Special

Veröffentlicht am 20.04.2003 | von Michael Boldhaus

Deutsche Filmkomponisten


Sampler

Veröffentlicht am 20.04.2003 | von Michael Boldhaus

Peter Sandloff: Deutsche Filmkomponisten, Folge 6

Peter Sandloff: Deutsche Filmkomponisten, Folge 6 Michael Boldhaus
Bewertung

Allgemeines zu den vorgestellten CD-Alben

Direkt gesagt: Die Bear-Family-CD-Reihe „Deutsche Filmkomponisten“ (www.bear-family.de) ist insgesamt eine glänzende editorische Leistung. Die unregelmäßig (in Abstand und Reihenfolge) erscheinenden Alben sind überaus liebevoll, mit Herz und Hirn produzierte Sammlerstücke.

Jede der – großzügig mit zwischen 70 und 80 Minuten Musik bestückten – CDs enthält meist nur kurze Stücke (mitunter aber auch kleine Suitenzusammenstellungen) aus repräsentativen Filmkompositionen des jeweils porträtierten Komponisten. Erstklassig und prächtig gehalten, aber mechanisch empfindlich, sind die aufwändig gestalteten Digipacks, durch deren farbenprächtige Ausstattung mit Kinoplakatmotiven der Käufer bereits einen Vorgeschmack von der Qualität der in jedem Einzelfall umfangreichen und edel gestalteten Begleithefte bekommt. Neben einem einführenden Artikel mit biografischen Daten zum Komponisten nimmt den größten Teil eine Präsentation von Material zu den vertretenen Filmen ein – pro Album etwa 25 bis 30 Filme. Dieses Material belegt im Regelfall zwei Doppelseiten, die in erster Linie mit (oftmals farbigen) Filmfotos und Plakatmotiven gespickt sind. Zu jedem Film werden außerdem wichtige Basisinfos zu Darstellern, Regie, Drehbuch, Kamera, Produktion und Uraufführungsdatum angegeben.

In den Begleitheften zu stöbern, erzeugt beträchtlichen Nostalgiespaß und lässt allein schon über Titel wie „Nackt wie Gott sie schuf“ schmunzeln – wobei eh über mindestens 90 % der deutschen Nachkriegsfilmproduktion getrost der berühmte Mantel des Schweigens gebreitet werden kann. Die vermutlich auf 10 Titel angelegte Reihe wächst in der Fülle des gebotenen Materials – neben dem nostalgischen Aspekt – zum beeindruckenden (natürlich zwangsläufig etwas grob gerasterten) Überblick über das bundesrepublikanische Nachkriegskino heran. Insofern ist der Repertoire-Wert der Alben besonders hoch anzusetzen (Als Albumbewertung daher generell 3,5 S).

Es ist natürlich schwierig, derartig „bunte“ musikalische Flickenteppiche gerecht zu bewerten: Die Qualität des musikalischen Materials ist oft wie die der Filme zu denen es komponiert wurde und damit zwangsläufig recht durchwachsen. Vieles ist dabei natürlich (wie die Filme) sehr stark dem Zeitgeschmack der Ära unterworfen: Somit gibt es oftmals Big-Band-Sounds oder sonst wie jazzig oder auch poppig angelegte Unterhaltungsmusik zu hören. Manches liebäugelt dabei auch (nett anhörbar) mit den Musicals aus Hollywood, anderes ist mitunter einfach nur seicht und beliebig. Ebenso anzutreffen sind aber auch kleinere bis mittlere Highlights merklich inspiriert ausgeführter Filmkompositionen.

