DVD

Veröffentlicht am 24.09.2003 | von Michael Boldhaus

Der Große König

Der Große König Michael Boldhaus
Film
Bild
Ton
Extras

„Der Große König “, „Die Goldene Stadt “ und „Die Frau meiner Träume“

Drei UFA-Filme, die während der NS-Zeit entstanden. Veit Harlans Der große König schildert – geschickt und mit recht subtil eingearbeiteten propagandistischen Hintergedanken – die Geschichte des Preußenkönigs Friedrich des Großen während des dramatisch verlaufenden 7-jährigen Krieges (1756-63). In den Handlungen des berühmten und trotz widriger Umstände schließlich doch siegreichen Preußenkönigs soll natürlich die Parallele zum „Führer“, Adolf Hitler, erkennbar werden.

So heißt es bezeichnenderweise im Vorspann: „… und schildert vor allem die Prüfungen des 7-jährigen Krieges, in denen sich die überragende Persönlichkeit des Königs bewähren musste. Gerade hier wuchs er zu einer in der ganzen Geschichte einzigartigen Größe empor.“ Und der Alte Fritz sagt vor der Schlacht von Kunersdorf, die den Film eröffnet, geradezu prophetische Worte: „Deutschland ist in einer furchtbaren Krisis! Wir leben in einer Epoche, die alles entscheiden und das Gesicht Europas verändern wird. Vor ihren Entscheidungen muss man schlimme Zufälle gestehen, aber nach ihrer Entwicklung klärt sich der Himmel auf und wird heiter. Und wie groß auch die Zahl meiner Feinde ist, ich vertraue auf meine gute Sache und die bewundernswerte Tapferkeit meiner Truppen, vom Marschall bis zum jüngsten Soldaten. Die Armee greift an!“

Ein optisch eindrucksvoller, von groß angelegten Schlachtpanoramen bestimmter Film, an dem es handwerklich kaum etwas auszusetzen gibt. Der aufgrund seiner Ähnlichkeit mit dem alten Fritz schon legendäre Otto Gebühr wirkt sehr überzeugend. Goebbels war insgesamt zufrieden und notierte in seinem Tagebuch: „Der Film wird hier zum politischen Erziehungsmittel erster Klasse.“ Er sei außerdem geeignet eine härtere Art der Kriegsführung zu begründen und einzuleiten. Lange Zeit war Der große König in der Bundesrepublik verboten und wurde erst in den 90ern auf Video zugänglich gemacht.

Titel: Der Große König
Erschienen: 2002

Zusatzinformationen: D, 1941

Medium: DVD
Verleih: Universum Film DVD
Kennung: PTD 2027

Regisseur(e):

Schlagworte:


DVD

Veröffentlicht am 24.09.2003 | von Michael Boldhaus

Die Goldene Stadt

Die Goldene Stadt Michael Boldhaus
Film
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Die Goldene Stadt ist nach Frauen sind doch bessere Diplomaten der erste deutsche Farb-Spielfilm überhaupt. (Frauen sind doch bessere Diplomaten entstand zwar bereits 1938, konnte aber infolge technischer Probleme erst kurz vor Die Goldene Stadt in einigermaßen befriedigender Form in die Kinos gebracht werden.) In erster Linie handelt es sich hier um ein farbfilmhistorisch interessantes Dokument. Handlungsmäßig ist der Film ein eher schwerblütiges, dumpfes Melodram von ausgeprägter Blut-und-Boden-Ideologie. Eher kernig frischen Bauern stehen hinterlistig farblose Städter gegenüber, wobei in der schmierig angelegten Figur des Tschechen Toni zumindest unterschwellig das (rassisch) Fremde als negativ propagiert wird. (Leider liegt hier nur die gekürzte 1954er Fassung vor, in der eine Reihe von Szenen mit stärker ausgeprägter Diskriminierung der so genannten „slawischen Untermenschen“ bereits geschnitten worden sind.) Reizvoll hingegen sind die Eigenschaften des frühen Agfacolor-Films, dessen farbtechnische Grenzen zwar noch zu sehen sind, aber oftmals sehr geschickt überspielt werden. So in der Vision von der „Goldenen Stadt Prag“: wo das damals noch problematische Rot vollständig ausgespart bleibt, Prag als golden gleißende (Modell-)Stadt im Wasser der Moldau zusammen mit dem Himmelsblau spiegelnd und funkelnd erscheint. Und während des Hochzeitsfestes präsentieren sich dem Zuschauer geschickt und sehr gut auskomponierte und optimierte Farbtableaus in überzeugenden Pastelltönen.

