch die anderen Themen des Scores — seine unmittelbare Eingängigkeit aus seiner Einfachheit. Es ist schlicht, weitab von der Steiner-typischen wagnerschen Chromatik harmonisiert und liebäugelt im Rhythmus mit damals trendigen poppigen Beats — was die zum innigen Schwofen besonders geeignete Faith-Version noch deutlich unterstreicht. Und Zeitgemäßes findet sich auch im Blues des thematischen Einfalls für Johnnys Vater.

Im gut gefüllten Korb anmutiger Themen, die allerdings kaum sinfonisch verarbeitet und auch eher einfach variiert werden, findet sich noch ein weiteres Thema, das zu den ganz besonders schönen Einfällen des damals immerhin bereits 71 Lenze zählenden Altmeisters gerechnet werden darf: die breit ausschwingende, romantische Melodie für „Molly und Dad“. Durch den Einsatz der Celesta stellt sich ein an eine Spieluhr erinnerndes, sehr nostalgisches Feeling ein und dieses verleiht der Musik zugleich eine romantisch-warme Atmosphäre. Außerdem gibt es, da wo angebracht, typisches Mickey-Mousing und natürlich auch tonmalerische Seestimmungen. In einem dramatischeren Moment des Scores, „Shipwrecked“, findet sich dazu eine Passage, die merklich an eine von Steiners frühesten Filmkompositionen erinnert, The Most Dangerous Game (1932).

Alles in allem ist die Musik zu A Summer Place sicher kein großes Werk, aber eine sehr ansprechende, unterhaltsame und daher immer wieder einmal gern aufgelegte (Hör-)Angelegenheit. Entstanden zu einer Zeit, als das Golden Age bereits Vergangenheit war, die Strukturen Hollywoods in radikalem Wandel begriffen waren, bekommt man hier außerdem die wohl überzeugendste Annäherung des Wiener Vollblutromantikers Max Steiner an die Stilismen der unaufhaltsam heraufziehenden Pop-Ära zu hören. Nicht allein im berühmten „Theme from A Summer Place“ hat man bereits einen Vorläufer der später ebenso erfolgreichen (romantischen) Filmvertonungen eines John Barry vor sich.

Die guten Tantiemen halfen erfreulicherweise die Existenz ihres Schöpfers in der letzten Lebensdekade sicherzustellen. In einer Zeit rapide nachlassenden Interesses am Stil seiner Filmvertonungen erhielt Steiner damit immerhin ein finanzielles Trostpflaster.

Die vorliegende CD konnte von guten Sicherheitskopien der Mono-Mixdowns im Warner-Archiv abgenommen und (da wo nötig) erfolgreich aufbereitet werden. Das Resultat klingt sauber, recht frisch und klar, ist ebenso gelungen wie das üppig ausgestattete Booklet. Die rund 76 Albumminuten präsentieren die vollständige Musik in chronologischer Folge. Das ist zwar auch in Gänze nicht übel, aber zum häufigeren Gebrauch dürften viele Hörer durch Programmieren individuell erstellte kürzere Suitenfassungen bevorzugen. Wertungsmäßig sind in den dreieinhalb Sternen ein kleiner Zuschlag für die liebevolle Edition enthalten.

Komponist*in:
Steiner, Max

Erschienen:
2003
Gesamtspielzeit:
76:43 Minuten
Sampler:
BYU
Kennung:
FMA-MS 112

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