CD

Veröffentlicht am 11.09.2002 | von Marko Ikonić

Monster’s Ball

Monster’s Ball Marko Ikonić
Bewertung

Monster’s Ball, Marc Forsters viel beachtetes Drama um die ungewöhnliche Liebe zwischen einem rassistischen Gefängniswärter (Billy Bob Thornton) und einer Afroamerikanerin (Halle Berry), wird von einer unkonventionellen Vertonung der US-Musikproduktionsfirma „Asche & Spencer“ (http://www.ascheandspencer.com) unterstützt. Es ist der erste große Filmauftrag dieser Agentur mit Hauptsitz in Minneapolis, die sich seit der Gründung vor 14 Jahren auf die Vertonung von Werbespots spezialisiert hat (u.a. auch viele Big-Budget-Produktionen für Firmen wie Nike, Levi’s und Peugeot) und zur Zeit acht Komponisten beschäftigt.

Der Song-Teil des Silva-Albums spiegelt den Schauplatz des Films im provinziellen Georgia wider. Drei lockere Countrynummern von „The Jayhawks“ (der Ex-Band des Firmengründers Thad Spencer), „Red Meat“ und Jimmie Dale Gilmore sowie ein Lied der Soul-Sängerin Jean Wells eröffnen die CD.

Der im Anschluss mit etwa 35 Minuten vertretene Score lässt sich stilistisch schwer einordnen. Vor einer fast immer vorhandenen, diffusen Synthesizer-Klangfläche gibt es oft bis zur Unscheinbarkeit dezente Einlagen von mit Echoeffekten verfremdeter Gitarre, Marimba, Klavier und verschiedenen rein elektronisch erzeugten Sounds. Den beiden Protagonisten Hank und Leticia hat das Komponistenteam zwei ebenfalls sehr unauffällige melodische Fragmente zugeordnet, die aber nur marginal Verwendung finden.

Manchmal wähnt man sich auch in einem völlig anderen Musik-Genre und fragt sich, wo denn nur die so schön beruhigenden Walgesänge und Geräusche des Regenwalds abgeblieben sind. Solche Naturlaute hätten sich wahrscheinlich nahtlos in das Klangkonzept gefügt. Dieser Vergleich zu diversen „Relaxation“-CDs sei lediglich gezogen, um einen Eindruck von der Art flüchtiger „Sphärenklänge“ zu vermitteln, die den Hörer hier erwarten; er ist nur bedingt wertend gemeint, denn, dass die Produktion des Scores seine Schöpfer mit überraschend komplexen Aufgaben konfrontiert hat (vor allem im Bereich der elektronischen Nachbearbeitung „echten“ Instrumentalklanges), wird in mehreren Interviews deutlich und steht hier nicht zur Debatte.

Vermutlich leistet Monster’s Ball von „Asche & Spencer“ dem zugehörigen Film als dramaturgisches Mittel gute Dienste. Dass eine so wenig greifbare, für sich genommen monotone und wenig stimulierende Musik, die offenbar in erster Linie für und mit dem Film richtig „lebt“, kein großes Album-Hörvergnügen bereitet, liegt aber ebenso auf der Hand. Die CD richtet sich somit vor allen Dingen an jene, die sich nach dem Kinobesuch mittels des Scores auch ohne Bilder erneut in die eigentümliche Stimmung des Films versetzen lassen möchten. Gänzlich ohne den Bildbezug und die angesprochene Souvenir-Wirkung bleibt jedoch nicht viel mehr als ein ziemlich eintöniger Elektronik-Klangteppich zurück, der sich allenfalls – und sicherlich gibt es auch Hörer, die so etwas schätzen – als unaufdringliche Musikberieselung für Schreibtischarbeiten und Ähnliches eignet. Ein Probehören vor dem Kauf ist daher angeraten.

Titel: Monster’s Ball
Erschienen: 2002


Medium: CD
Label: Silva Screen
Kennung: FILMCD 361

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