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Veröffentlicht am 14.12.2005 | von Michael Boldhaus

Quentin Durward • Liebe, Tod und Teufel

Quentin Durward • Liebe, Tod und Teufel Michael Boldhaus
Bewertung

Quentin Durward

Quentin Durward • Liebe, Tod und Teufel (1955) bildet nach Ivanhoe (1952) und Knights of the Round Table (1953) den Schlusspunkt einer (inoffiziellen) Trilogie über das Rittertum, inszeniert von Regisseur Richard Thorpe und mit Robert Taylor in der jeweiligen Hauptrolle. Der Plot beruht, wie auch Ivanhoe, auf einem Roman von Sir Walter Scott (1771 — 1832).

Im 15. Jahrhundert sind die Zeiten für einen tapferen Recken mit Hieb und Stich, erzogen in den alten ritterlichen Tugenden, schwer geworden. Ritterlichkeit ist inzwischen nämlich derart auf den Hund gekommen, dass Auseinandersetzungen vermehrt nicht mehr mutig mit der blanken Waffe ausgetragen werden. Mittlerweile greifen immer mehr Kontrahenten lieber direkt zum — wenn auch noch etwas vorsintflutlichen — Schießeisen. Insgesamt ist Quentin Durward weniger ernsthaft als seine beiden filmischen Vorgänger. Die Geschichte um den titelgebenden, mittellosen aber tugendhaften schottischen Edelmann, der im Frankreich Ludwigs XI. (Robert Morley) für seinen Onkel als Brautwerber um die junge Isabelle, Gräfin von Marcroy (Kay Kendall) werben soll, ist vielmehr mit einem kräftigen Schuss Komödiantik versehen. In guter alter (nicht nur) Hollywood-Tradition hat Quentin Durward neben (etwas) Pulverdampf und blauen Bohnen nicht allein manche Intrige und Turbulenz zu bestehen. Nach einem spektakulären finalen Kampf auf Leben und Tod in einem brennenden Glockenturm, ausgetragen mit dem Oberschurken, Graf William de la Marck (Duncan Lamont), wird er mit einem Happy-End belohnt: Quentins Onkel ist verstorben und infolge eines politischen Kompromisses zwischen den Rivalen Frankreich und Burgund darf der tapfere Held schließlich die auf Anhieb lieb gewonnene Isabelle selbst nach Hause führen.

Quentin Durward ist sicherlich kein Ivanhoe. Knights of the Round Table vermag er jedoch locker zu toppen. Über rund 100 Minuten wird eine recht unterhaltsame und prallbunte Kinounterhaltung der Kategorie „Swashbuckler“ geboten, die mit stimmungsvollen französischen Schauplätzen und ebenso einigem komödiantischen Charme aufwartet. Im Gegensatz zu den beiden anderen Teilen der Rittertums-Trilogie ist der Streifen im deutschen Fernsehen jedoch ein eher seltener Gast. Für die Musik hätte Thorpe, wie bei den beiden Vorläuferfilmen, sicher gern auf die Dienste von Miklós Rózsa zurückgegriffen. Dieser war allerdings gerade anderweitig gebunden, war mit der Vertonung eines noch üppigeren MGM-Kostüm-Sujets beschäftigt: Diane.

Nicht nur einigen, sondern beträchtlichen Charme besitzt Bronislaw Kapers Filmkomposition zu Quentin Durward. FSM hat nun auch diese süffige Filmmusik in Form eines makellosen FSM-Albums zugänglich gemacht. Quentin Durward erhält zur Charakterisierung passenderweise eine pfiffige schottische Jig und für die schöne Isabelle hält der Komponist ein breit ausschwingendes romantisches Liebesthema bereit. Diese beiden Hauptthemen werden direkt im als kleine Ouvertüre fungierenden, überaus schwungvollen Main Title vorgestellt — wobei bereits die Eröffnungsfanfare auf dem Quentin-Durward-Thema basiert.

