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Veröffentlicht am 30.04.2017 | von Michael Boldhaus

The King’s Choice – Angriff auf Norwegen

The King’s Choice – Angriff auf Norwegen Michael Boldhaus
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Nach dem Blick auf Dänemark mit Max Manus (2008, Regie: Joachim Rønning & Espen Sandberg) sowie 9. April – Angriff auf Dänemark (2015, Regie: Roni Ezra) hat nun der norwegische Regisseur Erik Poppe mit dem im Original Kongens nei betitelten Streifen ein weiteres sehr solides Kriegsdrama über die Rolle der nordischen Länder im 2. Weltkrieg beigesteuert.

Hintergrund von The King’s Choice – Angriff auf Norwegen ist ein weiterer Aspekt des Unternehmens „Weserübung“, ist das, was in Norwegen jedes Schulkind lernt: Die einmalige Einmischung König Haakons VII. in die norwegische Politik. Die Entscheidung des Königs, einer Kooperation mit den ins Land eindringenden Deutschen seine Zustimmung zu verweigern, gilt dort als entscheidendes Signal für den nationalen Widerstand und als Zeichen im Kampf für ein befreites Norwegen. Der späterhin berüchtigte Vidkun Quisling, Leiter der faschistischen Partei „Nasjonal Samling“ (NS), hatte bereits am Tag der deutschen Invasion gegen die Regierung geputscht und sich selbst zum Regierungschef ausgerufen. Er, der erst im Februar 1942 eine Marionettenregierung bilden durfte, wird im Film nicht gezeigt, nur eher beiläufig erwähnt.

Jesper Christensen verkörperte im derzeit jüngsten James-Bond-Filmabenteuer Spectre den Bösewicht Mr. White. Hier ist er ebenso glaubwürdig in die Rolle des etwas knorrig wirkenden, aber äußerst familiär und menschenfreundlich erscheinenden norwegischen Königs geschlüpft. Mindestens ebenso interessant ist aber auch die Figur des deutsche Gesandten Dr. Curt Bräuer, prominent besetzt mit dem Österreicher Karl Markovics (besonders markant im oscarprämierten Drama im Film Die Fälscher (2007) von Regisseur Stefan Ruzowitzky um die größte von den Nazis betriebene Geldfälscheraktion. Während die Deutschen immer mehr Schlüsselpositionen besetzen und zugleich versuchen, der auf der Flucht befindlichen Königsfamilie habhaft zu werden, wächst Bräuer, der Quisling ähnlich verabscheut wie der norwegische König, in seinem ehrlichen wie verzweifelten, letztlich scheiternden Versuch über sich selbst hinaus, Haakon zu einer Kooperation zu bewegen. Auf das Nein des Königs folgen deutsche Luftangriffe und eine verzweifelte Mobilmachung der hoffnungslos unterlegenen Norweger. Wenn sich selbst die Königsfamilie von fallenden Bomben gehetzt zu Fuß in den Wald retten muss und der alte König Deckung nehmend sich zugleich schützend über ein Kind beugt, dann kommt das zwar recht pathetisch seine Rolle als „Volkskönig“ versinnbildlichend herüber. Aber es setzt zugleich die Ohnmacht und Dramatik jener Tage überzeugend in Szene.

Alles in allem ist die mit einer guten Besetzung auch in kleinen Rollen aufwartende, sorgfältig ausgestattete Produktion in erster Linie ein im klassischen Erzählkinostil gehaltenes Kammerspiel mit merklichem Dokumentarfilm-Touch. Etwas Derartiges lebt immer in besonderem Maße von seinen Dialogen. Aber auch einige sauber inszenierte Actionmomente fehlen nicht, was dem Geschehen einen Schuss Tempo, zusätzliche Dramatik und ein wenig epischen Touch verleiht. Die teilweise CGI-unterstützten, professionell choreografierten kurzen Kriegsszenen, etwa die Versenkung des schweren Kreuzers „Blücher“ im Oslofjord oder anfliegende deutsche Heinkel-Bomber, hinterlassen einen durchaus soliden Eindruck und verleihen diesem gegenüber Hollywoodblockbustern natürlich zwangsläufig kleinen Film einen durchaus ansehnlichen, keineswegs billig erscheinen Look. Kongens nei erlebte auf der diesjährigen Berlinale seine Deutschlandpremiere und war zugleich Norwegens offizieller Beitrag beim Oscar für den besten fremdsprachigen Film.

The King’s Choice von Blu-ray in HD

Die HD-Präsentation ist absolut solide. Trotz des zum Teil betont dokumentarischen, teilweise wackligen Handkamerastils und den (wie heutzutage üblich) entsättigten Farben, liegen Bildschärfe, Kontrast und Detailfreudigkeit durchweg auf sehr gutem Niveau. Häufiger ist allerdings der Schwarzwert etwas zu hell geraten.

Der DTS HD MA 5.1 Surround-Tonmix gibt sich zwar überwiegend eher zurückhaltend, ist aber sorgfältig ausbalanciert. Das spürt man bereits, wenn die deutschen Bomber zuerst nur hörbar werden. In den Actionmomenten tritt er aber auch mal recht kraftvoll aus der Reserve.

Als Bonikollektion fungiert neben dem Filmtrailer lediglich eine Trailerkollektion, mit der Pandastorm Eigenwerbung betreibt.

Fazit: Erik Poppes achtbare wie sehenswerte Lektion in norwegischer Geschichte, über die drei entscheidenden Tage im April des Jahres 1940, beleuchtet ambitioniert und eindringlich ein hierzulande eher als Randnotiz geläufiges Kapitel des 2. Weltkrieges.

Zur Erläuterung der Wertungen lesen Sie bitte unseren Hinweis zum Thema Blu-ray-Disc versus DVD.

Titel: The King’s Choice – Angriff auf Norwegen (Kongens nei)
Erschienen: 2017

Zusatzinformationen: NO, SE, DK, IE 2016

Medium: Blu-ray
Verleih: Pandastorm Entertainment
Kennung: BD

Regisseur(e):


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