3D

Veröffentlicht am 07.03.2017 | von Michael Boldhaus

BFG – Sophie und der Riese

BFG – Sophie und der Riese Michael Boldhaus
Film
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Der britische Schriftsteller Roald Dahl (1916 – 1990) ist hierzulande nicht zuletzt durch seine häufiger so bitterbösen wie makabren Kurzgeschichten geläufig, etwa die Sammlung „Küsschen, Küsschen!“. Seine eigenwilligen literarischen Kreationen leben insbesondere von ihrem ausgeprägt skurrilen Wortwitz. Für sein 1982 veröffentlichtes Kinderbuch „Sophiechen und der Riese“ erhielt Dahl den Deutschen Jugendliteraturpreis 1985.

In BFG geht es um das Waisenkind Sophie (Ruby Barnhill), das im heutigen London von einem schlaksig dürren Riesen ohne Namen, dafür mit zu langem Hals sowie Flattersegelohren versehen, entführt wird, den sie zur Geisterstunde beobachtet hat. Den Riesen hat Spielberg durch Mark Rylance (Bridge of Spies) mit Hilfe des Motion-Capture-Performance-Verfahrens Gestalt annehmen lassen. Das anfänglich angstschlotternde Mädchen erkennt jedoch rasch, das ihr Entführer nicht nur ein guter Riese, sondern innerhalb der Gesellschaft seiner neun erheblich größeren, betont grobschlächtigen und hässlichen Nachbarn, ein Außenseiter ist, der von ihnen malträtiert wird. Der gute Riese ist im Gegensatz zu seinen grässlichen, menschenfressenden Artgenossen nicht nur Vegetarier, sondern ein eher empfindsamer Geselle, der im Land der Träume diese einfängt und daraus raffinierte Traummixturen kreiert, welche er den Menschen nächtens mit Hilfe eines trompetenförmigen Blasrohres in die Schlafzimmer bläst.

Drehbuchautorin Melissa Mathison, hauptsächlich von Disneyfilmen her bekannt, verhalf vor nunmehr rund 35 Jahren bereits Spielbergs E.T. zu einem Welterfolg. In ihrer Bearbeitung der Dahl’schen Vorlage sind allerdings die raueren und düstereren Aspekte der Geschichte stark geglättet oder komplett ausgeblendet  worden – Dahl widmete das Buch seiner im Alter von sieben Jahren an Masern verstorbenen Tochter Olivia. Sophies Charakterisierung bleibt im Film sehr oberflächlich. Über die Gründe für ihre Einsamkeit im Waisenhaus, welche ja wohl der Auslöser für ihre fortwährenden ungewöhnlichen nächtlichen Aktionen ist, bleibt der Zuschauer im Unklaren. Auch dass die kleine Heldin der Geschichte selbst ebenfalls eine Außenseiterin ist, wird kaum deutlich. So bleibt unberücksichtigt, dass Sophie, die im Film ihre Brille so gern und häufig abnimmt, im Buch flaschenbodendicke Brillengläser trägt, also eine echte Brillenschlange ist. Ohne ihre Brille könnte sie die Welt nur völlig verschwommen wahrnehmen.

Riesen, die während der Nacht auftauchen und (nicht nur) in London Kinder entführen und verspeisen: Derartiges im England unserer Tage? Irgendwie will das für mein Empfinden nicht so recht passen. Ein derartiges Szenario würde ich doch eher in einem in mythischen Zeiten und ebenso fantastischen Orten angesiedelten Story-Konstrukt erwarten, wie in Bryan Singers originellem Jack the Giant Slayer (2013). Dabei sieht es allerdings schon sehr witzig aus, wie es dem durchs nächtliche London schleichenden BFG gelingt, sich vor den Blicken einzelner Nachtschwärmer geschickt zu verbergen.

