DVD

Veröffentlicht am 27.12.2003 | von Michael Boldhaus

Ich denke oft an Piroschka

Ich denke oft an Piroschka Michael Boldhaus
Film
Bild
Ton
Extras

Eine reizende Filmkomödie der 50er, Regisseur Kurt Hoffmanns (1910-2001) Ich denke oft an Piroschka (1955), ist bei Kinowelt im Rahmen der so genannten „Heimatkult-Reihe“ auf DVD erschienen. Was bei manch einem ein wenig Musikantenstadl-Feeling (und damit möglicherweise gar leichte Beklemmung) erzeugen mag, bildet hier den Rahmen für eines der bezauberndsten — und zugleich erfolgreichsten — Filmlustspiele des deutschen Nachkriegskinos. Liselotte Pulver, Gunnar Möller, Gustav Knuth und Rudolf Vogel geben sich ein Stelldichein in der warmherzigen, lustigen Liebesgeschichte um den deutschen Austauschstudenten Andreas, der sich in Ungarn zwischen zwei Frauen entscheiden muss: der attraktiven und weltgewandten Greta aus Budapest und der temperamentvollen Piroschka (mitreißend verkörpert von Lilo Pulver), Tochter eines dörflichen Bahnhofsvorstehers. (Für Lilo Pulver wurde der Film der Durchbruch zum Star.)

Sicherlich nur ein harmloser, aber immer wieder reizender Unterhaltungsfilm, dessen nostalgischer Touch die spritzig-witzige und zugleich sehr romantische Musikuntermalung von Franz Grothe, komponiert im Stile einer Lisztschen „Ungarischen Rhapsodie“, überaus gelungen unterstreicht. Das schöne Hauptthema dürfte so manch einem anschließend kaum mehr aus dem Kopf gehen.

Der Film auf DVD

Die Kinowelt-DVD präsentiert den Film Ich denke oft an Piroschka in leuchtenden Farben mit kontrastreichem, gut durchzeichnetem Bild. Einzig eine leichte Körnigkeit und „nur“ gute, aber nicht herausragende Detailschärfe beeinträchtigen den an sich sehr guten Gesamteindruck ein wenig. Der Ton dazu kommt — natürlich ausschließlich in Deutsch — in sehr sauberem und frischem Mono daher.

Im Zusatzmaterial gibt’s eine rund 45-minütige Video-Doku von 1985, „Humor ist eine ernste Sache“, in der der Regisseur Kurt Hoffmann recht aufschlussreich porträtiert wird. Hoffmann wirkt sympathisch und unprätentiös, wenn er seine gesammelten Auszeichnungen (z. B. Golden Globe, Filmband in Gold) eher schamhaft aus einem diskreten Schrankfach hervorholt und anschließend wieder dort verschwinden lässt. Und ebenso, wenn er augenzwinkernd und lachend sagt, es sei ihm ein besonderes Anliegen gewesen, dass seine Kinder einen ordentlichen Beruf wählten.

Ein überaus ansehnlicher Original-Kinotrailer von rund vier Minuten Dauer rundet das Bonusmaterial sehr ansprechend ab. Für sich betrachtet wirkt der Trailer tadellos, ja sogar neuwertig. Erst im unmittelbaren Vergleich mit den noch merklich leuchtkräftigeren, prachtvollen Eastman-Color-Farben des ebenfalls in störungsfreier Kopie abgetasteten Films zeigt sich, dass der rund 50-jährige Trailer eben doch leicht verblasst (gefadet), aber insgesamt hervorragend erhalten geblieben ist.

Unterm Strich also eine sehr runde Sache, sicher nicht nur für diejenigen unverbesserlichen Nostalgiker, für die Opas Kino einfach nicht sterben will, sondern für alle, die mit einer zarten und liebenswürdigen, mit leichter Hand gekonnt inszenierten Komödie etwas anfangen können. Eine, die durch einen kleinen Schuss schicksalhafter Melancholie und Ironie im Finale einen besonders menschlich-warmen Touch bekommt.

Titel: Ich denke oft an Piroschka
Erschienen: 2003

Zusatzinformationen: D, 1955

Medium: DVD
Verleih: Kinowelt DVD
Kennung: 500591

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