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Veröffentlicht am 11.08.2019 | von Michael Boldhaus

Geronimo – Eine amerikanische Legende

Geronimo – Eine amerikanische Legende Michael Boldhaus
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Geronimo von Walter Hill: Eine eher bedrückend realistische amerikanische Legende

Action Regisseur Walter Hill (Die Warriors, Long Riders, Nur 48 Stunden) schildert in seinem hierzulande auch unter dem Titel Geronimo – Das Blut der Apachen gezeigten Film eines der letzten Kapitel aus der blutigen Geschichte der Eroberung des Wilden Westens und der damit verbundenen Indianerkriege: die Geronimo-Kampagne (1885–1886). Das beachtliche Drehbuch stammt von Drehbuchautor und Regisseur John Milius (Jeremiah Johnson, Der Wind und der Löwe) und stützt sich weitgehend auf die historischen Fakten, wobei die Abläufe und Ereignisse natürlich schon stark verdichtet und teilweise vereinfacht dargestellt sind

Hill ist bei der Inszenierung nüchtern, ohne falsches Pathos, genretypische Verklärungen und Ressentiments an sein komplexes Thema heran gegangen. Die letztendlich pessimistische Story wird visuell in grandiosen Panoramabildern in Szene gesetzt, deren Vorbilder in John Fords Kavalleriewestern (Fort Apache, Der Teufelshauptmann) zu finden sind, welche u. a. ebenfalls in Moab im Süden von Utah aufgenommen worden sind. In Inszenierung und Ausstattung wird bis in Details viel Wert auf historische Akkuratesse gelegt. Das verleiht dem Film Authentizität und in einzelnen Momenten dezent einen fast schon dokumentarischen Anstrich. Ein Ensemble erstklassiger Schauspieler tut im Zusammenwirken mit den guten Dialogen dass ihre, um der Filmhandlung zusätzlich Glaubwürdigkeit zu verleihen: Gene Hackmann als Brigade-General George Crook, Jason Patric als Oberleutnant Charles B. Gatewood, Robert Duvall als Armeekundschafter (Scout) Al Sieber und Wes Studi als Geronimo. Für den damals noch blutjungen Matt Damon wurde Hills Western zum Sprungbrett. Er verkörpert übrigens die einzige fiktive der tragenden Figuren der Filmhandlung, den frisch von der Militärakademie kommenden jungen Leutnant Britton Davis, welcher als Chronist fungiert.

Leutnant Britton Davis betritt die Bühne der Ereignisse im Jahr 1884, als sich Geronimo, wieder ein Mal, der US-Armee ergab. Bereits seit 1877 hatte er mit seinem Stamm zeitweise im wüstenähnlichen, eher lebensfeindlichen San-Carlos-Reservat mehr vegetiert als gelebt und war zwischendurch, bei wieder aufflammendem Streit mit der Armee, mehrfach nach Neu-Mexiko entwichen. Geronimo und seine rund 500 Apachenkrieger bildeten die Gruppe der Ureinwohner Nordamerikas, welche sich am längsten dem, spätestens nach Custers Niederlage am Little Bighorn im Jahr 1876, übermächtig werdenden Druck der Armee widersetzte. Letztmalig kapitulierte er am 4. September 1886 gegenüber General Nelson A. Miles, mit nur noch 36 verbliebenen Kriegern. Miles hatte seinen zuvor zuständigen, im Umgang mit den Indianern um Fairness bemühten Vorgänger General George Crook ersetzt und das letzte Häuflein Apachen noch über Monate vergeblich mit einem Großaufgebot von 8.000 Soldaten (darunter 3.000 Mann verbündete mexikanischer Truppen), dem Chefscout Al Sieber sowie 500 Apachen- und 100 Navajo-Scouts gejagt. Crook, der die Indianer vor der weißen Habgier schützen wollte, erhielt von ihnen den Spitznamen Nantan Lupan (Grauer Wolf). Wie auch im Film gezeigt wird, war neben diesem Al (Albert) Sieber, ein deutscher Einwanderer, der zu einem der legendärsten Scouts in der Grenzgeschichte des Arizona-Territoriums wurde, eine weitere Schlüsselfigur im Kampf gegen die Apachen.

Am Schluss des Films werden Geronimo und seine Leute zusammen mit den Scouts, welche der Armee lange treu gedient hatten, nach Florida geschickt. Ob dieser Infamie ist der anfänglich so idealistische Leutnant Britton Davis derart niedergeschlagen, dass er völlig desillusioniert seinen Dienst quittiert.

Gene Hackmann beeindruckt als aufrechter soldatischer Charakter, der allerdings im bigotten Politik-Poker unterliegt und seinem Kameraden Miles weichen muss, der im Film von Kevin Tighe als das komplette Gegenstück zu Crook, als äußerst skrupelloser, fast schon dämonischer Charakter dargestellt wird. Wes Studi war erstmalig 1990 in Kevin Costners Der mit dem Wolf tanzt, danach in Der letzte Mohikaner (1992) und erst jüngst in Feinde – Hostiles (2018) zu sehen. Der von ihm verkörperte Geronimo wird in Hills Film in besonderem Maße zur dramaturgisch ausgefeilten Figur stilisiert. Und auch das Greenhorn des Plots, der junge Matt Damon (Leutnant Britton Davis) schlägt sich im Gefecht um Glaubwürdigkeit durchaus wacker.

