CD

Veröffentlicht am 28.02.2004 | von Dietrich Haas

Stargate

Stargate Dietrich Haas
Bewertung

Fortdauernde Kollaborationen zwischen Regisseuren und Komponisten sind in der Filmindustrie nicht selten. Schon rund 30 Jahre arbeiten Steven Spielberg und John Williams zusammen, Hans Zimmer ist nicht erst in jüngerer Zeit Ridley Scotts (z. B. Gladiator, Hannibal, Matchstick Man • Tricks) musikalischer Vertrauter und M. Night Shyamalan hat bisher bei jedem seiner Filme auf das kompositorische Können James Newton Howards zurückgegriffen (The Sixth Sense, Unbreakable, Signs).

Auch Roland Emmerich begann Anfang der Neunziger eine solche Zusammenarbeit, als er erstmals den bis dato relativ unbekannten britischen Komponisten David Arnold engagierte.
Dessen „außerordentlich melodisches und ausdrucksvolles“ Erstlingswerk zu Young Americans hatten den Schwaben und seinem Produzenten Dean Devlin (aus dessen Laudatio ich hier zitiere) so beeindruckt, dass sie ihm die Chance boten, ihren neuen Film zu vertonen.

Nachdem Emmerich mit Universal Soldiers einen ersten kommerziellen Achtungserfolg erreicht hatte, gab man ihm 1993 grünes Licht für das Projekt Stargate, einem Science-Fiction-Abenteuerfilm über ein Forschungsteam, das mittels eines bei Ausgrabungsarbeiten gefundenen Transmitters zu einem mehrere Milliarden Lichtjahre entfernten Planeten reist. Dort stößt es auf eine uralte menschliche Kultur, die vor Jahrtausenden von Ägypten dorthin verschleppt wurde und nun von dem aus einem als gigantische Pyramide getarnten Raumschiff heraus operierenden Gott Ra beherrscht wird, der ihre Rückkehr zur Erde um jeden Preis verhindern will.
Trotz dieses „abenteuerlichen“ Plots, dessen filmische Vorbilder offensichtlich bei Krieg der Sterne, Indiana Jones etc. liegen, bietet Stargate Dank seiner gelungenen Actionszenen und Spezialeffekte, sowie seiner aufwändigen und stimmigen Requisiten gute Unterhaltung. Negativ anzumerken ist der nach der guten ersten halben Stunde deutlich abflachende Spannungsbogen und das heterogen wirkende und etwas unvermittelte Ende.

Oben genannte Filme dienten wohl auch musikalisch als Inspiration für David Arnold, allerdings nicht in Bezug auf das in letzter Zeit häufig negativ diskutierte pure Abkupfern, sondern im Sinne von Anerkennung für einen breit-orchestralen, epischen Abenteuer-Score.
Im Mittelpunkt steht das strahlende, sehr eingängige Hauptthema, welches gleich in der „Stargate Ouverture“ zu hören ist.
In den nachfolgenden Titeln erklingt es dutzendfach in verschiedenen Variationen.
Mal ist es heroisch, majestätisch in den Blechbläsern zu hören, mal lyrisch und zurückgenommen in Form eines Oboen- oder Flötensolos. Auch das Sekundärthema (wogend in Titel 6 „The Stargate Opens“) verarbeitet Arnold geschickt, moduliert es oft und ändert die harmonischen Gerüste. Die Art und Weise, wie er Motive aus den beiden Themen miteinander kombiniert, oft auch nur in Nebenstimmen, offenbart sein kompositorisches Talent. Ausdrückliche Erwähnung soll hier auch der Orchestrator und Dirigent Nicholas Dodd finden, schließlich ist diesem erst die in solch überzeugender Form dargebrachte Musik zu verdanken.
Dem kulturellen Hintergrund des Films Tribut zollend, fließen mancherorts orientalische Klänge in die Musik ein, so zum Beispiel beginnt Titel 2 mit allerlei exotischem Schlagwerk und fremdartigen Vokalismen (gesungen von Natacha Atlas). Titel 4 „The Coverstones“, 13 „Caravan to Nagada“ oder 29 „Kasuf Returns“ stellen weitere Hörbeispiele in diesem Sinne dar. Parallelen in der Klangkonzeption sind hier in den späteren Vertonungen zu Die Mumie von Jerry Goldsmith und vor allem in Alan Silvestris Die Mumie kehrt zurück zu finden.

