Blu-ray

Veröffentlicht am 13.05.2018 | von Michael Boldhaus

Unser Blauer Planet II

Unser Blauer Planet II Michael Boldhaus
Film
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Extras

TV-Natur-Dokumentarserien, 25. Folge:

Auf UHD-BD: Die aktuelle Naturdokumentation von BBC earth und WDR Unser Blauer Planet II

Blue Planet II * Unser Blauer Planet II, die aktuelle BBC-Naturdoku, koproduziert mit dem WDR, ist der direkte Nachfolger von The Blue Planet * Unser blauer Planet (2001). Diese vor nunmehr fast zwei Dekaden natürlich noch in Standard-Auflösung produzierte Naturfilmreihe erregte nicht nur beträchtliches Aufsehen. Sie war zugleich Auslöser für die in den Folgejahren entstandene Vielzahl produzierter High-Tech-Naturdokumentationen, welche weltweit auf starkes Zuschauerinteresse gestoßen sind. Bereits die vor nunmehr rund 10 Jahren eingeführten frühen HD-Technologien und die dazu noch vor der TV-Einführung auf dem Markt positionierte Blu-ray-Disc (BD) waren ein Meilenstein – siehe dazu auch den Artikel zur im Jahr 2009 erschienenen Naturdokumentation Yellowstone. Zwar hat die 2016 eingeführte UHD-BD etwas länger Zeit gebraucht, stärker ins Kaufinteresse zu rücken. Zwischenzeitlich hat das neue Format aber Tritt gefasst und ist in zunehmendem Maße dabei, Marktanteile zu gewinnen. Auch das Fernsehen schielt bereits kräftig in Richtung UHD. Allerdings ist UHD vom physischen Datenträger UHD-BD den derzeit verfügbaren Streamingverfahren eindeutig überlegen.

Zwar bietet die erstmalig im Jahr 2003 in der ARD gezeigte und ein Jahr später auch als DVD-Ausgabe auf dem deutschen Markt erschienene erste Serie auch heutzutage noch eindrucksvolle Impressionen. Aber seitdem hat die rasante Entwicklung der digitalen Videotechnik die Möglichkeiten in einem erheblichen Maße erweitert. Dies gestattet es, den schon beachtlichen visuellen Gesamteindruck von damals klar zu übertreffen. Natürlich gibt’s dabei schon auch Vertrautes zu sehen, etwa den nur in großer Tiefe und damit komplett dunklen Regionen der Ozeane anzutreffenden Fangzahnfisch. Er besitzt optisch durchaus das Zeug, als Monster in Horrorfilmen zu agieren, und zählte bereits in der Original-Serie zu den Attraktionen. Darüber hinaus werden aber auch eine ganze Reihe in jüngster Zeit erfolgter Beobachtungen erstmalig präsentiert: etwa die bei den Galapagos-Inseln so elegant im Team Thunfische jagenden Seelöwen, oder die fast schon unglaubliche Jagdtechnik von Dickkopf-Stachelmakrelen, Raubfischen, die ausgewachsen rund 170 cm lang und etwa 80 kg schwer sind, welche Seeschwalben, die knapp über der Wasseroberfläche fliegen geradezu blitzartig verschlingen können. Und dass selbst Fische mitunter Werkzeuge benutzen, wird am Beispiel des im Great Barrier Reef heimischen Großzahn-Lippenfisches demonstriert. Dieser knackt Muscheln lässig, indem er abgestorbene Korallen als Amboss benutzt.

Mit entscheidend für die in vielem allerdings neuartigen Blicke auf das vielfältige Leben in den Meeren unseres Planeten ist aber auch hier, dass es mit Hilfe modernster Techniken gelang, den Kreaturen viel näher zu kommen als es bisher möglich war. So ermöglichten es beispielsweise Mikro- und/oder Endoskopkameras, das Verhalten einzelner Arten selbst in engen, schwer zugänglichen Nischen zu filmen, etwa an Korallenriffen. Und das freilich ohne die jeweiligen mitunter mikroskopisch kleinen Spezies zu stören und damit ihr Verhalten zu verfälschen. Dass dazu die tauchenden Kameraleute mit Hilfe der Sauerstoffrebreathertechnologie ohne  die sonst unvermeidlichen Atemgasblasen tauchen, also lärm- und blasenfrei, fast „wie ein Fisch im Wasser“ agieren, zählt dabei zu den zwingenden Voraussetzungen. Das spezielle Tauchboot Nadir ermöglichte Beobachtungen in Tiefen bis zu 1000 m.

