CD

Veröffentlicht am 12.09.2009 | von Michael Boldhaus

Far from the Madding Crowd: A Fantasia of British Classical and Film Music

Far from the Madding Crowd: A Fantasia of British Classical and Film Music Michael Boldhaus
Bewertung

Zumindest was den Grad des Spektakulären angeht, hat Tadlow nach dem grandiosen El Cid zurückgeschaltet. Tadlows aktuelle Veröffentlichung firmiert unter dem Untertitel „A Fantasia of British Classical and Film Music“.

Wie Produzent James Fitzpatrick unumwunden in den „Producer’s Notes“ einräumt, handelt es sich auf den ersten Blick um eine etwas seltsam wirkende Zusammenstellung. Bevorzugt Werke vom Bekanntesten und Feinsten der so genannten „British Light Music“ geben sich hier über rund zweieinhalb Stunden ein Stelldichein. Einen Schwerpunkt des Programms setzen verschiedene Werke von Ralph Vaughan Williams. So ist „The Lark Ascending“ das wohl perfekte Beispiel für ein pastorales (Sreicher-)Idyll in der britischen Musikliteratur. Die reizende „English Folk Song Suite“ geht unmittelbar ins Ohr und ebenso zieht die etwas geheimnisvoll verträumt anmutende „Fantasia on a Theme of Thomas Tallis“ schnell in ihren Bann. Die berühmte „Fantasia on Greensleeves“ gibt es sogar in zwei Versionen zu hören: einmal mit Violin- und einmal mit Flötensolo.

Des Weiteren sind vertreten: Gustav Holsts robuste „St. Paul’s Suite“, die alte Tanzformen delikat spiegelnde „Capriol Suite“ von Philip Arnold Heseltine (geläufiger unter dem Pseudonym Peter Warlock), Trevor Duncans humorvoll-spritzige „A Little Suite“ sowie „Nimrod“ aus Edward Elgars geheimnisumwitterten „Enigma Variations“.

Durchsetzt ist diese „seriöse“ Klassikzusammenstellung mit einer Reihe stilistisch harmonierender Filmmusik-Piècen: der „Elegy for Dunkirk“, entlehnt aus Dario Marionellis eindrucksvoller Musik zum Gesellschaftsdrama Atonement • Abbitte (2007); der End-Titles-Suite aus Rachel Portmans aktuellem Score zu The Duchess • Die Herzogin (2009); zwei geradezu klassischen Stücken aus William Waltons Henry V • Heinrich V. (1944); der zuvor in der Reihe Chandos Movies eingespielten Konzertsuite aus Far from the Madding Crowd • Die Herrin von Thornhill (1967) von Richard Rodney Bennett, auf die „Sweets to the Sweet Farewell“ aus Patrick Doyles Hamlet (1996) folgt; und schließlich dem Hauptthema aus Ladies in Lavender • Der Duft von Lavendel (2004) von Nigel Hess.

Die Bonus-Sektion auf der zweiten CD hält neben der bereits erwähnten Flöten-Version der „Fantasia on Greensleeves“ noch eine kleine Rarität bereit: eine knapp 20-minütige Orchestersuite aus der Verfilmung des skurrilen Broadwaymusicals von Stephen Sondheim aus dem Jahr 1979: Sweeney Todd — Der teuflische Barbier aus der Fleet Street (2007). Hierzu vermerkt James Fitzpatrick ­— geradezu augenzwinkernd —, er habe dafür anderswo kein Plätzchen gefunden.

Nun, auch dieser Ausflug in die Welt des Grusicals produziert keinen eklatanten Stilbruch im Programmablauf. Er passt sich vielmehr sogar weitgehend harmonisch ein. Da die vertretenen Stücke insgesamt miteinander gut harmonieren, funktioniert auch das Album insgesamt entsprechend gut.

Die hier anzutreffenden Perlen der „British Light Music“ sind für den Musikfreund heutzutage längst nicht mehr, wie ehedem, eher aufwändig zu beschaffende Raritäten. Insofern kann das aktuelle Tadlow-Album keinen besonderen Repertoirewert beanspruchen. Tja, wenn Derartiges dann auch noch in Prag eingespielt worden ist, kann das überhaupt funktionieren? Die Antwort lautet eindeutig: Ja. Einmal mehr zeigen die aus den verschiedenen Prager Orchestern rekrutierten Musiker des City of Prague Philharmonic, dieses Mal (überwiegend) unter der Leitung von Miriam Nêmcová, ihr Können und überzeugen nicht zuletzt mit warmem, homogenem Streicherklang — etwas, das für diese Art von Musik so typisch ist. Sie demonstrieren damit zugleich, wie international die Sprache der Musik doch letztlich ist. Zusätzlich bemerkenswert sind die besonders fein und stimmungsvoll vorgetragenen Solipassagen der Geigerin Lucie Švehlová.

Alles in allem erhält man ein prall gefülltes und außerdem sehr schön fließendes Album. Es ist bestückt mit durchweg eingängiger Musik voller Poesie, geprägt von volksliedhafter Melodik, sanften Orchesterfarben sowie pastoralen Stimmungen, wie auch von dezenter Melancholie. Ebenso fein wie das Orchesterspiel ist der sehr transparente Klang der Aufnahmen.

Fazit: Tadlow-Produzent James Fitzpatrick hat mit dem vorliegenden Album sicher keinen von der Sammlerwelt sehnlichst erwarteten Top-Hit gelandet, sondern sich vielmehr einen sehr persönlichen Wunsch erfüllt. Möglicherweise ist der auf dem seriösen Klassikmarkt bislang kaum vertretene Klangkörper „Philharmoniker der Stadt Prag“ darüber sogar besonders erfreut und entgegenkommend gewesen. In jedem Fall erhält der Käufer hier ein tadellos und klangschön ausmusiziertes Programm. Darunter sind exemplarische Light-Music-Piècen vertreten, die als Ergänzung zu einer guten Filmmusikkollektion nicht fehlen sollten.

Der überaus günstige Preis — zwei fast randvolle CDs zum Preis von einer im unteren (!) Hochpreissegment — erleichtert die Kaufentscheidung. Besonders durch den so überzeugenden musikalischen Fluss ist das Album auch für diejenigen eine Überlegung wert, die damit fast durchweg Dubletten erwerben.

Hier finden Sie einen Überblick über alle bei Cinemusic.de besprochenen CDs des Labels Tadlow Music.

© aller Logos und Abbildungen bei den Rechteinhabern.

Titel: Far from the Madding Crowd: A Fantasia of British Classical and Film Music
Erschienen: 2009

Laufzeit: ca. 150 Minuten

Medium: CD
Label: Tadlow
Kennung: TADLOW006 (2 CDs)

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