Mitreißende Actionpassagen bietet der Score u. a. in den Titeln 10 „Mastadge Drag“, 23 „Slave Rebellion“, 26 „Battle at the Pyramid“ und 28 „The Surrender“, hier wird das gesamte Klangvolumen der Sinfonia of London und des Chameleon Arts Chorus aufgeboten. Der Abschlusstitel („Going Home“) des Scores bildet diesbezüglich ein wahres Finale Furioso.
Natürlich kommt auch die ein oder andere martialisch-dissonante Stelle vor (z. B. Nr. 8 „Entering the Stargate“), trotzdem bietet das gesamte Album reichlich Hörgenuss.
Dem kann auch die auf den ersten Blick etwas übertriebene Einteilung mit 30 Cues (mitunter nur knapp eine Minute Laufzeit) nicht entgegenwirken, sie bietet einen sehr umfangreichen Überblick über die im Film verwendete Musik und stört den fließenden Charakter des Albums nicht.
Wer sich erstmal einen ersten Eindruck verschaffen möchte, dem empfehle ich die Titel 1, 2 und 6 zu programmieren, meiner Ansicht nach stellen sie die Highlights der CD dar.

Das Booklet ist 4-seitig schlicht gehalten, bietet leider keine Fotos, dafür allerdings einen kurzen biografischen Abriss über David Arnold, sowie die oben bereits erwähnte Widmung von Dean Devlin.

Alles in allem also ein äußerst empfehlenswerter Abenteuer-Fantasy-Score, der vor allem die Freunde breit-orchestraler Symphonik erfreuen dürfte. Auch Anhänger von John Williams und Jerry Goldsmith sollten sich angesprochen fühlen, auch wenn David Arnolds „Frühwerk“ – bei oben gezolltem Respekt – noch nicht an deren kompositorische Klasse heranreicht.

In den kommenden Jahren etablierte sich David Arnold weiter an Emmerichs Seite mit Scores zu Independence Day (siehe unten) und Godzilla. Nicht zuletzt wegen seinen Partituren zu den letzten drei James-Bond-Filmen, in denen er seine Erfahrungen im Pop-Musik-Bereich einbringen konnte, ist Arnold mittlerweile eine feste Größe im internationalen Filmmusik-Geschäft.

Wer sich noch etwas eingehender mit der Stargate-Thematik beschäftigen möchte, verweise ich auf den Artikel von Marko Ikonic über die auf dem Kinofilm basierende TV-Serie Stargate SG-1.

Titel: Stargate
Erschienen: 1994

Laufzeit: 64:49 Minuten

Medium: CD
Label: Milan
Kennung: 74321 24901-2

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 28.02.2004 | von Dietrich Haas

Independence Day

Independence Day Dietrich Haas
Bewertung

Mit Independence Day brachte Roland Emmerich 1996 seinen zweiten, kommerziell ungemein erfolgreichen, Blockbuster in die Kinos. Wieder einmal war nicht die ausgeklügelte Handlung dafür verantwortlich – im Gegenteil; Logische Brüche und so mancher dramaturgische Fehler sorgten damals für eher schlechte Kritiken, die den Film nicht ganz unberechtigt als patriotisch-plattes Popcornkino aburteilten.
Unbestritten war allerdings der hohe Unterhaltungsfaktor des Filmes mit bis dahin nicht bekannten Spezialeffekten und furiosen Actionszenen.

Zum Inhalt:

Ähnlich wie in Stargate geht es wieder um den Kampf zwischen der Menschheit und schlecht aufgelegten Außerirdischen. Nur ist es dieses Mal nicht nötig, mittels Sternentor auf einen fernen Planeten zu reisen, der extra-terrestrische Ungemach trifft uns direkt vor der Haustür.
Im folgenden gigantischen Zerstörungsszenario geht es der Menschheit an den Kragen.
Doch natürlich gelingt es den Gepeinigten, inklusive so mancher Slapstick-Szene, ein wirksames Gegenmittel zu finden.
Negativ aufgestoßen sein dürfte wohl vor allem dem internationalen Publikum, dass ausgerechnet ein Europäer den wohl pro-amerikanischsten Film der 90er drehte. Schließlich sind es unsere Freunde jenseits des großen Teichs, unter deren Führung die angesichts der globalen Bedrohung verbündeten Völker der Erde zum final-erfolgreichen Gegenschlag gegen die außerirdischen Invasoren ausholen, und so fehlt es auch nicht an flammenden Reden, wehenden Flaggen und einem US-Präsidenten, der selbstlos in die Schlacht zieht.

Um der äußerst abwechslungsreichen, groß besetzten Filmmusik zu Independence Day gerecht zu werden, ist es nötig, auf einzelne Titel der CD näher einzugehen.

Der Film beginnt mit einer Einstellung, die einen Blick auf das Mahnmal der ersten Mondlandung freigibt, eine friedensbringende Botschaft der Menschheit an alle Lebensformen, die sich in ferner Zukunft mal auf den Erdtrabanten verirren sollten.
Plötzlich beginnt der Boden zu beben, und der Zuschauer bekommt zum ersten Mal das – gigantische Mutterschiff der Aliens zu Gesicht – ein sehr düsterer, beklemmender Auftakt.