Wie bereits oben angemerkt, ist infolge der liebevoll gemachten Begleithefte der editorische Wert der CD-Kollektion „Deutsche Filmkomponisten“ recht hoch anzusetzen, was unterm Strich keinesfalls immer völlig stimmig mit den gebotenen Musiken zusammenpasst. Dies gilt ebenso für die Alben 90 Minuten nach Mitternacht, Marina/Am Tag als der Regen kam und „Film Jazz“, deren Begleithefte zwar gegenüber denen der Reihe „Deutsche Filmkomponisten“ etwas abgespeckt, aber vom Dokumentarischen immer noch sehr beachtlich sind, so dass ich hier generell eine „kleine Empfehlung“ und damit 3 Sterne für gerechtfertigt erachte. Für sämtliche Titel des Labels Bear Family gilt: Auch klanglich ist alles getan worden; die qualitativ in Teilen unterschiedlichen Materialien (in der Regel in Mono) sind sauber aufbereitet und klingen fast durchweg sehr frisch.

Die erst kürzlich bei peermusic Germany (www.peermusicpop.de) erschienene Martin-Böttcher-CD wartet sogar mit vier vollständigen Filmkompositionen auf: Unser Haus in Kamerun (1961), Der Fälscher von London (1961), Straße der Verheißung (1962) und Auf Engel schießt man nicht (1960). Die Tonmaterialien sind klanglich ebenfalls sehr gut aufbereitet worden und erklingen zum Teil in sehr sauberem Stereo-Sound. Das Booklet ist, (auch) da nur vier Kinofilme thematisiert sind, deutlich weniger umfangreich gehalten als die Booklets zu den Bear-Family-Alben 90 Minuten nach Mitternacht, Marina/Am Tag als der Regen kam und „Film Jazz“, aber grundsätzlich im gleichen Sinne gestaltet.

Peter Sandloff: Deutsche Filmkomponisten, Folge 6

Peter Sandloff (∗ 1924) ist Deutschamerikaner, Sohn eines russischen Arztes und einer deutschen Schauspielerin, geboren in New York. Bereits 1926 kehrten nach dem Tode des Vaters Mutter und Sohn nach Deutschland zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte Peter Sandloff an der Deutschen Musikbühne Freiburg. Zum Film kam er eher zufällig durch Hans-Martin Majewski, der ihm Mitarbeit bei der Vertonung des Films Liebe ´47 anbot. Neben Film- und Fernsehmusiken ist Sandloff auch in anderen Musiksparten tätig gewesen: außer sinfonisch komponierten Werken gibt es in seinem Werkkatalog Kammer- und Chormusik, mehrere Ballette, eine Oper und Experimente im Big-Band-Sound.

Die CD präsentiert Musik aus 15 Filmen: An die Edgar-Wallace-Film-Vertonungen von Peter Thomas erinnern die Klänge zu zwei Dr.-Mabuse-Streifen und zu Der Rächer (1960) gibt es zum Teil verfremdeten Big-Band-Jazz. In Teilen ein wenig an die „Neue Wiener Schule“ (speziell Alban Berg) gemahnen die dezent modernistisch gehaltenen Töne zum Triebtäterdrama Viele kamen vorbei (1955). Im Bereich netter sinfonischer Unterhaltung rangiert Geliebte Corinna (1957) und erweist im letzten Viertel dem Rosenkavalier von Richard Strauss eine hübsch-walzerhafte Referenz. Dramatische sinfonische Klänge bietet Mädchen in Uniform (1958), wobei hier das Glockenspiel der Garnisonskirche wichtiger integraler Part ist. In Teilen recht spritzig gemachte collageartige Montagen aus jazziger Big-Band-Unterhaltung und verfremdeten NS-Marschrhythmen erklingen zur Satire Wir Kellerkinder (1958). Eine walzerhaft schwebende Liebesszene bietet Eheinstitut Aurora (1962). Interessante – schon experimentell zu nennende – Klangwirkungen entstehen durch Kombination von Akkordballungen des Klaviers mit Stabglocken und jazzigen Trompetensounds in der Titelmusik, und im barocken Concerto-Grosso-Stil kommt die Schlussmusik von Durchbruch Lok 234 (1963) daher. Ebenfalls barocke Formen spiegeln sich in der Titelmusik des Dokumentarfilms Ruf der Götter (1957). Die hier präsentierte, rund 11-minütige Suite bietet eine mit Exotismen angereicherte breitsinfonisch angelegte und gekonnt auskomponierte romantisch gehaltene Musik. Im Tonfall dabei gelegentlich auch mal dezent modern und auch parodistisch, wie in der „Elefanten-Parade“.

