CD

Veröffentlicht am 20.12.2006 | von Michael Boldhaus

Das Leben der Anderen

Das Leben der Anderen Michael Boldhaus
Bewertung

Das Leben der Anderen

Trotz kleinen Budgets erregte das Regie-Debüt von Florian Henckel von Donnersmarck, Das Leben der Anderen, einiges Aufsehen. Zum Thriller über die Lauschangriffe und den Psychoterror der Stasi komponierte der Libanese Gabriel Yared zusammen mit Stéphane Moucha die Untermalung. Wie meist (Der talentierte Mr. RipleyCold Mountain) tendiert auch dieser Yared-Score zur betont atmosphärischen, eher unscheinbaren, besonders eng mit dem Filmgeschehen verbundenen Funktionsmusik. Herbe, stärker rhythmisierte, streicherdominierte Orchesterklänge markieren „Die unsichtbare Front“ und überhaupt die Atmosphäre der Unterdrückung und Überwachung. Yareds Musik ist insgesamt recht kühl, besteht aus elegischen und mitunter auch melancholischen, von Instrumentalsoli über Streicherflächen dominierten Adagios. Im Zentrum steht das Klavierstück „Die Sonate vom guten Menschen“, das im Film vom Bespitzelten selbst komponiert ist. Gewissen Kontrast im ansonsten eher unterkühlten Klanggeschehen bietet das dezent romantische „Gesichter der Liebe“ für Orchester mit Piano. Zehn Songs aus dem Repertoire des DDR-Labels Amiga sind stellvertretend für das Zeitkolorit der Filmhandlung.

Knapp 30 Minuten Score stehen rund eine Dreiviertelstunde Songs gegenüber. Entsprechend setzt das Album offenbar nicht zuletzt auf einen gewissen Ostalgie-Effekt als Kaufanreiz. Insgesamt erhält der Käufer einen durchaus passablen Vertreter der Kategorie „klingendes Souvenir zum Film“. Ohne konkreten Bezug zum Streifen allerdings bleibt der Gesamteindruck eher dezent blass, auch wenn man die Songs wegprogrammiert.

Titel: Das Leben der Anderen
Erschienen: 2006

Laufzeit: 74:05 Minuten

Medium: CD
Label: Colosseum
Kennung: CST 8106.2

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 20.12.2006 | von Michael Boldhaus

Tristan & Isolde

Tristan & Isolde Michael Boldhaus
Bewertung

Tristan & Isolde

Anne Dudleys Komposition zur TV-Mini-Fantasy-Serie The 10th Kingdom markierte im Jahr 2000 das Cinemusic.de-Debut der Komponistin. Jetzt hat sie — wiederum auf Varèse — die klassische Gefühlstragödie um Tristan & Isolde vertont. Zwar kann ich mich an die heutzutage offenbar praktisch überall als zeitgemäß und damit als salonfähig angesehenen (wenn auch dezenten) Synthiesounds nicht recht gewöhnen, im Übrigen ist der mit keltischen Klangelementen durchsetzte, sehr elegische und melancholische Score aber schon recht solide geraten. Es gibt einige Stellen, an denen der Klang schon ein wenig an Produkte aus dem Hause Zimmer erinnert, freilich ohne dass krachende Actionrhythmik zum Zuge kommt, und ebenso zurückhaltend bleibt der Einsatz der Klangsynthetik. Ebenso bleibt das im Zimmer’schen Œuvre des Öfteren schlichtweg aufdringliche elektronische Bassfundament ausgespart. Vielmehr erklingt zum wahrhaft klassischen Liebesdrama eine meist zurückhaltende Filmmusik, die ausgeprägt auf das Orchester, bevorzugt auf die Streicher, setzt und dabei durch die dezenten Klangflächen des Keyboards sowie durch verhallte Piano-Soli häufig entrückt wirkt. In den eher schlicht ostinatohaft gestalteten Spannungsmomenten gibt’s kurzzeitig auch mal heftigere Einwürfe des Schlagwerks, beispielsweise in „Warriors Begin“.

Besonders bei mehrmaligem Hören sind in den ruhigen Adagio-Sätzen einige recht ansprechende, aber letztlich wenig prägnante thematische Einfälle erkennbar, die darum nur wenig haften bleiben. Das Gebotene entspricht dabei eher light-sinfonischen Standards, ist nett, ohne jedoch gestalterisch besondere Tiefe zu erreichen. Etwas (zu) poppig ist die „Wedding Cortege“ geraten, dafür besitzt „The Tournament“ aufgrund des verwendeten folkloristischen Instrumentariums teilweise ein recht hübsches, quasi mittelalterlich-keltisches Flair.

Unterm Strich handelt es sich um eine Musik, die zwar klar den Hörgewohnheiten eines jungen Publikums entgegenkommen möchte, aber weitgehend Balance hält: Eine, bei der die Synthese aus (Synthie-)Pop, Ethno und Sinfonik zumindest ansprechend funktioniert. Über die gesamte Albumspielzeit bleiben allerdings diverse Durchhänger kaum überhörbar. Zusammenstellen von Suiten verhilft zu individuellen Musikfassungen mit optimiertem Unterhaltungswert. „Noch“ volle drei Sterne und damit eine kleine Empfehlung erscheinen mir vertretbar.

Dieser Artikel ist Teil unseres umfangreichen Programms zum Jahresausklang 2006.

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Titel: Tristan & Isolde
Erschienen: 2006

Laufzeit: 53:00 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse Sarabande
Kennung: VSD-6713

Komponist(en):

Schlagworte:


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