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Veröffentlicht am 09.10.2001 | von Michael Boldhaus

Metropolis: In/Aus Trümmern

Metropolis: Ein Film von Fritz Lang

Auf der 51sten Berlinale (2001) stand die Retrospektive ganz im Zeichen des 1890 in Wien geborenen Regisseurs Fritz Lang. Ein äußeres Wahrzeichen wurde das von ihm aufgrund einer (im ersten Weltkrieg erlittenen) Augenverletzung getragene Monokel, welches ihn visuell zum Stereotypen des preußischen Aristokraten machte. Lang drehte im Laufe der 20er Jahre einige der besten deutschen Stummfilme. Hierfür stehen besonders die expressionistische, in stilisierten Kulissen realisierte Verfilmung der germanischen Heldensage, Die Nibelungen (1924), und der in seiner Architektur vom Einfluss der Bauhaus-Schule geprägte Metropolis (1927). Metropolis war für seine Zeit eine Produktion der Superlative und Teil des Konkurrenzkampfes der damals starken und modernen deutschen Filmindustrie gegen Hollywood.

(Wie Kevin Brownlow in seinem Standardwerk „Pioniere des Films: Vom Stummfilm bis Hollywood“ feststellt, hatte Europa mit der Machtergreifung des Nationalsozialismus in Deutschland endgültig die Chance verspielt, eine Konkurrenz zu Hollywood zu werden.)

Nur rund 15.000 Zuschauer dürften zwischen Januar und Mai 1927 die (anschließend zurückgezogene) etwa 140-minütige Premierenfassung von Metropolis gesehen haben – so wie ihn Thea von Harbou 1924/25 geschrieben und Fritz Lang 1925/26 gedreht und geschnitten hat. Kurioserweise gehört dieser auf der einen Seite wohl berühmteste deutsche Stummfilm zugleich zu den unbekanntesten. Kein anderer Film wurde zwar so oft wieder gezeigt, kein anderer ist dabei aber durch rigorose Eingriffe derart entstellt, ja fast zerstört worden. Mehr als 30 Minuten Film wurden bereits kurz nach der Premiere herausgeschnitten, sind größtenteils verloren, der Rest wurde teilweise umgestellt und mit neuen Zwischentexten versehen. Im Resultat existieren bis heute eine Reihe von verschieden langen fragmentarischen Fassungen (bereits im Uraufführungsjahr existierten drei), die sich außerdem durch unterschiedliche Montage deutlich unterscheiden.

Thomas Elsaesser: „Metropolis, der Filmklassiker von Fritz Lang“ und Enno Patalas: „Metropolis in/aus Trümmern. Eine Filmgeschichte von Enno Patalas“

Thomas Elsaesser gelingt in „Metropolis, der Filmklassiker von Fritz Lang“ eine anschauliche, sachliche und umfassende Analyse des Metropolis-Mythos. Nachdem er dem Leser die wichtigsten Personen im Umfeld der Produktion vorgestellt hat, geht der Autor ausführlich auf die Entstehungsgeschichte des Filmwerkes und anschließend auf die unterschiedlichen Kinofassungen und Restaurierungen ein. Ironischerweise wurde Metropolis durch die äußerst fragwürdige, in den 80ern angefertigte Neumontage des Musikproduzenten Giorgio Moroder – unterlegt mit selbst komponierter Musik – endgültig zum Kultfilm einer neuen Generation von Kinogängern. Eingehend gewürdigt werden dazu die häufig kontroversen Kritiken, die der Film im Laufe der Zeit erfuhr. Ein unterhaltsames und aufschlussreiches Buch.