Kevin Costners Der mit dem Wolf tanzt aus dem Jahr 1990 war zwar ungleich erfolgreicher. Das lichtdurchflutete, in satten Farben erstrahlende Filmepos mit ausgeprägtem Öko-Touch ist zweifellos ein schön gemachter Film, welcher beträchtlichen Unterhaltungswert besitzt. Unterm Strich romantisiert und verklärt er jedoch zugleich die Rolle der Indianer in erheblichem Maße. Geronimo ist daher der eindeutig stärkere Film.

Die Filmmusik zu Walter Hills Geronimo

Erwähnt sei noch die Musik, für die der amerikanische Gitarrist Ry Cooder verantwortlich zeichnet. Cooder wird auf dem CD-Album allerdings nicht als alleiniger Komponist, sondern vielmehr als Produzent genannt, wobei er die Gitarrenparts selbst interpretierte. Die zum Teil collagehaft geschichteten Klänge aus Orchestersounds, originalen indianischen Gesängen sowie stark folkloristisch geprägten kleinen Ensembles, die auch Originale der Zeit interpretieren, ist also nicht das Werk eines Einzelnen, sondern vielmehr eine beachtliche Teamarbeit verschiedener Komponisten und Arrangeure. Bemerkenswert sind dabei die außergewöhnlichen, teilweise fast synthetisch anmutenden Klänge, welche vom außergewöhnlichen, von Richard Waters 1967 erfundenen Waterphone stammen, einem interessanten Hybrid aus Zupf-, Streich- und Schlaginstrument. Die Musik zu Geronimo funktioniert sowohl im Film als auch abseits der Filmbilder sehr gut. Sie besitzt somit das Zeug zum feinen klingenden Souvenir zu einem echt starken Film, den sich der dem Western Aufgeschlossene nicht entgehen lassen sollte.

Geronimo in HD auf BD

Die Blu-ray-Veröffentlichung von explosive media ist als Einzel-BD in schwarzer Amaray-Box im Schuber erhältlich, versehen mit einem ansprechenden Filmplakatmotiv als Cover.

Bild und Ton

Das HD-Bild im korrekten Scope-Format (1: 2,35) sieht fast durchweg erstklassig aus. Sehr gute Schärfe und ein vorbildlich bis hinunter zum tiefen Schwarz optimal abgestuft erscheinendes Kontrastverhältnis gehen Hand in Hand und sorgen für detailreiche Bilder von einiger Brillanz. Die Farbwiedergabe wird allerdings durch Filterung derart verfremdet, dass die, für die eher wüstenähnlichen, mit charakteristischen Gesteinsformationen durchsetzten Landschaften im Südwesten der USA charakteristischen rot-braunen und Ockertöne gegenüber dem Rest der Farbpalette deutlich stärker betont werden. In einer handvoll Einstellungen hat man es damit m.E. eindeutig übertrieben, etwa dann, wenn nicht bloß das Grün im Prairiegras nur noch unnatürlich grün-gräulich erscheint und selbst der Himmel über keinen blauen Resthauch mehr verfügt, sondern allein noch bräunlich auszusehen vermag. Dieser „Kunstgriff“ vermochte mich bereits im Uraufführungsjahr nicht recht zu überzeugen, aber dies ist letztlich eine Frage des individuellen Geschmacks. In den etwa 90 Prozent des Films, in denen erheblich dezenter gefiltert worden ist, ist der farbliche Gesamteindruck auch in meinen Augen zumindest noch sehr respektabel.

Der Stereo-Ton ist sowohl in Englisch als auch in Deutsch sehr frisch und klar. Er verfügt außerdem über einige Dynamik, mit der man das Heimkino schon in eindrucksvolle akustische Schwingungen versetzten kann.

Extras

Als Boni gibt es eine ansehnliche Bildergalerie, versehen mit Standfotos und weiteren Werbematerialien, einen US-Kinotrailer in ordentlicher SD-Qualität sowie eine dialogfreie Musik/Geräusch-Tonspur, welche es gestattet die recht eindrucksvoll geratene musikalische Untermalung Ry Cooders eingehend zu studieren. Das beiliegende 12-seitige Begleitheft ist zwar nicht übermäßig informativ, dafür aber mit vielen Werbefotos ausgestattet, die farblich deutlich natürlicher erscheinen als der in Teilen unglücklich stark auf rotbraune-Erdtöne gefilterte Film. Es rundet den bereits zuvor sehr positiven Gesamteindruck angenehm ab.

Fazit: Walter Hills Geronimo ist der tiefgründigste und zugleich ehrlichste Western der gesamten 1990er Jahre. Er präsentiert sich jetzt in HD auf Blu-ray in annähernd bestmöglicher Qualität und darüber hinaus als überaus solide ausgestattete Edition, die in so mancher Westernkollektion ihr Plätzchen finden dürfte.

Zur Erläuterung der Wertungen lesen Sie bitte unseren Hinweis zum Thema „Blu-ray-Disc versus DVD“.

Titel: Geronimo – Eine amerikanische Legende (Geronimo: An American Legend)
Erschienen: 6/2019

Zusatzinformationen: USA 1993

Medium: Blu-ray
Verleih: explosive media (Vertrieb: Koch Media)
Kennung: BD

Regisseur(e):


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