Unser Blauer Planet II liefert letztlich zwar auch durch 4K, aber in dominierendem Maße dank HDR (High Dynamic Range) praktisch in Serie mit äußerster Präzision eingefangene, qualitativ schlichtweg grandiose Bilder. Geschickt montiert und unterlegt mit einem die Bildwirkung zusätzlich aufpeppenden Geräusch- und Musikmix warten diese häufiger auch mit schon kinofilmhaft anmutenden Showeffekten auf. Roger Munns, einer der führenden Unterwasserkameramänner der Produktion, ist übrigens erst kürzlich, im März, mit einem BAFTA-Award für seine herausragende Arbeit an der Eröffnungsfolge „Ein Ozean“ ausgezeichnet worden.

Das Score-Album von Hans Zimmer & Co.

Die Musik ist in der Anlage eng verwandt mit der zu Planet Earth II. Auch hier durchdringen sich orchestrale und synthetische Sounds in Kombination mit Solo-Instrumentarium, gesampelten Chören und neben Geräuscheinblendungen auch der vertrauten Media-Ventures-Rhythmik, welche hier allerdings weniger wummernd auftritt. Überhaupt gibt es hier die in Planet Earth II häufiger betont actionhaften, mit ausgeprägter Rhythmik illustrierten Momente höchstens ansatzweise, denn unter Wasser sind vielmehr eher ruhig gleitende oder sogar schwebende Bewegungen angesagt. Dies sorgt bei den aus dem Hause „Remote Control Productions“ stammenden Kompositionen dieses Mal für einen deutlich weniger hektischen, insgesamt sogar betont entspannten Charakter. Anstelle der mitunter eher zur Klangcollage denn Musik im herkömmlichen Sinne tendierenden Zimmer-Tonschöpfungen (etwa Dunkirk)  geht es hier wieder betonter thematisch und melodisch geprägt zur Sache. Die Filmmusik präsentiert sich somit als eine überwiegend entspannt wallende und wogende rauschhafte Klangmixtur, welche im zudem gelungen maßvollen Albumschnitt von (dieses Mal besteht das Album aus „nur“ einer statt zwei CDs) rund 71 Minuten auch als reines Höralbum gut zu unterhalten vermag.

Unser Blauer Planet II als BD/UHD-BD-Combi-Set

Der Vorjahres-Renner über unseren Heimatplaneten, Planet Erde II, kam erst mit kleiner Verzögerung auch als Ultra-High-Definition Blu-ray (UHD-BD) auf den Markt. Unser Blauer Planet II steht hingegen für den Interessierten nun direkt (wiederum als UHD-BD/BD-Combi-Pack) bestückt mit insgesamt 6 Discs (!) und damit in Deluxe-Ausführung zum fairen Preis zur Disposition. Das im sehr ansprechend aufgemachten Set mit enthaltene 24-seitige Begleitheft ist nicht nur schön bebildert, es wartet zugleich mit Infos zu den einzelnen Episoden der Reihe auf.

Dieses Mal gibt es jedoch kein deutschsprachiges Pendant zum in Großbritannien selbstverständlich erschienen Begleitbuch zur edlen TV-Reihe: Schade! Das ist m. E. schon ein echter Wehrmutstropfen.

Bild und Ton

Wie bereits zu Planet Erde II (Link zum UHD-Artikel) festgestellt, ist es in erster Linie HDR (High Dynamic Range), der höhere Kontrastumfang in Verbindung mit dem erweiterten Farbraum, was die Magie von UHD entscheidend ausmacht. Auch hier gilt, dass bereits die Blu-ray-Version mit absolut überzeugenden, untadligen Bildern aufwartet. Insbesondere eingehendere Vergleiche mit der UHD-Version lassen allerdings den Qualitätszuwachs deutlich werden. Episode Nr. 3, „Die Korallenriffe“, wartet dafür naturgemäß mit besonders farbenfreudigen Bildern auf und ist daher ein besonders eindrückliches Demonstrations- und Vergleichsobjekt. Man sollte sich anfänglich etwas Zeit dafür lassen, die eigene Wahrnehmung zu schulen, anschließend erkennt man die Unterschiede umso eindeutiger.