David Arnold untermalt diese Anfangsszene (Titel 1 „We Came – in Peace“) mit einem tiefen Klangteppich, über dem eine Solo-Trompete erstmals das heroische Hauptthema intoniert. Die Passage weckt Erinnerungen an die Ouvertüre von James Horners Score zu Apollo 13.
Analog der Filmhandlung steigert sich die Musik im Folgenden, Arnold baut konsequent Spannung auf, die sich schließlich im dramatischen Finale im tiefen Blech, massivem Schlagwerk und Chor entlädt.
In Titel 2 „S.E.T.I.-Radio Signal“ erklingt in den Blechbläsern zum ersten Mal das düstere Alien-Leitmotiv. Zusätzlich offenbart sich hier ein markanter Unterschied zu oben besprochenem Stargate-Score: Arnold bedient sich hier in Form von akustischen Effekten deutlich hörbar der elektronischen Komponente. So lassen sich (u. a. in Cue 3 „The Darkest Day“) Klangparallelen zu den späteren Bond-Scores ziehen.
Im Bereich der dynamisch-wilden Actionpassagen sind Titel 5 „Evacuation“ und 6 „Firestorm“ hervorzuheben. In zuerst genanntem Stück werden mit der Zerstörung des Empire State Buildings die wahren Absichten der Außerirdischen deutlich. Nach zunächst lyrischem Beginn schwingt sich die Musik zur donnernden Schlachtenuntermalung empor,
neben dem obligatorischen Blech und Schlagwerk fällt vor allem die geschickte Verwendung der Streicher auf;
Wann immer ein Raumschiff mittels seines zerstörerischen Energiestrahles ein Gebäude dem Erdboden gleichmacht, wird das durch ein ausgedehntes Glissando der hohen Streicher begleitet. Während dieser „Ruhe vor dem Sturm“ hat das Orchester Pause, um in der Folge nur – noch vehementer loszubrechen.
Den Höhepunkt in dieser Richtung – stellt Titel 6 „Firestorm“ dar. Allerdings ist das Stück isoliert vom Film meines Erachtens nur schwer zu verdauen; wild und konfus, gespickt mit schreienden Dissonanzen kann man hier von klanglichem Lärm sprechen.
Wohltuendes Gegenstück ist Titel 7 „Aftermath“, traurig-melancholisch unterlegt kriegt man hier das ganze Ausmaß der Zerstörung zu sehen, wobei der Chor pathetisch in den Vordergrund rückt, sobald die gefallene Freiheitsstatue ins Bild kommt.
Auch andere Stücke zeigen auf gefällige Weise, dass der Komponist nicht nur den Klangbombast beherrscht. So z. B. Titel 4 „Canceled Leave“, der, mit Harfe und einfachem Holzbläsersatz zurückhaltend orchestriert, einen akustischen Ruhepol auf der CD darstellt.

Insgesamt offenbart der Score einen enormen melodischen Einfallsreichtum des Komponisten, um einen anderen Rezensenten zu zitieren: „Die Musik bietet genug thematisches Material, um noch so manch andere Filme damit zu versorgen.“

Das definitive Highlight dieses Scores bildet der „End Title“. Hier werden neben einer bis dahin noch nicht präsentierten Anfangs-Fanfare in einer Art Suite noch mal nahezu alle Themen präsentiert, das majestätische Hauptthema ist in schwelgerisch auskomponierter Weise mit voller Besetzung zu hören. Nach einem von Solo-Cello getragenem Zwischenteil und anschließender Reprise schwillt die Musik zum Schluss noch mal zu einer regelrecht bombastischen Schlussakkordreihe (volles Blech, Chor, Schlagwerk inklusive Tamtam) an.

Allein aufgrund dieses rund neunminütigem Schlusstitels hätte der Score ohne Bedenken noch einen halben Stern mehr verdient, doch leider verspielt dies die Album-Konzeption:
Bedauerlicherweise repräsentiert die auf der CD befindliche Musik, bei ordentlicher Spielzeit, nur rund die Hälfte der für den Film komponierten Musik. Ein Schicksal, dass David Arnold im Übrigen auch bei Tomorrow Never Dies • Der Morgen stirbt nie widerfahren ist. Nur gab es hier noch eine spätere Edition, die diesen Mangel behob.
Des Weiteren ist es ärgerlich, dass man die Tracklist nur auf die CD selber gedruckt hat – ein Missgriff, der eigentlich einem renommierten Label wie RCA Victor nicht passieren dürfte.
So kann man nie mitlesen, was man sich eigentlich gerade anhört.

Der Musik tut dies keinen Abbruch, wohl aber der ansonsten sehr positiven Bewertung dieser Score-Veröffentlichung.

Titel: Independence Day
Erschienen: 1996

Laufzeit: 50:41 Minuten

Medium: CD
Label: RCA Victor/BMG Classics
Kennung: 09026 68564 2

Komponist(en):

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