Eine insgesamt sehr gut geschnittene CD in durchweg sauberer Mono-Qualität. Sandloff erweist sich dabei als recht vielseitiger und handwerklich überzeugender Vertreter der Gattung „Deutsche Filmkomponisten“.

Titel: Peter Sandloff: Deutsche Filmkomponisten, Folge 6
Erschienen: 2003

Laufzeit: 78:06 Minuten

Medium: Sampler
Label: Bear Family
Kennung: BCD 16486 AR

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 20.04.2003 | von Michael Boldhaus

Martin Böttcher: Deutsche Filmkomponisten, Folge 1

Martin Böttcher: Deutsche Filmkomponisten, Folge 1 Michael Boldhaus
Bewertung

Martin Böttcher (∗ 1927) will als Jugendlicher zuerst Pilot werden. Der Kriegseinsatz bleibt dem Halbwüchsigen erspart, nicht aber die Gefangenschaft. Hier begründet er seine musikalische Karriere, indem er sich autodidaktisch das Gitarrenspiel beibringt. Der 18 Jahre junge Böttcher beginnt seine Laufbahn beim Tanz- und Unterhaltungsorchester des Nordwestdeutschen Rundfunks NWDR heute der NDR, seinerzeit noch nicht „Das Beste am Norden“. Dort erhält er eine Ausbildung in Jazz und Unterhaltungsmusik und lernt auch James Last kennen. In den 50ern schreibt er Arrangements, unter anderem für die pfeifende Ilse Werner. Seine erste Filmmusik entsteht 1955 für die Militärsatire Der Hauptmann und sein Held. Zu Die Halbstarken (1956) entwirft er eine dem Trend der Zeit entsprechende jazzige Musik (siehe auch The Man from U.N.C.L.E.), die er mit eigener Combo, der „Mister Martins Band“, einspielt.

Böttcher erweist sich als ordentlicher Melodiker und komponiert Lieder für Hans Albers und für diverse Schlagerfilme. Hübsch geraten ist das Hauptthema aus den beiden Pater-Brown-Filmen (1960 und 1962): eine ansprechende Melodie im Gewand bluesig angehauchter leichter Unterhaltungssinfonik. ähnliches gilt auch für die Musikbegleitungen zu Filmen wie Max, Der Taschendieb (1961), deren hervorstechende Merkmale recht süffige, poppig rhythmisierte Streichersounds mit diversen Instrumental-Soli sind. Böttchers Nimbus rührt insbesondere von den Karl-May-Film-Vertonungen her: auch hier erklingen Soli, meist von Gitarre und Mundharmonika. Der Klang wird durch satte Streicherbesetzung stärker romantisiert, jazzig bluesige Elemente – zu Krimi-Kompositionen wie Das Geheimnis der schwarzen Witwe (1963) – treten zugunsten von dezenten Anleihen bei amerikanischer Hillybilly- und Country-(Western-)Music zurück. In Mörderspiel (1961) setzt der Komponist einen (ebenfalls im Unterhaltungsmusik-Trend der Zeit liegenden) etwas plumpen vokalisierenden Frauenchor ein.

Damit dürfte allerdings die stilistische Bandbreite von Martin Böttchers Filmmusiken schon (fast) erschöpfend umrissen sein. Lässt man die insgesamt 30 Titel der CD Revue passieren, begegnen einem ausschließlich reine, eher schlichte Unterhaltungsstandards. Darunter sind zwar einige ansprechende Themen zu finden, aber die klangliche und stilistische Vielfalt erweisen sich doch als arg begrenzt und vor allem ist eine Fähigkeit zur dramatischen Gestaltung kaum auszumachen. So erklingt zu Edgar-Wallace-Krimis wie Das Ungeheuer von London City und Der Fälscher von London allein eine eher standardisiert flache Unterhaltungsmusik, die auch einfach nur aus dem Radio kommen könnte. Und zu meist platten Komödien wie Klassenkeile, Die Ente klingelt um ½ 8 oder Dr. med. Fabian – Lachen ist die beste Medizin stehen allein poppig angehauchte, völlig seichte Sounds ohne Pep auf dem Programm.