Verursacht durch die speziellen Herausforderungen und Probleme bei Unterwasseraufnahmen gilt zwangsläufig auch für Unser blauer Planet II, dass gelegentliche leichte Inkonsistenzen beim Bild nicht völlig zu vermeiden sind. Angesichts der wirklich nur in wenigen Fällen kurzzeitig auffallenden geringfügigen Bildmängel ist das allerdings fast schon kleinliche Meckerei. Es dominiert vielmehr eine durchgehend vorhandene besondere Brillanz der sowohl außergewöhnlich kontrastreich als auch äußerst detailfreudig und in leuchtenden Farben erstrahlenden Bilder. Dabei steht HDR keineswegs für knallige, besonders gesättigte Farben. Der Unterschied in der Darstellung äußert sich vielmehr gerade in den erheblich feiner dargestellten Übergängen bei dezenterer Farbgebung. Auch die von Teufelsrochen vor der mexikanischen Küste ausgelöste Biolumineszenz, zu sehen in der Eröffnungsepisode „Ein Ozean“, aufgenommen mit neuartigen Restlichtkameras, sieht dank des größeren Kontrastumfangs deutlich markanter und eindrucksvoller aus. Und das gilt ebenso für die bereits in der ersten Serie spektakulären, da völlig unvermuteten Lichteffekte, welche in ca. 1000 Metern Tiefe lebende Bewohner erzeugen, die in der zweiten Episode „Die Tiefsee“ vorgestellt werden.

Akustisch sind die edlen Bilder ebenfalls völlig adäquat, nämlich mit einer professionell auf sämtlichen Kanälen sauber ausgesteuerten Tonspur in DTS HD MA 7.1 versehen, ohne dass dabei zu dick aufgetragen wird. Die auch auf die hinteren und seitlichen Kanäle sorgfältig verteilten Umgebungsgeräusche lassen den Surroundmix sehr überzeugend, nämlich angemessen atmosphärisch erscheinen. In den dramatischeren Momenten kommen insbesondere die Bassanteile der Musik zum Tragen und unterstreichen das dezente Kinofeeling.

Ausstattung und Extras

Im Gegensatz zur deutschen Fernsehversion sind die Videoausgaben ungekürzt und liegen in der originalen BBC-Schnittfassung vor. Damit erhält der Interessierte nicht nur die sechs TV-Folgen, welche im Februar und März 2018 in der ARD gezeigt worden sind, sondern im Set ist außerdem der mit knapp 60 Minuten längste, etwas betonter wissenschaftliche siebte Teil enthalten. Dieser widmet sich eingehender ökologischen Betrachtungen zur Situation in den Ozeanen. Unser blauer Planet II ist damit erfreulicherweise auch mehr als eine visuell überwältigende Revue der Schönheiten maritimer Bereiche der Erde.

Ebenfalls komplett sind zudem die ersten sechs, im Original jeweils rund 50 Minuten umfassenden Episoden, „Ein Ozean“, „Die Tiefsee“, „Die Korallenriffe“, „Das weite Blau“, „Die grünen Meere“ und „Die Küsten“, welche in der deutschen Fernsehfassung auf jeweils knapp unter 45 Minuten gekürzt worden sind. Damit gibt’s hier nun die vom legendären britischen Naturfilmer und Kommentator der Reihe, David Attenborough, moderierten Szeneneinschübe zu sehen. Als dessen deutsche Synchronstimme fungiert Christian Schult, der auch den Off-Kommentar spricht. In der TV-Fassung hingegen fungiert als Off-Erzähler der als Tatort-Kommissar Klaus Borowski bekannte Axel Milberg.

Darüber hinaus gibt es zu jeder der ersten sechs Episoden ein jeweils rund 10-minütiges kleines Making-of. Gerade diese Einblicke in die ungemein aufwändige Produktion der gesamten Reihe machen dem von der visuellen Vielfalt überwältigten Zuschauer deutlich, wie mühevoll und mit welcher Akribie und großer Liebe zum Metier hier bis in letzte Details gearbeitet worden ist.

Fazit: Nach Planet Erde II: Eine Erde – viele Welten in der UHD-BD-Version bietet auch Unser Blauer Planet II absolut erstklassiges Dokumentarmaterial und das in einer Bildqualität, die als Referenzklasse gelten darf. Bereits aufgrund der zum Teil unmittelbaren Eye-Catcher-Qualitäten ist das etwas, an dem nur wenige achtlos vorübergehen werden. Entsprechend dürfte daher auch dieser Titel in besonderem Maße das Zeug zum begehrten Demo- und Einstiegprodukt in diese nächste Entwicklungsstufe der hochauflösenden Videotechnik besitzen. Dies gilt auch deswegen, da im Set der UHD-BD-Version (analog zur Frühphase der Blu-ray) die Blu-ray-Ausgabe zusätzlich enthalten ist und der Käufer somit in aller Ruhe beide Versionen einander direkt gegenüberstellen und damit sowohl objektiv als auch optimal vergleichen kann.

Hier geht’s zum Gewinnspiel.

Zur Erläuterung der Wertungen lesen Sie bitte unseren Hinweis zum Thema „Blu-ray-Disc versus DVD“.

Titel: Unser Blauer Planet II (Blue Planet II)
Erschienen: 2018


Medium: Blu-ray
Verleih: BBC earth/WDR, Polyband
Kennung: 6-Disc-Set: 3BDs + 3UHD-BDs


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