Überhaupt ist Steven Spielbergs aufwändige, ungemein verspielte filmische Umsetzung von Dahls Kinderbuch in jedem Fall, besonders in der 3D-Version ein visuelles Fest und optischer Leckerbissen geworden, vergleichbar mit Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn (2011). Insbesondere die ausladende, (für manche Zuschauer wohl gar viel zu) lange, ruhige Szene in der so ungemein detailverliebt und ideenreich ausgestalteten höhlenartigen Behausung des BFG ist hinreißend inszeniert. Diese grandiosen Eindrücke vermag selbst der späterhin erfolgende, ebenfalls prachtvoll umgesetzte Ausflug ins Land der Träume kaum mehr zu toppen.

Neben den durch tiefen Griff in die High-Tech-Trickkiste fast durchweg nahezu perfekt ausgereizten Bildern ist es die ulkige Riesensprache, der so genannte Gobblefunk, der den ganz besonderen Reiz dieser insgesamt unaufgeregt erzählten, eher handlungsarmen Geschichte ausmacht. Wortschöpfungen, wie „Ihre Majonaise“ anstelle von „Ihre Majestät“ oder „Leberwesen“ statt „Lebewesen“ oder die gleich im Anschluss erklärten „Furzelbäume“ sind in ihrer findigen Übertragung ins Deutsche qualitativ absolut vergleichbar mit denen des englischsprachigen Originals. Das lässt einen denn auch häufiger schmunzeln. Sehr drollig bleibt auch die frech-witzige Audienz des BFG bei der Queen in Erinnerung. Dort bekommen nämlich alle Anwesenden das von ihm so geschätzte waldmeister-grün leuchtende Blubberwasser kredenzt, dessen Gasbläschen sich interessanterweise in die falsche Richtung, nämlich nach unten, bewegen. Diese lösen bei sämtlichen Anwesenden (der Leser wird es wohl bereits erahnen) überaus kraftvolle Darmwinde, so genannte Furzelbäume, aus.

Während der drollige Jack the Giant Slayer am Schluss noch mit einem verschmitzten, originellen Bezug zu Großbritannien, in Form der im Tower von London aufbewahrten Edwardskrone aufwartet, werden bei Dahl und Spielberg die bösen Riesen mit Hilfe der Royal Air Force zwangsumgesiedelt und dadurch die Gefahr beseitigt. Zwar ist die Militäraktion kaum martialisch, sondern eher harmlos und grotesk inszeniert. Man bleibt an dieser Stelle allerdings schon etwas verwundert zurück, wenn man sich dazu in Erinnerung ruft, wie sehr Spielberg im Nachhinein bei E. T. (1982) gemeint hat, sämtliche im Bild gezeigte Waffen komplett kaschieren zu müssen. Interessant ist dabei auch, dass Walt Disney Pictures am Deal beteiligt ist und der Film somit auch in einigen Ländern (in der BRD allerdings vom Constantin-Verleih) auch von Disney vertrieben wird.

Das Score-Album von John Williams

John Williams zeigt sich auch dieses Mal gewohnt souverän, aber ansonsten eher als äußerst versierter Routinier denn als in besonderem Maße inspirierter Tonschöpfer. Zweifellos ist die elegant instrumentierte, den Schwerpunkt auf  die Holzbläser setzende, entsprechend ungemein luftig, elegant und virtuos daher kommende BFG-Filmmusik handwerklich über jeden Zweifel erhaben. Sie erfüllt ihre Funktion im Film sehr gut und gibt auch abseits davon ein in vielem reizvolles Höralbum ab. Aber allem unleugbaren Charme zum Trotz wird man zugleich einfach das Gefühl nicht los, hier in einem fort praktisch ausschließlich allzu Bekanntes vorgesetzt zu bekommen. Im Zentrum des so vertrauten Reigens steht eine gehörige Portion Hook, welcher sich weitere Anleihen an Home Alone, E.T., Harry Potter und in den Elgaranklängen in „Meeting The Queen“ gar noch ein Quäntchen vom ersten Star-Wars-Finale hinzugesellen. Was der Komposition schlichtweg etwas abgeht, das ist die in Star Wars: The Force Awakens deutlich spürbare Inspiration, in welchem sich den musikalisch so vertrauten wie unverzichtbaren, geschickt eingearbeiteten Star-Wars-Remineszenzen eben auch neue, individuelle musikalische Ideen hinzugesellen, die letztlich das tragende Gerüst der Filmkomposition bilden.

