DVD

Veröffentlicht am 24.09.2008 | von Michael Boldhaus

Das Vermächtnis des Inka

Das Vermächtnis des Inka Michael Boldhaus
Film
Bild
Ton
Extras

Regisseur Georg Marischka — der Bruder von Sissi-Regisseur Ernst — hatte bereits bei der ersten Nachkriegs-Karl-May-Film-Produktion (dazu in Farbe) Die Sklavenkarawane (1958) Regie geführt. Die berühmten Beiträge der Karl-May-Filmwelle entstammen allerdings den Küchen Horst Wendlandts (Rialto-Film) bzw. Atze Brauners (CCC-Film). Horst Wendlandt brachte mit dem von Regisseur Harald Reinl inszenierten Der Schatz im Silbersee (1962) den Stein überhaupt erst ins Rollen. Georg Marischka und sein Team haben zwar einige der Ingredienzien der bis dahin erfolgreichen Filme übernommen, aber zugleich darauf Wert gelegt, sich mit Das Vermächtnis des Inka vom Kanon der geläufigen Karl-May-Filme ein gutes Stück abzusetzen.

Als zu Ostern 1966 der Film in den bundesdeutschen Kinos startete und zum Flop geriet, stand die Karl-May-Filmwelle allerdings bereits am Rande der Agonie. Entsprechend führt Das Vermächtnis des Inka seitdem auch eher ein Schattendasein. Nicht einfach zu Recht, wie ich meine. Zwar ist der Film keineswegs großartig, aber gegenüber den besseren seiner insgesamt ebenfalls kaum meisterwerkverdächtigen Schwestern schneidet er nicht generell schlechter ab.

Bereits die Schauspielerriege wartet mit einigen Überraschungen auf. Mit dem Italiener Rik Battaglia, in den 60ern praktisch der Karl-May-Schurke vom Dienst, ist zwar ein sehr bekanntes Gesicht dabei, dafür ist Guy Madison in der Rolle des Karl Hansen (im Film Jaguar) noch nahezu unverbraucht. In seinem Karl-May-Debüt Old Shatterhand(1964) war Madison noch der Schurke, hier darf er nun, redlich bemüht, den Helden verkörpern. Und das gelingt ihm recht überzeugend, ohne, dass er dabei Gefahr läuft, zur allein noch blassen Old-Shatterhand-Kopie zu werden. Und ebenso positiv erwähnt zu werden verdient William Rothlein, Darsteller des Inkaprinzen Haukaropora, der nie zuvor und danach in einem Karl-May-Film zu sehen war.

Bemerkenswert an dieser in manchem recht ungewöhnlichen Karl-May-Filmproduktion ist einmal der Schauplatz Peru, also Süd-, nicht das bewährte Nordamerika. Recht spektakulär wirken dabei die Außenaufnahmen in der Inka-Festung „Machu Picchu“. Zwar wurde diese erst lange nach Karl May, im Jahre 1912 entdeckt, passt also streng genommen nicht in das Szenario. Aber natürlich macht gerade die Originalität dieses legendären Schauplatzes einigen Reiz des Films aus. Das unterstreicht auch noch die, für die Verhältnisse der Deutschen Traumfabrik üppigerweise mit 600 malerisch kostümierten Indios recht massig ausstaffierte, malerische Krönungsszene. Ebenso überraschend ist das tragische Opfer-Finale Haukaroporas. Um den Frieden zwischen Weiß und Rot zu retten, bringt dieser den Plan des fanatischen Priesters Aciano (Carlo Tamberlani) unter höchst dramatischen Umständen zu Fall. Die dabei von Jaguar proklamierte Friedensbotschaft ist durchaus passabel. Weitere Außenaufnahmen entstanden übrigens in Spanien und Bulgarien. Es fehlen allerdings auch das schlichtweg merkwürdig anmutende Schusswaffenarsenal sowie das typische Piff-Paff der berühmteren Filme der Karl-May-Welle nicht.