Und selbst bei den zweifellos kultigen, oftmals durchaus hübschen Karl-May-Kompositionen handelt es sich in erster Linie um sehr eingängige Melodien, die bei genauerer Betrachtung allerdings sämtlich aus demselben Holz geschnitzt sind. Insgesamt dürften gerade die zum Teil charmant klingenden Kompositionen zu den Karl-May-Filmen diejenigen sein, die mit ihren süffigen Sounds mit dem Namen Martin Böttcher am längsten in Erinnerung bleiben werden. Dem entsprechend findet sich zum Auftakt der CD auch ein recht repräsentativer Querschnitt (7 Tracks) durchs Karl-May-Œuvre.

Unterm Strich: eine Mischung aus in weiten Teilen eher rein routinierter hintergrundtauglicher Tanz- und Unterhaltungsmusik – die mitunter kaum auf Filmmusik tippen lässt. Insgesamt meist recht biederes Handwerk mit einigen darin enthaltenen kleineren Perlen (1 bis 3 Sterne).

Titel: Martin Böttcher: Deutsche Filmkomponisten, Folge 1
Erschienen: 2001

Laufzeit: 73:20 Minuten

Medium: Sampler
Label: Bear Family
Kennung: BCD 16481 AR

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 20.04.2003 | von Michael Boldhaus

Erwin Halletz: Deutsche Filmkomponisten, Folge 8

Erwin Halletz: Deutsche Filmkomponisten, Folge 8 Michael Boldhaus
Bewertung

Erwin Halletz (1923 in Wien geboren) hat etwa 120 Filmmusiken komponiert. Im Begleitheft schildert er selbst seinen Werdegang in einem recht humorvoll gehaltenen Artikel. Halletz beschreibt sich als Allround-Musikant, der fast alle Facetten dieses Berufes ausgeübt hat. In den auf der vorliegenden CD vertretenen Stücke erweist er sich als der Unterhaltungs- und Schlagermusik seiner Zeit besonders nahe stehend – er war von 1950 bis 1953 Leiter des „Wiener Tanzorchesters“.

Aus den Untiefen der Belanglosigkeit steigen in erster Line trivial-nostalgisch zu nennende Tanz- und Unterhaltungssounds empor. So in der Musik zum 50er-Jahre-Trash um eine nackt unter Wilden aufgewachsene Blondine (Marion Michael) in Liane, das Mädchen aus dem Urwald und Liane – die weiße Sklavin. Und auch für andere Trash-Highlights, wie Das Rasthaus der grausamen Puppen (1967), Das Liebeskarussell (1967), In Frankfurt sind die Nächte heiß (1966), Mädchen beim Frauenarzt (1970), Die Kompanie der Knallköpfe (1971) und Shocking Asia – Sünde, Sex und Sukiyaki (1980) gilt entsprechendes. Hier sind die schwachen Filme sicher auch Programm für den gewählten, dem Trend der Zeit klar verpflichteten, eher schlichten Vertonungsstil.

Stärker (light-)sinfonischen Touch haben die recht ansprechenden, mit netten folkloristischen Einfärbungen und einem recht schmissigen, leicht ironisch anmutenden Marsch für die französischen Truppen versehenen Musiken zu den beiden Mexiko-Karl-May-Abenteuern Der Schatz der Azteken und Die Pyramide des Sonnengottes (beide 1964/65). Ebenfalls gut anhörbar – wenn auch etwas zu modern geraten – ist Halletz’ Ballwalzer für die deutsche Synchronfassung der russischen Mosfilm-Produktion nach Leo Tolstoi, Anna Karenina (1967). Hier ist durch die eingesetzten Balalaikas ein kleiner Hauch von der berühmten Musik zu Doctor Zhivago (1965) spürbar. In Peter Voss, der Held des Tages (1959) knüpft er solide beim Majewskischen Vorbild an und liefert eine nette musikalische Untermalung, ohne dabei allerdings das Vorbild zu erreichen. Und zum Abschluss gibt’s noch einen typischen Schlager, „Uncle Satchmo’s Lullaby“, gesungen von Louis Armstrong aus La Paloma (1959).

