CD

Veröffentlicht am 30.11.2005 | von Michael Boldhaus

Harry Potter und der Feuerkelch

Harry Potter und der Feuerkelch Michael Boldhaus
Bewertung

Harry Potter und der Feuerkelch

Seit dem 18. November 2005 läuft es nun auch in den deutschen Kinos: das von den kleinen und großen Fans lang herbei gesehnte vierte Harry-Potter-Leinwandabenteuer, Harry Potter and the Goblet of Fire • Harry Potter und der Feuerkelch. Zum vierten Schuljahr auf Hogwards Zauberschule erklingt allerdings keine Musik von Altmeister John Williams. Vielmehr ist erstmalig der Brite Patrick Doyle (Henry V., Indochine, Love’s Labour’s Lost, Sense and Sensibility) im klingenden Geschäft.

Das Album bietet insgesamt rund 65 Minuten der Doyle-Musik, wobei sich nur vereinzelt Reminiszenzen an die Themen von John Williams finden: Allein das Thema für die Eule Hedwig ist (in variierter, geschickt andersartig harmonisierter Form) im ersten und fünften Track kurz vertreten. Hübsch schottisch angehaucht, im Stil einer Jig beginnt „The Quidditch World Cup“ und geht dann in ein archaisch anmutendes rhythmisches Ostinato — mit kurzen Einwürfen des Chors — über, etwas, dem man in ähnlicher Form freilig in unzähligen modernen Scores begegnet.

Des weiteren gibt’s klanglich üppige, zum Teil energiegeladene Actionmusic: so in „Harry Sees Dragons“, „The Black Lake“, „The Maze“ und natürlich im dramatischen Höhepunkt „Voldemort“. In letzterem scheint nicht nur ein unheimliches, aus sechs Tönen bestehendes Motiv für den Oberbösewicht Lord Voldemort auf, das bereits in „The Dark Man“ und „Gobelet of Fire“ eine wichtige Rolle spielte. Das charmante Liebesthema, das einem bereits zuvor in „Harry in Winter“ eingehend vorgestellt wurde, ist hier ebenfalls nicht unbedeutend. Die den Abschluss der Doyle-Musik-Präsentation bildende, feierlich im Elgar-Walton-Stile gehaltene „Hogwart’s Hymn“ wird zuvor ebenfalls verarbeitet, in „Foreign Visitors Arrive“ und „Gobelet of Fire“. Das Trimagische Turnier wird durch ein fanfarenartiges Thema charakterisiert.

Zu den scherzohaften Momenten der Musik zählen „Rita Sketeer“ und „Underwater Secrets“. Durch Harfenrauschen und ausgiebigen Gebrauch der Celesta wird nicht nur in diesen Piècen kräftig Nussknacker-Charme erzeugt. Hier knüpft Doyle ansprechend an den Tonfall an, der sich sinnigerweise auch in den Williamskompositionen zu den drei Vorgängerfilmen findet.

Alles in allem ist das, was der Hörer hier über rund eine Stunde geboten bekommt, eine durchaus runde Sache, die sowohl durch die versiert ausgeführte Instrumentierung als auch durch den mitunter bombastischen Einsatz der orchestralen Mittel ihre Wirkung nicht verfehlt. Dabei darf man allerdings nicht schlichtweg übersehen (oder besser überhören), dass die kompositorischen Mittel im Vergleich zur ausgefeilten Komplexität der starken Passagen in den Williamspartituren eindeutig schlichter ausfallen. Praktisch ohne Kontrapunkt, rein mit Ostinatotechniken wird hier gestaltet, und auch harmonisch ist alles eher einfach gehalten. Diese zweifellos beschränkten Mittel werden allerdings durchaus geschickt gehandhabt, und dies geht Hand in Hand mit einer fantasievoll ausgeführten Instrumentierung. Das Resultat ist eine kräftige Portion Oberflächenglanz — der anfänglich vielleicht auch ein wenig zu blenden vermag. Dabei verfügen Doyles Themen zwar nicht über den unmittelbaren Ohrwurmcharme vergleichbarer Stellen bei Williams, vermögen aber nach mehreren Durchgängen durchaus ihre Reize zu entfalten. Dazu zählt das bereits erwähnte Stück „Harry in Winter“ — mit einem schönen Liebesthema — und desgleichen die noble Hogwart Hymne. Entsprechendes gilt für die als Source-Music fungierenden beiden charmanten englischen Walzer („Potter Waltz“ und „Neville’s Waltz“) und nicht zuletzt für den typisch britisch gefärbten „Hogwart’s March“.

Natürlich präsentiert das Album nur eine Kompilation aus Highlights von insgesamt ca. zwei Stunden Filmmusik. Dabei ist eine thematisch-motivische Arbeit zwar erkennbar, aber für die gesamte Komposition letztlich nicht ausreichend sauber beurteilbar. Dass es sich hier um eine ambitioniert und liebevoll gearbeitete Filmmusik handelt, ist jedoch eindeutig spürbar.

Zum Abschluss gibt’s (oder besser transportiert das Album) noch drei Songs des Sängers und Songschreibers der britischen Band „Pulp“, Jarvis Cocker. „This ist he Night“, „Magic Works“ und „Do the Hippogriff“ stechen vom zuvor Gebotenen geradezu eklatant ab, sind sogar ein stilistischer Bruch erster Güte. Einer, der allein vermarktungstechnisch begründbar ist — man erinnere sich nur an die vorzüglich in die jeweilige sinfonische Musik integrierten Songs zur Trilogie Lord of the Rings. Aber nun denn, das ist natürlich auch Geschmacksache. Immerhin ist der junge Harry mittlerweile in der Pubertät angelangt, und als Hintergrundmusik für die Disco der Zauberschüler beim großen Weihnachtsball mag’s noch angehen.

Doyles Musik zum nunmehr vierten Film über die Abenteuer Harry Potters verfügt eindeutig nicht über das Geschliffene und die handwerkliche Perfektion eines John Williams. Sie vermag daher nicht in vergleichbarer Liga wie Harry Potter und der Gefangene von Askaban aufzuspielen. Aber relative Schlichtheit in der Gestaltung ist ja nun gewiss nicht einfach gleichbedeutend mit schwach oder gar schlecht. Ein schönes und sehr unterhaltsames Höralbum, das durchaus die Chance besitzt, gelegentlich wieder im Player zu landen, erhält der Käufer allemal. Wertungstechnisch taugt das neue Potter-Album in jedem Fall für dreieinhalb, aber glatte vier Cinemusic.de-(Advents-)Sterne dürften dafür ebenfalls (noch) vertretbar sein. Damit dürfte die CD auch für die meisten Fans von John Williams ihr Geld durchaus wert sein.

Dieser Artikel ist Teil unseres umfangreichen Programms zum Jahresausklang 2005.

Titel: Harry Potter und der Feuerkelch
Erschienen: 2005

Laufzeit: 75:57 Minuten

Medium: CD
Label: Warner Music Germany
Kennung: 9362-49631-2

Komponist(en):

Schlagworte:


Der Autor/Die Autoren



Schreibe einen Kommentar

Nach oben ↑

Pin It on Pinterest