Blu-ray

Veröffentlicht am 23.10.2017 | von Michael Boldhaus

Garten des Bösen (Blu-ray)

Garten des Bösen (Blu-ray) Michael Boldhaus
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„Gold and Dirt“ in Henry Hathaways außergewöhnlichem Western: Garden of Evil

Der Rezension der 2005er DVD-Edition zu Garden of Evil * Der Garten des Bösen (1954) ist bei den Infos zum Film nichts hinzuzufügen.

Garden of Evil in HD auf BD

Diese Koch-Media-Blu-ray kommt reihentypisch als schickes Digibook mit der zugleich ein kleines Jubiläum begehenden Numero 50 der Koch-Media-Reihe „Edition Western-Legenden“ daher. Erfreulicherweise hat Koch Media gegenüber der wirklich nur sehr sparsam ausgestatteten alten DVD-Edition nun kräftig aufgerüstet und (bis auf den von Julie Kirgo stammenden Text im Begleitheft) sämtliche Extras der im Mai 2016 erschienenen US-Blu-Ray-Ausgabe  von Twilight Time übernommen.

Die sehr gute Ausstattung ist allerdings kein Privileg der Reihe „Western-Legenden“. Im Rahmen des Machbaren ist Koch Media nämlich auch schon zuvor bemüht gewesen seine Home-Videoausgaben durch hochwertige Transfers im Verbund mit guter Ausstattung aufzuwerten, siehe dazu z. B. Wem die Stunde schlägt (1943) oder Gefahr aus dem Weltall (1953).

Bild und Ton

Bereits die entsprechende DVD zeigte schon Bilder beachtlicher Qualität. Interessanterweise hat man jetzt nun sogar die Wahl zwischen zwei HD-Transfers: dem von der Twilight-Time-BD stammenden aus dem Jahr 2013 sowie einem aus dem Jahr 2007, welcher in der Boni-Sektion untergebracht ist. Beide Transfers sehen markant unterschiedlich aus. Der 2013er Transfer ist dunkler als der ältere. Der satte Schwarzwert im Verbund mit dem steileren Kontrast sorgen zumindest in einzelnen Szenen dafür, etwa in der Eröffnung, dass in dunkleren Teilbereichen schon auch ein wenig Details zu früh im Schwarz abtauchen. Dafür sind aber nicht nur die Farben deutlich satter, die Details sind ebenfalls erheblich vielfältiger abgestuft. Auch wenn nicht völlig perfekt, ist der prächtige Bildeindruck insgesamt das Beste, was es zum Film bisher auf Video zu sehen und zu Kaufen gab. Beim helleren 2007er Transfer ist nicht nur bereits das doch eine nächtliche Szenerie abbildende, nämlich von großen Scheinwerfern angestrahlte Fox-Logo zu Beginn gegenüber dem Gewohnten schlichtweg zu hell. Der flacher verlaufende Kontrast und damit verbunden ein etwas zu heller (leicht gräulicher) Schwarzwert sorgen zudem für geringere Detailauflösung. Die zu blassen Farben werden bereits im Rollentitel erkennbar, wo die blutrot leuchtenden Lettern des neueren Transfers wesentlich mehr überzeugen als die dezent verwaschenen des älteren. Die Schärfe liegt zwar bei beiden Transfers auf der sicheren Seite, aber der 2013er  wirkt denn doch noch ein sattes Quäntchen brillanter und in sich stimmiger, auch wenn die insgesamt kräftigeren, betont rustikalen Farben in einzelnen Momenten (insbesondere in der Cantina-Sequenz) die Hauttöne auch mal ein wenig unnatürlich, übersättigt und zu bräunlich, versehen mit dezentem Osrangeeinschlag, abbilden. Immer wenn mit Matte-Paintings getrickst worden ist, erscheint bei beiden Transfers das Bild in Teilen softer und etwas künstlicher. Der insgesamt sehr knackig erscheinende jüngere Transfer hat last but not least jedoch noch in einem weiteren Punkt die Nase klar weiter vorn: Zeigt er doch am oberen und unteren Bildrand (nicht an den Seiten) etwas mehr Information und bildet somit das mit 1 : 2,55 besonders breite frühe CinemaScope-Filmbild (entsprechend fett sind die schwarzen Balken auf dem Bildschirm) präziser ab als beim offenbar nicht völlig korrekt vertikal entzerrten Bild des 2007er Transfers.

Deutlich gegenüber der DVD-Ausgabe zugelegt hat außerdem der nun noch lebendigere englische Originalton, der als DTS-HD Master Audio vorliegt und das klassische Magnetstereoton-Klangpanorama jetzt besonders überzeugend abbildet. Diesen kann man jetzt sogar in drei Optionen testen: als 2.0-, 4.0- oder 5.1-Mix. Auch wenn sich der deutsche Mono-Lichtton bereits systembedingt zwangsläufig dahinter einreihen muss: Für sich genommen kommt er schon durchaus ordentlich, nämlich frisch, klar und relativ dynamisch herüber.