BFG auf 3D-Blu-ray

Das Doppel-BD-Set enthält eine 3D-Blu-ray, die neben dem Film in der 3D-Version auch mit zwei 3D-BFG-Trailern aufwartet. Das übrige Bonusmaterial (in 2D) ist sogar auf beiden Discs enthalten.

Bild und Ton

Sowohl 2D- wie auch 3D-Version des Films rangieren auf sehr hohem Niveau. Fast durchweg wird das sehr detailfreudige Bild von sehr guten Werten für Schärfe, Kontrast, Schwarzwert und Farbe bestimmt. Ganz vereinzelt tritt leichtes Banding (Streifenbildung) auf. Die 3D-Präsentation zeigt zudem kaum Doppelkonturen und, wenn kurzzeitig doch mal, dann erfreulicherweise nur sehr dezent. Auch die Tiefenwirkung vermag zu überzeugen. Und neben einigen interessanten, speziell für 3D erdachten Perspektiven  sind auch ein paar freilich sehr dezente Pop-Out-Effekte mit dabei.

Hinter dem hochwertigen Bildeindruck braucht sich auch die ebenfalls sehr sorgfältig gestaltete Surround-Tonkulisse nicht zu verstecken – in Deutsch und Englisch in DTS-HD High Resolution 5.1. Dank ihrer guten  Klangbalance drohen zudem weder die Musik noch die Dialoge im Klanggeschehen unterzugehen.

Extras

Im Zentrum der soliden Bonikollektion steht das sehr informative Making Of „Wie BFG zum Leben erweckt wird“ (ca. 27 Min.). Infos zum drolligen Riesen-Kauderwelsch gibt’s in „Riesensprache: Die wundervollen Wörter bei BFG (ca. 3 Min.)“. Neben „Die Charaktere der Riesen (ca. 5 Min.)“ ist auch noch ein kleines Porträt der vor dem Ende der Fertigstellung verstorbenen Disney-Drehbuchautorin in „Eine Hommage am Melissa Mathison“ (ca. 6 Min.) vorhanden. Den Abschluss bilden der deutsche sowie der englische Kinotrailer, die auf der 3D-BD auch in 3D abrufbar sind.

Fazit: Als Story bereits etwas sehr skurril erscheinend, ist auch Steven Spielbergs BFG zwar weder großer Wurf noch Meisterwerk, aber dank seiner prachtvoll ausgestalteten fantastischen Bilderwelt in jedem Fall ein echter Augenschmaus geworden. Neben dem echt drolligen Riesenkauderwelsch ist und bleibt das Visuelle der entscheidende Reiz des Films. Ganz gewiss nicht zu verachten ist aber auch die Filmkomposition von Altmeister und Hauskomponist John Williams. Auch wenn diese etwas sehr auf allzu vertrauten,  ausgetretenen Bahnen wandelt, besticht sie trotzdem durch ihre handwerkliche Eleganz und ausgeprägte kammermusikalische Luftigkeit.

Zur Erläuterung der Wertungen lesen Sie bitte unseren Hinweis zum Thema Blu-ray-Disc versus DVD.

Titel: BFG – Sophie und der Riese (The BFG)
Erschienen: 2016

Zusatzinformationen: UK, USA, CAN 2016

Medium: Blu-ray, 3D
Verleih: Highlight Communications
Kennung: 3D-BD + 2D-BD

Regisseur(e):


CD

Veröffentlicht am 07.03.2017 | von Michael Boldhaus

The BFG

The BFG Michael Boldhaus
Musik

Titel: The BFG
Erschienen: 2016

Laufzeit: 64:37 Minuten

Medium: CD
Label: Walt Disney Records (Universal Music)

Komponist(en):


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