Musikalisches Fazit des Albums: In erster Linie eine Revue ordentlicher, aber mitunter eben auch sehr seichter Unterhaltungsmusik, mit ein paar kleineren (light-)sinfonischen Perlen dazwischen (1½ bis 3 Sterne).

Titel: Erwin Halletz: Deutsche Filmkomponisten, Folge 8
Erschienen: 2001

Laufzeit: 78:58 Minuten

Medium: Sampler
Label: Bear Family
Kennung: BCD 16488 AR

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 20.04.2003 | von Michael Boldhaus

Gert Wilden: Deutsche Filmkomponisten, Folge 2

Gert Wilden: Deutsche Filmkomponisten, Folge 2 Michael Boldhaus
Bewertung

Gert Wilden hieß ursprünglich Gert Wychodil, stammt aus Nord-Böhmen und wurde in Mährisch-Trübau im Jahr 1923 geboren. Nach dem Abitur studierte er an der Prager Musikhochschule unter anderem Dirigieren beim später berühmten George Szell. Schon während des Studiums wurde er Leiter des Tanzorchesters am Sender in Pilsen. Zur Filmmusik kam er nach dem Kriege durch den früher bei der UFA sehr bekannten Werner-Richard Heymann, für den er als Arrangeur arbeitete, bis er mit eigenen Arbeiten Fuß fassen konnte.

Reine Routine im Einheitssound ist auch hier angesagt. Von den beiden schon etwas skurril anmutenden Western(-Tanz)-Musiken, zum amerikanischen Lederstrumpf: Der Wildtöter (1957) und zum 1964er Die schwarzen Adler von Santa Fe, tendiert besonders die zum letztgenannten Film ein wenig zur Musik zu Der letzte Mohikaner (1965) von Peter Thomas.

Aus den zahlreichen Krimi-Musiken des Komponisten ist einiges vertreten: weist der „Main Title“ für (sämtliche) Filme der Dr.-Fu-Man-Chu-Reihe zumindest noch ein wenig pentatonische Einflüsse und damit asiatisches Kolorit auf, das noch Bezug zum Film hat, lässt der Ausschnitt aus Orientalische Nächte allein ein 60er-Jahre-Tanz-Feeling aufkommen. Ein wenig Bigband-Jazz mit immerhin ein wenig James-Bond-Touch hat Der Fluch des schwarzen Rubin (1965). Abgesehen von einigen netten Momenten ist aber auch diese Musik eindeutig blasser als amerikanische Vorbilder der Ära, wie [url id=1980]Our Man Flint[/url] (1966). Überhaupt klingen die hier zu hörenden Kriminalfilmvertonungen insgesamt vergleichbar blass und fast durchweg nach reinem Unterhaltungseinerlei – ebenso wie die auf dem Martin-Böttcher-Album vertretenen.

Wilden schrieb insbesondere über seine zahlreichen Krimivertonungen einmal, dass keine davon Gefahr gelaufen wäre, den Oscar zu gewinnen. Auch wenn die Oscars nur bedingt synonym für Qualität sind, lässt sich diese etwas selbstironische Feststellung in ganz besonderem Maße wohl auch auf weitgehend belanglose Musiken, wie die zu Schulmädchen-Report (insgesamt 13 Filme, 1970-1980), Die dressierte Frau (1972) oder Madame und ihre Nichte (1969), übertragen.

