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Veröffentlicht am 06.06.2007 | von Michael Boldhaus

Pirates of the Caribbean – At World’s End

Pirates of the Caribbean – At World’s End Michael Boldhaus
Bewertung

Bis ans Ende der Welt sind die Piraten im dritten Teil der Saga gelangt. Ob das aber nun wirklich das Ende des karibischen Fluches bedeutet, erscheint eher ungewiss. Im rund dreistündigen Spektakel wechseln häufig die Koalitionen: Miteinander, gegeneinander und mitunter auch ein wenig durcheinander geht es zu. Das hilft (nicht nur), den Zuschauer gekonnt zu verwirren; haben doch selbst die Darsteller eingeräumt, der Story nur bedingt folgen zu können. Am Schluss ist denn auch vieles eher in einem beliebig verlänger- und fortsetzbarem Open Space angelangt, denn wirklich zu Ende geführt. Nun, das liegt halt wohl auch mit in der Natur eines von einer Disney-Park-Show herrührenden Kinoevents, dessen viele Leinwandaktionen mitunter schon effektheischerisch wirken.

Von links nach rechts: Elizabeth (Keira Knightley), Barbossa (Geoffrey Rush), Jack (Johnny Depp) und Ragetti (Makenzie Crook)Und die oftmals beeindruckenden (Special-)Effects sind wohl gerade beim dritten Film das, was schließlich den meisten Eindruck hinterlassen dürfte. So im den Höhepunkt bildenden Piraten-Duell zwischen dem „Flying Dutchman“ und der „Black Pearl“, welches in einem tödlichen Strudel, einem so genannten Mahlstrom, stattfindet. Was man hier zu sehen bekommt ist zwar komplett wider jede Logik und Verstand, aber tricktechnisch zweifellos fantastisch umgesetzt. Und exakt das gilt auch, wenn das Schiff des britischen Oberschurken Lord Cutler Beckett von zwei Piratenschiffen in die Mitte genommen und mit Salven sämtlicher Bordgeschütze förmlich atomisiert wird. Das ist zwar wiederum einfach nur schlicht unmöglicher Unsinn, aber trotzdem visuell einfach grandios umgesetzt!

Dabei sollen allerdings nicht die zum Teil originell wie liebevoll gestalteten Sets vergessen werden, wie das fantasyhaft verspielte Singapur oder die originelle Festung der Piraten. „Äußerst liebe- und fantasievoll gemacht“ ist nicht nur hier das passende Attribut, sondern das, welches man den Machern auf den verschiedenen Ebenen (nicht zuletzt auch den digital unterstützten) Maskenbildnern hier attestieren darf, ja muss.

Und was gibt’s zum Thema Filmmusik von Hans Zimmer (HZ) zu sagen? Streng genommen gibt’s am Ende der Welt musikalisch absolut nichts Neues! Allerdings bedeutet dies nun nicht, dass man sich den — übrigens geschickt kompilierten — Albumschnitt nicht anhören mag.

Captain Barbossa (GEOFFREY RUSH)Ich rekapituliere kurz: Die schlichtweg dürftige Musik zum ersten Film wurde von Klaus Badelt innerhalb von nur 16 Tagen zusammengezimmert und vom Meister „überproduziert“. Zum zweiten Film waren die Zeitvorgaben erheblich günstiger. Entsprechend konnten sich Zimmer und seine vielen Helfershelfer auch erheblich besser ins Zeug legen. Das Resultat ist dabei zwar gewohnt basslastig geraten, es taugt aber, da thematisch relativ inspiriert und vielseitig gehalten, durchaus als unterhaltsames Höralbum. Und das gilt in etwa auch für die Musik zum dritten Teil der Piraten-Saga. Thematisch kommen im Wesentlichen zwei Themen hinzu: So das direkt eingangs von den zum Tode Verurteilten angestimmte trotzige Piratenlied „Hoist the Colours“. Zusammen mit dem ebenfalls erstmalig eingesetzten soliden Liebesthema durchzieht der unter der Totenkopfflagge erklingende Shanty die Weiten und Untiefen der Musik. Und natürlich sind die aus dem zweiten Film vertrauten Themen mit von der Partie. Wobei sämtliches Themenmaterial auch in einfachen, aber netten Variationen präsentiert erscheint, was für gewisse Abwechslung sorgt.