Extras

Auch wenn die Extras (sämtlich in SD-Qualität) „nur“ aus den Beigaben früherer US-DVD-Ausgaben stammen, stellen sie einen echten Zugewinn dar. Drei im Umfang zwar kleinere Doku-Features, „Die Reisen eines Revolverhelden: Das Making of Garten des Bösen“ (rund 13 min), „Susan Hayward: Hollywoods ehrlichste Haut“ (rund 7 min) sowie ein Porträt des Regisseurs Henry Hathaway, „Harte Kerle in harten Zeiten“ (rund 12 min.), liefern interessante Hintergrundinformationen.

Erstmalig kann man sich jetzt Bernard Herrmanns grandiose Filmmusik (parallel zum Film) auch separat, als isolierte Musiktonspur, also ohne Dialoge und Geräusche – allerdings mit den Ansagen während der Aufnahmesitzungen – des so genannten Film-Soundtracks anhören und das natürlich in Stereo 3.0. Besonders interessant für Filmmusikfreunde ist noch der hochwertige Audiokommentar, bei dem neben Nick Redman und Steven C. Smith auch die Macher der Marco-Polo/Naxos-Neueinspielung der Herrmann-Musik, John Morgan und William T. Stromberg beteiligt sind. Zwar sind im Kommentar auch einige interessante Anmerkungen zum Film und zum Hollywood der Fifties enthalten, eindeutig im Focus steht jedoch die Wirkung von Herrmanns Filmmusik und seine außergewöhnliche Karriere. Erfreulicherweise sind die Doku-Features auch deutsch untertitelt, der Audiokommentar hingegen leider nicht.

Besser bestückt als zuvor ist auch die Trailersektion, welche jetzt mit insgesamt zwei US-Kino-Trailern, sogar in jeweils zwei Bildformaten (Scope und Breitwand 1: 1,85) und auch einem kurzen US-TV-Werbespot in Schwarzweiß aufwartet. Koch-Media hat auch noch einen weiteren, trotz  seiner vielen Kratzer und Schrammen sowie unübersehbarem Braunstich besonders drolligen deutschen Scope-Trailer hinzugepackt, bei dem das damals noch Neue von CinemaScope und 4-Kanal-Magnetstereoton ebenso vollmundig betont wird, wie in den US-Pendants: Das betont charmant den Nostalgiefaktor.

Darüber hinaus fehlt auch die für Koch-Media-Präsentationen typische Bilder-Galerie, bestehend aus Werbematerialien nicht. Das im Digibook fest eingeklebte, 8-seitige Begleitheft enthält neben einer Collage aus Werbematerialien einen soliden einführenden Kommentar zum Film von Richard Oehmann.

Soweit steht alles wirklich zum Besten. Leider hakt es jedoch nach wie vor bei der Aufteilung in Kapitel, derer es hier nur ganze acht (!) für insgesamt rund 100 Minuten Film gibt. Ich verstehe absolut nicht, dass man in diesem Punkt bei Koch-Media (immer noch!) komplett hinterherhinkt und Index-Marken ausschließlich nach Schema F, nämlich rein willkürlich automatisiert alle 10 Minuten setzt, anstatt der jeweiligen Filmdramaturgie zu folgen. Von der mit Faktor 3 zu multiplizierenden, also mit 24 Indexpunkten zweifellos erheblich überzeugenderen Kapiteleinteilung der Twilight-Time-Ausgabe kann man hier leider nur träumen – hätte man diese nicht einfach mit übernehmen können?

Fazit: Der Garten des Bösen (1954) zeigt sich in HD auf Blu-ray gegenüber der schon respektablen DVD-Edition des Jahres 2005 qualitativ erheblich verbessert. Insbesondere beim etwas längeren Schauen, treten die Verbesserungen noch deutlicher hervor und machen das Leinwandgeschehen in der Wirkung auf den Betrachter eindringlicher. Zusammen mit der jetzt ebenfalls sehr guten Ausstattung reckt sich der Daumen eindeutig nach oben. Für den Freund der klassischen Kino-Western ist diese insgesamt edle Blu-ray-Edition praktisch unverzichtbar.

Zur Erläuterung der Wertungen lesen Sie bitte unseren Hinweis zum Thema „Blu-ray-Disc versus DVD“.

Titel: Garten des Bösen (Blu-ray) (Garden of Evil)
Erschienen: 2017

Zusatzinformationen: USA 1954

Medium: Blu-ray
Verleih: Koch Media, Edition Western-Legenden 50
Kennung: BD Mediabook

Regisseur(e):


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