Wertungs-Fazit: Hier gibt’s ausschließlich Musik der Marke „Easy Listening“, ohne dass in den vertretenen Beispielen von merklichem Pfiff gesprochen werden kann. Einiges ist zwar ganz nett anzuhören, aber insgesamt ist die CD stark mit eher seichtem Musikmaterial durchsetzt. (1 bis 2 Sterne).

Titel: Gert Wilden: Deutsche Filmkomponisten, Folge 2
Erschienen: 2001

Laufzeit: 75:35 Minuten

Medium: Sampler
Label: Bear Family
Kennung: BCD 16482 AR

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 20.04.2003 | von Michael Boldhaus

Bert Kaempfert: 90 Minuten nach Mitternacht

Bert Kaempfert: 90 Minuten nach Mitternacht Michael Boldhaus
Bewertung

Bert Kaempfert: 90 Minuten nach Mitternacht, Willkommen Mr. B…, Zwei Kerle aus Granit

Der Name des Hamburgers Bert Keampfert (1924-1980) steht insbesondere für einen markanten und reizvollen orchestralen Unterhaltungs-Sound der 60er Jahre, und auch für eingängig-charmante Melodien wie „Spanish Eyes“ und „Danke Schön“. Der Kaempfert-Sound beinhaltet Jazz-Elemente, weiche Beat-Sounds, üppige Streicherlinien und geschickt eingesetzte weibliche Vokalisen.

Die Musik zu 90 Minuten nach Mitternacht (1962), ein Psychothriller um eine Entführung, weist ein recht üppiges Hauptthema auf, das im Score sogar ein wenig leitmotivische Funktion hat. Dank einer Reihe von ordentlich – unter anderem auch geschickt bluesig – ausgeführten Variationen ist es in der Komposition auch recht gut verankert. Die ebenfalls gut auskomponierten Spannungsmusiken tun das ihre, den guten Eindruck dieser Filmmusik zu festigen.

Ebenfalls positiv geht Willkommen Mister B… (1966) ins Ohr. Auch hier gibt’s Bluesiges, neben einem Schuss südländischem Flair und vor allem als Liebesthema das später als Lied von Frank Sinatra zum Hit und Evergreen gewordene „Strangers in the Night“. Auch hier sind wieder einige nette Einfälle in Sachen thematischer Verarbeitung und ebenso eine sorgfältig und recht vielseitig ausgeführte Instrumentierung auszumachen. Kaempfert erhielt für „Strangers in the Night“ den Golden Globe und mehrere amerikanische BMI Awards.

Zwei etwas unverbindlicher wirkende Stücke aus dem Abenteuerfilm Zwei Kerle aus Granit (1970) bringen die fast randvoll bestückte und in exzellentem Stereo-Sound daherkommende CD zum Abschluss. Ein sehr schönes CD-Album, das im Unterhaltungsstil gemachte Filmmusik auf hervorragendem Niveau präsentiert. Ein echtes Sahneschnittchen, dem besonderes Käuferinteresse zu wünschen ist (3½ bis 4 Sterne).

Titel: Bert Kaempfert: 90 Minuten nach Mitternacht
Erschienen: 2002

Laufzeit: 77:51 Minuten

Medium: CD
Label: Bear Family
Kennung: BCD 16571 AH

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 20.04.2003 | von Michael Boldhaus

Marina/Am Tag, als der Regen kam

Marina/Am Tag, als der Regen kam Michael Boldhaus
Bewertung

Ausflüge in Sachen Nostalgie sind der Musikfilm Marina (1960) und auch der Probleme mit rebellischen Halbstarken aufgreifende Krimi Am Tag als der Regen kam (1959). Musikalisch handelt es sich ausschließlich um harmlose und völlig austauschbare, unspezifische Unterhaltungsmusik. Zweifellos haben dabei einige der Titel einen hohen nostalgischen Erinnerungswert: etwas, das ganz besonders für die titelgebenden Schlager, aber wohl auch für den von Martin Böttcher nett arrangierten „Red River Rock“ gilt (1½ bis 2).