Besonders breit und possenhaft angelegt sind die komödiantischen Einlagen des Trios Heinz Erhardt als Prof. Morgenstern, Walter Giller als sein Faktotum Fritz Kiesewetter und Chris Howland als besonders klischierter Schrat Don Parmesan. Letzterer meldet sich fast ausschließlich mit einem markanten „Si“ zu Wort. Insgesamt in der Menge zwar etwas des Guten zu viel, sind einige der Gags durchaus ansehbar, dabei zum Teil auch visuell recht nett (Zeitraffer, Irisblende) inszeniert. Das Meiste davon ist zumindest deutlich besser in das Geschehen integriert als das, was man üblicherweise als „Kraut-Humor“ im Karl-May-Film-Kosmos ertragen muss.

Als ein respektables Außenseiterprojekt, das, obwohl es nicht mit dem gewohnten Staraufgebot (auf-)trumpfen kann, trotzdem seine Meriten hat, ist das Erscheinen einer DVD-Version von Das Vermächtnis des Inka zu begrüßen. Ein Kuriosum ist die Filmmusik. Die Plakatwerbung verzeichnet noch den Old-Shatterhand-Komponisten Riz Ortolani. Georg Marischka griff jedoch, vermutlich um bei den Kosten zu sparen, auf eine Archiv-Westernfilmmusik von Angelo Francesco Lavagnino (1909-1987) zurück, die ihm vom italienischen Co-Produzenten preiswert angeboten worden war. Bislang sind davon nur zwei Fragmente auf Tonträger zugänglich: in der opulenten 8er-CD-Box „Wilder Westen — Heisser Orient“ von Bear Family.

Das Vermächtnis des Inka auf DVD

Wie auch bei Koch-Medias Der letzte Mohikaner fällt bei Das Vermächtnis des Inka direkt das vergleichbar opulente, wiederum 28 Seiten umfassende Begleitheft ins Auge, für das Rainer Boller den informativen Text verfasste.

Als Bonusmaterial gibt es einen deutschen Trailer in passabler Qualität und über knapp 20 Minuten vom Kameramann Siegfried Hold auf Schmalfilm erstellte Impressionen von den Dreharbeiten in Peru, „Mit den Inkas in Peru“. Kommentiert werden diese wiederum von Arild Rafalzik, der bei Koch-Medias Der letzte Mohikaner unter anderem das Peter-Thomas-Interview beisteuerte. Kommentar dazu: Ein nettes und zugleich nostalgisches Souvenir.

Der im deutschen Fernsehen über viele Jahre nur in einer um einige Minuten gestutzten Fassung zu sehende Film ist auf der DVD erfreulicherweise vollständig. Der Bildeindruck ist solide, aber nicht in der Top-Klasse angesiedelt. Trotz ordentlicher Schärfe und recht guter Auflösung erscheint das Bild nämlich durchweg etwas ältlich, ihm fehlt ein kräftiger Schuss Frische. Manche Szenen wirken außerdem etwas zu dunkel, lassen Details im Schwarz abtauchen. Ebenso sind gelegentlich leichte Bildschäden (Laufstreifen) etc. sichtbar. Besonders der Punkt Farbe ist nicht voll befriedigend. Zwar sind die Farben nicht einfach stumpf. Sie können aber auch in den besten Momenten nicht als leuchtkräftig bezeichnet werden. Gegenüber dem doch recht enttäuschenden Bildeindruck bei Der letzte Mohikaner ist der bei Das Vermächtnis des Inka klar besser. Ja, man kann hier nicht von unansehnlich sprechen. Die Brillanz der besten, sich zum Vergleich bietenden Universum-DVD-Ausgaben (s. o.) wird allerdings eindeutig nicht erreicht.

In Ordnung ist der deutsche Mono-(Licht-)Ton, der abgesehen von einigen durch Zischlaute etwas beeinträchtigten Passagen solide, aber unspektakulär daherkommt.

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Titel: Das Vermächtnis des Inka
Erschienen: 2008

Zusatzinformationen: D, I, ES 1966

Medium: DVD
Verleih: Koch Media DVD
Kennung: DVM000371D

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