Enno Patalas geht bei der von ihm im Auftrag der Murnau-Stiftung erstellten (jüngsten) „restaurierten Fassung“, die auf der diesjährigen Berlinale gezeigt worden ist, mehr ins Detail. So entwirft sein Buch „Metropolis in/aus Trümmern. Eine Filmgeschichte von Enno Patalas“ eine möglichst genaue Beschreibung dessen, was Metropolis wohl einst gewesen sein mag. Der Autor rekonstruiert nicht allein das überlieferte, sondern fügt auch das Verlorene aufgrund akribischer Spurensuche wieder hinzu. Hierzu dienten (unter anderem) neben dem Drehbuch die für den Film komponierte Musik, Zensurkarten, Programm- und Pressehefte, Film-Besprechungen und Fotos. Der Band bietet somit eine in „kritischer Abwägung nacherzählte“ Premierenfassung von Enno Patalas (Film) und Rainer Fabich, der sich eingehend mit der wertvollen Originalmusik von Gottfried Huppertz beschäftigt hat. (Im Zuge der 1996er RCA-BMG-CD-Serie „100 Jahre Filmmusik“ wurde seinerzeit auch eine große Suite aus der Metropolis-Musik neu eingespielt, die unglücklicherweise – wohl aufgrund von Rechtsstreitigkeiten – bis heute unveröffentlicht im Archiv schlummert.) Das lobenswerte und interessante Buch dürfte primär auf Metropolis Spezialisierte und sicher auch Studenten der Film-Wissenschaften ansprechen.

Die Bücher von Thomas Elsaesser und Enno Patalas sind nicht deckungsgleich und daher auch zusammen eine Überlegung wert. Wer einen guten Gesamtüberblick zum Metropolis-Mythos sucht, ist mit dem Band von Elsaesser sicherlich gut bedient. Wer sich außerdem – oder auch nur – mit der jüngsten Rekonstruktion des Filmwerkes besonders eingehend auseinandersetzen möchte, der greife zum Buch von Patalas. Beide Bände sind mit sorgfältig ausgewähltem, umfangreichem Bildmaterial in hervorragender Qualität ausgestattet.

Titel: Metropolis: In/Aus Trümmern
Erschienen: 2001

Zusatzinformationen: 16,90 € (D)
Laufzeit: 174 Seiten

Medium: Buch
Verlag: Bertz Verlag
Kennung: ISBN 3-929470-19-5

Autor(en):

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Veröffentlicht am 09.10.2001 | von Michael Boldhaus

metropolis: der filmklassiker von Fritz Lang

Titel: metropolis: der filmklassiker von Fritz Lang
Erschienen: 2001

Zusatzinformationen: 12,90 € (D)
Laufzeit: 112 Seiten

Medium: Buch
Verlag: Europa Verlag
Kennung: ISBN 3-203-84118-5

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Veröffentlicht am 09.10.2001 | von Michael Boldhaus

Ich werde sie jagen bis ans Ende der Welt / Fritz Langs Abschied von Berlin

Ich werde sie jagen bis ans Ende der Welt. Fritz Langs Abschied von Berlin.

In Romanform versucht die junge französische Filmredakteurin Agnes Michaux – anhand der Biografie von Fritz Lang – die emotionale Zerrissenheit und den bitteren Entscheidungsprozess des Regisseurs an seinem letzten Tag in Berlin (30. März 1933) nachzuzeichnen. Die Autorin thematisiert in Form leiser Töne den alten Konflikt „Anpassung, Widerstand oder Emigration“ in der Auseinandersetzung eines Individuums mit einem totalitären Regime. Propagandaminister Goebbels will, dass der begabte Regisseur die Führung der deutschen Filmindustrie übernehme, um damit für das 1000-jährige Reich „den“ nationalsozialistischen Film zu erschaffen.

Dadurch, dass sich die Verfasserin eng an historische Fakten hält, gelingt es ihr, dem Leser die (wahrscheinlichen) Gedanken Fritz Langs und seine schmerzliche Entscheidung zur Emigration recht überzeugend zu vermitteln. Aber auch der „Hauch des Todes“, den die Nazis im einst von Fritz Lang so geliebten Berlin bereits verströmen, wird spürbar. Aufschlussreich zu lesen, sind die zwischen den Kapiteln eingefügten Zensurgenehmigungen für Langs Filme.

Titel: Ich werde sie jagen bis ans Ende der Welt / Fritz Langs Abschied von Berlin
Erschienen: 2000

Zusatzinformationen: 16,90 € (D)
Laufzeit: 208 Seiten

Medium: Buch
Verlag: Europa Verlag
Kennung: ISBN 3-203-80060-8

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