Titel: Marina/Am Tag, als der Regen kam
Erschienen: 2002

Laufzeit: 65:34 Minuten

Medium: CD
Label: Bear Family
Kennung: BCD 16588 AH

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 20.04.2003 | von Michael Boldhaus

Hans-Martin Majewski: Film Jazz

Hans-Martin Majewski: Film Jazz Michael Boldhaus
Bewertung

Diese CD fokussiert auf jazzige Stücke aus Musiken, die zu Spiel- und Fernsehfilmen aus den Jahren 1957 bis 1967 und einigen TV-Produktionen entstanden. Nichts Großes, im Wesentlichen als Source-Musik im Kontext des jeweiligen Films funktional. Im Vergleich mit Ähnlichem aus der Feder von Martin Böttcher, verrät das hier Gebotene aber insgesamt doch einen Schuss mehr handwerkliches Geschick (2½ Sterne).

Titel: Hans-Martin Majewski: Film Jazz
Erschienen: 2002

Laufzeit: 68:23 Minuten

Medium: Sampler
Label: Bear Family
Kennung: BCD 16386 AH

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 20.04.2003 | von Michael Boldhaus

Martin Böttcher: Original-Filmmusik

Martin Böttcher: Original-Filmmusik Michael Boldhaus
Bewertung

Von manchem Freund von Martin Böttchers Filmmusiken könnte dieses CD-Album die Bezeichnung „Das Besondere“ erhalten. So erweist sich gerade die vollständig vorliegende Komposition zur soapigen, in einem Bilderbuch-Afrika angesiedelten Herz-Schmerz-Story Unser Haus in Kamerun geradezu als Modell für die wenig später in Serie (und aus einem Guss!) komponierten Winnetou-Filmkompositionen. Allerdings zeigt sich (auch) hier, wie insgesamt eher simpel alles gestrickt ist. Das nette Hauptthema erscheint ausschließlich in leicht verändertem Arrangement. Ansonsten kann weder von weiteren interessanten Themen, noch einer thematischen Arbeit oder überhaupt von ansatzweise dramatischer Gestaltung wirklich die Rede sein.

Sehr interessant ist allerdings, dass Der Fälscher von London, Straße der Verheißung und auch Auf Engel schießt man nicht offenbar jeweils nur (!) rund 10 Minuten Musik enthalten. Hierbei bestätigt sich das schon beim Böttcher-Album aus der Reihe „Deutsche Filmkomponisten“ Vermutete. Bei den Filmkompositionen handelt es sich um weitgehend vor sich hin plätschernde poppige oder (blasse) jazzige Unterhaltungsroutine. Dem entsprechend gilt: Nahezu alles ist beliebig austauschbar und nahezu ohne (zumindest näherungsweise) akustisch erkennbare genrespezifische Funktion. Und nicht wesentlich anders ist der Eindruck, den die aus Untermalungen für Lufthansa-Werbespots zusammengestellte „Lufthansa-Suite“ hinterlässt.

Insbesondere für die Martin-Böttcher-Fan-Gemeinde handelt es sich hier zweifellos um eine Veröffentlichung mit einigem Nostalgiepotential. Für breitere Schichten von Filmmusikfreunden hingegen ist es aber wohl in erster Linie eine aufschlussreiche Veröffentlichung (1 bis 2 Sterne).

Titel: Martin Böttcher: Original-Filmmusik
Erschienen: 2003

Laufzeit: 78:10 Minuten

Medium: Sampler
Label: peermusic
Kennung: CD 0103

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 20.04.2003 | von Michael Boldhaus

Hans-Martin Majewski: Deutsche Filmkomponisten, Folge 10

Hans-Martin Majewski: Deutsche Filmkomponisten, Folge 10 Michael Boldhaus
Bewertung

Hans-Martin Majewski (1911-1997) gehört zusammen mit Rolf Wilhelm („Deutsche Filmkomponisten, Folge 4“) zu den bislang besten Komponisten des deutschen Nachkriegs-Kinofilms, die innerhalb der Reihe zu Gehör kommen. Der aus Schlawe in Pommern stammende Majewski studierte am Leipziger Konservatorium. 1939 engagierte ihn Arthur Maria Rabenalt für die Vertonung seines Films Flucht ins Dunkel. Nach dem Krieg arbeitete er in Hamburg für literarische Kabaretts und komponierte für Hörspiele beim damaligen NWDR. 1948 holte ihn Wolfgang Liebeneiner wieder zum Kinofilm, für die Adaption von Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“.