Und sonst? Tja, einfach das Gewohnte, Vertraute und sicherlich auch vom Produzenten Jerry Bruckheimer exakt so klingend Gewollte: damit ist natürlich ganz besonders der brachial auftrumpfende, choral verstärkte wummernde Actionssound gemeint. Besagter geht bei passendem Lautstärkepegel dank viel (auch synthetischem) Bass so schön tief in die Magengrube und vermag auch die Scheiben zum Vibrieren zu bringen. Ebenfalls wieder dabei sind die üblichen hymnischen Einlagen. Die ethnischen Einsprengsel für Singapur kommen über ausgetretene Standards gewiss nicht hinaus und das gilt zwangsläufig auch für das Vorspiel zum finalen Duell, in exakt kopierter Morricone-Dollarwestern-Manier. Letzteres ist aber immerhin eine durchaus stimmige und auch spürbar augenzwinkernd gefertigte Hommage („Track 8: Parlay“). Natürlich kann man hier von Filmmusik sprechen, die anhand von im Detail passend gemachten Stilschablonen gefertigt worden ist. Insofern ist für Fluch der Karibik — Am Ende der Welt wertungsmäßig gewiss kein Höhenflug vertretbar. Allerdings, und auch das spielt für den insgesamt doch recht guten Eindruck, den das Album hinterlässt, eine wichtige Rolle: Die Musik ist spürbar sorgfältig, keineswegs billig produziert worden. Und dieses Mal hat auch die Aufnahmetechnik besonders überzeugend gearbeitet: Es klingt ganz erheblich weniger hallig und mulmig als gewohnt. Für einen Zimmer-Score ist das Klangbild schon fast transparent.

James Norrington (JACK DAVENPORT)Der Rest ist m. E. in erster Linie eine so genannte Gewissensentscheidung. Im Kontext der Trilogie betrachtet, fällt die Musik zum ersten Filmteil steil ab. Die Kompositionen zu den Teilen 2 und 3 tun sich nicht wirklich viel, sind beide innerhalb ihrer Grenzen recht liebevoll und handwerklich sauber gefertigt. Zweieinhalb oder noch volle drei Sterne und damit die runde kleine Cinemusic.de-Empfehlung, das ist hier die Frage. Anfänglich wollte ich die Musik-Wertung für Teil 2 (ehedem bei zweieinhalb positioniert) auf glatte drei anheben und die für Teil 3 auf zweieinhalb setzen: sicher eine vertretbare, aber doch etwas zu strenge Lösung. Ein paar Hördurchgänge mehr und weiter, habe ich mich für in beiden Fällen glatte drei Sternlein, entschieden. Etwas, das den beachtlichen Unterhaltungswert beider Alben (gegebenenfalls durch eigene Suitenkompilation) stärker berücksichtigt. Und ebenso, das abseits aller unleugbaren Standardisierungen, die Themen wie eher selten im Hause Zimmer durchaus nett verarbeitet und ansatzweise auch verknüpft werden. Darüber hinaus findet sich, besonders bei mehrmaligem Hören, auch so manch ansprechender Einfall in der Instrumentierung, der klangliche Einheitssoße wie King Arthur denn doch um eine glatte Einheitslänge überragt, oder?

Unter www.pirates-music.de finden Sie weitere Infos und Werbeträchtiges rund um den Film und die Filmmusik, wie Wallpapers und Film-Trailer zum Downloaden.

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Dieser Artikel ist Teil unseres Spezialprogramms zu Pfingsten 2007.

© aller Logos und Abbildungen bei DISNEY PICTURES.

Titel: Pirates of the Caribbean – At World’s End
Erschienen: 2007

Laufzeit: 55:57 Minuten

Medium: CD
Label: Walt Disney Records (EMI)
Kennung: 0946 39571123

Komponist(en):

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