Titel: Die Goldene Stadt
Erschienen: 2002

Zusatzinformationen: D, 1942

Medium: DVD
Verleih: Universum Film DVD
Kennung: PTD 2026

Regisseur(e):

Schlagworte:


DVD

Veröffentlicht am 24.09.2003 | von Michael Boldhaus

Die Frau meiner Träume

Die Frau meiner Träume Michael Boldhaus
Film
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Ton
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Unterhaltung ist Trumpf in Die Frau meiner Träume, dem wohl teuersten europäischen Farbfilm 1943/44. Der damalige Publikumsliebling Marika Rökk ist zwar gewöhnungsbedürftig und die Handlung des mit den amerikanischen Revue-Filmen liebäugelnden Streifens ist eher dünn. So bleibt abseits eines ausgeprägt nostalgischen Rückblicks – wohl vorwiegend für Vertreter der älteren Generationen – auch hier die farbtechnisch interessante Umsetzung, das, was den Film sehenswert macht. Recht bekannt und gut gemacht sind einige der Songs und die zum Teil recht sinfonisch ausgestalteten Tanznummern, wofür Franz Grothe (1908-1982) verantwortlich zeichnet. Da ist nicht nur das bekannte Lied von der Nacht, in der der Mensch nicht gern alleine ist, vorhanden, sondern auch ein optisch wie musikalisch reizvoll umgesetztes Ballett, das insbesondere im „China-Bild“ mit klischeehaften, aber hübschen Exotismen in der schwelgerischen Musik und bildlich mit prachtvollen chinesischen Dekors in ausgefeilten Pastelltönen aufwartet. Das Finale bildet ein Hochzeitswalzer, der von der Rökk und ihrem Partner, sie ganz in Weiß, er im schwarzen Frack mit weißem Hemd, auf spiegelndem Parkett getanzt wird. Dies inmitten engelhaft wirkender, teilweise ebenfalls weiß und auch rosa gekleideter Mädels, die riesige Harfen spielen, wobei sich der als Hintergrund fungierende fantasievolle Himmel (Himmelsblau mit weißen Wolkenformationen, die teilweise von rosa Licht durchbrochen sind) raffiniert auf dem Tanzboden spiegelt.

In seinen prachtvollen Dekors und erstklassigen Choreographien markiert Die Frau meiner Träume wohl den Höhepunkt der deutschen Musikkomödie während des „Dritten Reiches“.

Die Filme auf DVD

Die DVD-Transfers entstanden in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, die die filmische Hinterlassenschaft des Dritten Reiches verwaltet. Im Falle von Der Große König scheint die bereits in den 90ern auf VHS erhältliche Videofassung ein wenig aufgepeppt worden zu sein. Das Bild ist abgesehen von einer Reihe durch Laufstreifen und Blitze deutlich beschädigter Teile insgesamt recht sauber, von guter Schärfe, soliden Kontrasten und auch ordentlich durchzeichnet. Die beiden Farbfilme Die Goldene Stadt und Die Frau meiner Träume sind videotechnisch ordentlich farbrestauriert worden. Von den Filmen existiert offenbar kein Original-Negativ-Material mehr, sondern wohl allein mehr oder weniger stark beschädigtes Kopienmaterial. Dafür dürften die trotz digitaler Bearbeitung stellenweise noch deutlich sichtbaren Schadensreste Beleg sein: mitunter leichte Unschärfe und teilweise merkliches Bildrauschen. Besonders Die Frau meiner Träume zeigt allerdings einen merklichen Gelbstich, der nicht nur die Gesichter etwas ungesund aussehen lässt. Auffällig ist, dass es im Film praktisch kein echtes Rot zu sehen gibt, vielmehr (zu-)viel Orange vertreten ist. Nun, innerhalb gewisser Grenzen kann man das Resultat in beiden Fällen zumindest als durchaus befriedigend bezeichnen. Der Ton der drei Filme kommt in Teilen ebenfalls etwas kratzig und leicht unsauber daher, ist aber insgesamt noch akzeptabel.

Fazit: Drei Filme aus Deutschlands dunkelsten Jahren, die – abgesehen von eindeutig propagandistischer Tendenz in Der Große König und zumindest unterschwelligem Rassismus in Die Goldene Stadt – optisch interessant umgesetzt sind. Der Große König bietet neben einigen etwas triefenden Passagen eine gut inszenierte Monumental-Film-Unterhaltung, deren visuelle Wucht und Aufwand in Der Choral von Leuthen (1933) nicht annähernd erreicht wird. Und Die Frau meiner Träume ist nicht allein in Anbetracht der schwierigen Umstände ihrer Entstehung eine visuell und musikalisch gute deutsche Musical-Unterhaltung. Sie zählt darüber hinaus wie auch Die Goldene Stadt zu den bemerkenswerten Farbfilmen der Zeit. Unterm Strich ermöglichen die vorliegenden DVDs damit dem zeitgeschichtlich und filmhistorisch Interessierten wertvolle Einblicke und sind deshalb sehr zu begrüßen.

Titel: Die Frau meiner Träume
Erschienen: 2002

Zusatzinformationen: D, 1944

Medium: DVD
Verleih: Universum Film DVD
Kennung: PTD 2024

Regisseur(e):

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