Majewski komponierte nicht in erster Linie Ohrwürmer und war auch nicht auf klassisch-klotzige filmmusikalische Untermalungen im spätromantischen Sinne festgelegt. Vielmehr ging er oftmals mit unkonventionellen, eher zurückhaltenden Mitteln zu Werke. Während seines langjährigen Schaffens beschritt er dabei auch neue Wege, komponierte z. B. zusammen mit Oskar Sala die erste vollständig elektronische deutsche Filmmusik.

Die besonders gut fließende Zusammenstellung der CD belegt die Vielseitigkeit des Komponisten anhand von Musiken aus 30 Filmen von 1953 bis 1974. Trotz unüberhörbarer Einflüsse der Unterhaltungsmusik der Zeit bleibt dahinter der versierte Orchesterhandwerker (fast immer) deutlich spürbar. So in Scampolo (1960), wo jazzig Angehauchtes mit hübsch eingearbeiteten, auf Italien verweisenden Mandolinen-Sounds vermischt ist. Reizend ist der beschwingte, französisch anmutende Walzer zur Gaunerkomödie Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (1957) und ebenso charmant der mit typischen Hammond-Orgel-Klängen der Ära versehene „Thesi-Walzer“ aus Heute heiratet mein Mann (1956). Frisch, pennälerhaft-frech und etwas melancholisch zugleich kommt die mit Mundharmonikas begleitete Schneeballschlacht aus Das fliegende Klassenzimmer (1954) daher. Und Mundharmonika-Soli prägen ebenfalls die walzerhaften Hauptthemen der Tucholsky-Adaptationen Schloss Gripsholm (1963) und Rheinsberg (1967).

Interessante Klangcollagen aus orchestralen Klängen und elektronischen Verfremdungen bietet Der Mann im Strom (1958). Das Trautonium Oskar Salas ertönt in Schachnovelle (1960) und auch in Bernhard Wickis Die Brücke (1959). Zu letztgenanntem Film dürfte die CD mit knapp drei Minuten sogar die annähernd vollständige Musik enthalten: Trautonium-Akkorde bestreiten die Eröffnung und den Schluss. Zur Eröffnung in Form einer über dem Rollentitel erklingenden Collage zusammen mit verzerrten Kommandorufen. Und ansonsten gibt’s noch ein Stück Hintergrund-Unterhaltungs-Musik, die so verfremdet klingt als ertöne sie von einem Grammophon. Insgesamt ein äußerst zurückhaltendes Vertonungskonzept, das sich dem dokumentarischen Stil dieses wichtigen Films optimal anpasst, indem es diesem nicht – etwa durch eine ausladende, gefühlsbetonte Kinosinfonik – zuwider läuft.

Fast schon experimentell angehauchte schrille Big-Band-Klänge untermalen die Tragödie der Wilhelm Gustloff in Nacht fiel über Gotenhafen (1959). Originell ist der zeittypisch gepfiffene „Coxtrott“ aus Gestatten – mein Name ist Cox (1955). Und ähnlich hübsch beginnt Peter Voss der Millionendieb (1958), eine sehr gelungene Filmmusik, deren schönes Hauptthema in vielfältigen Variationen, virtuos angepasst an das Klangkolorit der wechselnden internationalen Schauplätze erklingt. Das rund 90-seitige Begleitheft zählt zu den besonders üppigen der Reihe.

Titel: Hans-Martin Majewski: Deutsche Filmkomponisten, Folge 10
Erschienen: 2003

Laufzeit: 78:09 Minuten

Medium: Sampler
Label: Bear Family
Kennung: BCD 16490 AR

Komponist(en):

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