1604Hört man diese Filmmusik, erscheint es schon recht erstaunlich, dass bei MGM seinerzeit offenbar niemand auf die Idee gekommen ist, auf dem hauseigenen Label eine Filmmusik-LP zu veröffentlichen. Die Komposition zu Quentin Durward entpuppt sich nämlich als überaus willkommene Entdeckung, als prächtige Abenteuerfilmmusik, die beim Hören in zunehmendem Maße Spaß bereitet. Neben den beiden prägenden, leitmotivisch verarbeiteten Hauptthemen gibt es ein chromatisches Schurken-Motiv sowie einige bemerkenswerte Nebenthemen: darunter eine weitere wiederum schottisch anmutende Melodie, die ebenfalls mit Quentin Durward verquickt ist und ein exotisch eingefärbtes Thema für die Zigeuner. Darüber hinaus finden sich ein wenig adaptierte Source-Musik der Epoche, einige sehr nette königliche Fanfaren sowie temperamentvoll auskomponierte Actionpassagen. Auch wenn die Fanfaren mit denen Rózsas nicht ganz mithalten können, diese Anmerkung ist als reine Feststellung, aber keinesfalls dazu gedacht einen, wenn auch kleinen Makel zu attestieren. Vielmehr kann man hier durchaus sagen, dass diese auch hier zweifellos leuchtkräftigen Bläsersignale in ihrer relativen Einfachheit den echten Vertretern der Epoche ein Stück näher kommen dürften als die komplexeren eines Miklós Rózsa. Außerdem begegnet dem Hörer des Öfteren hübsch gefertigtes Mickey-Mousing, z. B. im ballettartigen „Waiters“, das zu den Vorbereitungen der königlichen Dienerschaft für ein Festmahl erklingt. Unterm Strich präsentiert sich eine vielseitige, temperamentvolle und zugleich sehr unterhaltsame Mantel-und-Degen-Filmmusik, die durchgehend handwerklich tadellos gestaltet und zugleich effektvoll instrumentiert ist.

Die reichhaltig variierten Hauptthemen für die Protagonisten und dabei nicht zuletzt das schwelgerische Love Theme besitzen im insgesamt sehr abwechslungsreichen musikalischen Fluss eine gehörige Portion Ohrwurmqualität. Das Begleitheft wartet dazu mit eingehenden Infos auf. Stilistisch ist Kapers schöne Vertonung nur punktuell (ein wenig) historisierend, ist im üppig romantischen Gestus den Swashbuckler-Vertonungen Erich Korngolds und ganz besonders denen Max Steiners verbunden: Steiners Komposition zu King Richard and the Crusaders • Der Talisman (1954) steht Kapers Quentin Durward recht nahe.

Wie (fast) immer ist auch hier das Booklet sehr liebevoll ausgestattet, prächtig bebildert und mit sehr informativem Text versehen. Dabei erfährt der Leser, dass drei — sich nahtlos einfügende — Cues auf das Konto von Conrad Salinger gehen und für die farbenfrohe Orchestrierung des Scores Robert Franklyn verantwortlich zeichnet. Ebenso bleibt nicht unerwähnt, dass sämtliche Stücke in der ursprünglich komponierten Version eingesetzt worden sind, also keine alternativen Fassungen benötigt wurden. Und auch der Klang kommt überzeugend — fast schon MGM-charakteristisch — sehr frisch, knackig und außerdem in sehr sauberem Stereo daher. Wer zu denen zählt, die den Schlüssel zur Musik des Golden Age für sich gefunden haben, dem sei die Anschaffung dieses reizend augenzwinkernden und ungemein spritzigen Albums dringend empfohlen. Wertungsmäßig sind hierfür (fette) viereinhalb Sterne eindeutig ein Muss, volle fünf aber auch noch vertretbar.

Dieser Artikel ist Teil unseres umfangreichenProgramms zum Jahresausklang 2005.

Titel: Quentin Durward • Liebe, Tod und Teufel
Erschienen: 2005

Laufzeit: 59:01 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 8 No. 7

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