Sampler

Veröffentlicht am 30.11.2007 | von Michael Boldhaus

Masters and Commanders

Masters and Commanders Michael Boldhaus
Bewertung

Eine neue Kunzel-Kompilation bereits erschienen im Sommerloch! Besonders der Untertitel „Music from Seafaring Film Classics“ verspricht musikalisch eine frische Brise. Diese kann man neben der üblichen Stereo-CD-Ausgabe alternativ in der SACD-Version im Rundum-Raumklang genießen. Nun, wem es rein tonmalerisch wie in „The Mayflower“ noch nicht reicht, der bekommt in „The Ship“ aus Windjammer von Morton Gould obendrauf (mal wieder) eine Spielerei geboten, die in USA anscheinend immer noch nicht verpönt ist: nämlich, zusätzlich (natürlich im Surround-Sound!) eingespieltes Brandungsrauschen!

Nun, allzu dramatisieren will ich dies nun nicht, zumal es das hier vorgestellte Album nur ein einziges Mal betrifft und an der besagten Stelle auch nicht extrem aufdringlich, sondern noch erträglich ist. Im Übrigen sind dem Kunzelfreund diese gelegentlichen, mehr oder weniger entbehrlichen Früchte (US-)technischen Spieltriebs ja zur Genüge bekannt.

Über knapp 62 Minuten bekommt man auch dieses Mal eine gewohnt solide organisierte Schlachtplatte griffiger Haupt-Themen und Kurz-Suiten aus Filmen zu hören, in denen die (nicht unbedingt) christliche Seefahrt eine entscheidende Rolle spielt. Wenn auch sehr grob gerastert, spiegelt der Sampler musikalisch rund 70 Jahre Seefahrer-Kinoromantik: Von Korngolds Captain Blood (1935) und natürlich dem wahren Klassiker des Piraten- wie Mantel-und-Degen-Genres The Sea Hawk (1940), geht es über Franz Waxman (Anne of the Indies, Captain Courageous), Miklós Rózsa Plymouth Adventure, Elmer Bernstein The Buccaneer hin zu Windjammer von Morton Gould und Henry Mancinis The White Dawn, aus dem es die bekannte „Arctic Whale Hunt“ zu hören gibt. Und aus dem titelgebenden Master and Commander findet sich ein klassisches Stück Source-Music, eine Nocturne von Luigi Boccherini, „Los Manolos“.

Natürlich ist der Anlass für diese Kompilation der große Erfolg des letzten Bruckheimer-Opus zur Trilogie Pirates of the Caribbean. Kunzel fasst hier zwar passabel aber nicht optimal markantes Material aus den Musiken des ersten und dritten Filmteils zusammen. Musikalisch effektvoll, wenn auch etwas am Thema vorbei, ist der das Programm eröffnende Marsch Alfred Newmans „Conquest“ aus Captain from Castile. Den Abschluss bildet die ebenfalls kraftvolle Musik zu den End-Credits von Cutthroat Island, komponiert von John Debney.

Dass derartige Sampler weniger für den versierten Sammler von Filmmusik gedacht und gemacht sind, sondern vielmehr auf den filmmusikalischen Gelegenheitstäter abzielen, ist kein Geheimnis. Erich Kunzel besitzt in diesem Metier einige Erfahrung, reichen die Anfänge seiner Kompilationsalben ja mittlerweile rund 20 Jahre zurück, bis etwa in die Mitte der 1980er. Meines Erachtens zeigt das Konzept inzwischen jedoch deutliche Zeichen von Erschöpfung. In den früheren Jahren stand Kunzel-Telarc-Filmmusik-Kompilation nicht nur für eine meist sehr gelungene Zusammenstellung, in der sich meist ein oder zwei echte Raritäten fanden; fast ebenso regelmäßig erhielt man ein randvoll bestücktes Album, was den Kauf zusätzlich attraktiv machte.

Mittlerweile gibt man sich in Cincinnati beim Thema Albenspielzeit das dritte Mal in Folge (nach „Three Choral Suites by Miklós Rózsa“ und „Film Fantasies“) mit heutzutage eher gehoben durchschnittlichen rund 60 Minuten zufrieden. Auf dem vorliegenden Album, „Masters and Commanders“, hätte man die verschenkte Restkapazität von rund 18 Minuten durch ein wohl gewähltes Mehr an Material gut nutzen können. Diese hätten das Gesamtergebnis sogar spürbar aufwerten können. So wäre die gegenwärtig etwas knapp geratene Suite aus Pirates of the Caribbean durch Verlängern deutlich verbesserbar. Wünschenswert wären hier noch die Themen für Davy Jones, den Kraken, das drollige Piratenlied sowie das Liebesthema aus Teil 3. Und auch bei Mutiny on the Bounty hätte sich eine Erweiterung zumindest um die musikalisch so mitreißend komponierte Ausfahrt der Bounty aus Plymouth vorzüglich gemacht. Das hätte zudem vorzüglich zu Rózsas „The Mayflower“ aus Plymouth Adventure gepasst, ist dieses Stück doch gerade das Vorbild für die Bounty-Vertonung von Bronislaw Kaper.

Ansonsten sind auch die „Masters und Commanders“ spiel- wie soundtechnisch durchweg in sehr solider Kunzel-Qualität gehalten. Zwar hätte z. B. dem Sea-Hawk-Main-Title aus meiner Sicht eine etwas zupackendere, dynamischere Darstellung gut getan, aber derart flügellahm wie beim Korngold-Sampler André Previns geht es hier beileibe nicht zu. Letztlich handelt es sich dabei aber um Kleinigkeiten, die sich vereinzelt in so manch anderer insgesamt überzeugenden Kompilation ebenso feststellen lassen. Damit kann es also trotz ein paar Einschränkungen heißen: „Kunzel-Piraten, entert die Geldbörsen der Landratten. Ahoi und Yo ho, ho ho!“

Dieser Artikel ist Teil unseres Spezialprogramms zum Jahresausklang 2007.

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Titel: Masters and Commanders
Erschienen: 2007

Zusatzinformationen: Cincinnati Pops, Erich Kunzel
Laufzeit: 61:42 Minuten

Medium: Sampler
Label: Telarc
Kennung: SACD-60682

Komponist(en):

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