Sampler

Veröffentlicht am 26.05.2003 | von Michael Boldhaus

The Phantom Menace and other film hits

The Phantom Menace and other film hits Michael Boldhaus
Bewertung

Varèses Jahres-Sampler für 1999 ist überzeugend geraten: Hier liegt ein insgesamt gelungener Mix aus neu eingespieltem Musikmaterial und Auszügen von Filmmusiken vor, die bereits auf Varèse veröffentlicht worden sind. In den neu eingespielten Teilen dirigiert dieses Mal im Gegensatz zu Joel McNeely Frederic Talgorn das Royal Scottish National Orchestra. Besonders gefällt hier die knapp 20-minütige Konzertsuite aus dem neuen Star-Wars-Film The Phantom Menace: Das präzise Spiel des Orchesters, nicht zuletzt die brillanten Bläsereinsätze (besonders packend in der Ben Hur nachgestalteten und hier musikalisch erweiterten „Flag Parade“) und der gegenüber dem Original kräftig verstärkte Chor (in „Duel of the Fates“) sind eine Wonne für die Ohren. Ähnlich gut interpretiert sind das Finale aus The Mummy und die Auszüge aus Saving Private Ryan: Auch hier klingt die Musik wegen des verstärkten Chors gegenüber den Originaleinspielungen kräftiger und leuchtender. Die Suite aus Shakespeare in Love ist wohl ein wenig zu lang geraten, aber doch ein gelungenes Kondensat der gesamten Musik.

Der größere Rest des Albums besteht aus „recyceltem Material“ aus dem Varèse-CD-Programm. So problematisch derartige Zusammenstellungen häufig sind: hier ist die Auswahl weitgehend gelungen und bietet Highlights, welche manchen Besitzer dieses Samplers durchaus zum zusätzlichen Kauf der einen oder anderen vollständigen Filmmusik-CD animieren dürfte. Diese CD präsentiert sich auch als gelungenes (nicht nur Weihnachts-)Geschenk für den Filmmusikfreund, den man nicht zuvor befragen möchte.

Titel: The Phantom Menace and other film hits
Erschienen: 1999

Laufzeit: 70:38 Minuten

Medium: Sampler
Label: Varèse Sarabande
Kennung: VSD-6086

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 26.05.2003 | von Michael Boldhaus

Joan of Arc

Joan of Arc Michael Boldhaus
Bewertung

Nicht immer ist die Wahl des „Hauskomponisten“ für ein Filmprojekt die richtige: Dies beweist Eric Serras Komposition für Luc Bessons Exkurs in Sachen Monumental-Film, Joan of Arc • Johanna von Orleans leider nur allzu deutlich. Serras kompositorischer Ansatz ist hier eine Mischung aus quasi-sinfonischen Elementen einschließlich Chor (welcher originale mittelalterliche Texte singt) in Kombination mit Geräusch-ähnlichen elektronischen Klängen. In den wenigen rein orchestralen Teilen gibt es mehrere passable Passagen, aber es fehlen gekonnte Satztechnik und eine ausgefeilte sinfonische Entwicklung: Insgesamt ist der Eindruck bei eingehenderem Hören daher recht schwach. Durch zum Teil bizarr pulsierende „electronic sounds“ fühlt man sich eher in einem Science-Fiction-Film wie Das Fünfte Element, als in der mittelalterlichen Sage um die Lothringische Jungfrau. Die Teile, in denen der Chor stärker hervortritt, sind von Serra arrangierte zeitgenössische Originale: Die Arrangements lehnen sich deutlich an Orffs „Carmina Burana“ an. Auch das „Wunder von New Orleans“ findet musikalisch einfach nicht statt. Im finalen Song der CD „My Heart Calling“, interpretiert von der israelischen Sängerin Noa, die auch Musik und Text zusammen mit Serra schrieb, wird das Ganze dann endgültig zum musikalischen Desaster. Vermutlich hat Serra versucht, der Geschichte um die legendäre mittelalterliche Jungfrau den Touch der 90er zu geben – doch Welt-Beat und Techno-Einfluss passen hier einfach nicht zur Story! Fazit: Schade, dem sicher nicht uninteressanten, in vielem „klassisch“ angehauchten Film – auch das Covermotiv der CD zeigt diesen Einfluss – hätte die musikalische Hand eines Sinfonikers von Format, z. B. eines Philippe Sarde oder Jean-Claude Petit, erheblich besser getan.

Achtung! Joan of Arc wurde neu bewertet (von 1 auf 2 Sterne), siehe hierzu die Anmerkung am Ende des Artikels.

Titel: Joan of Arc
Erschienen: 1999

Laufzeit: 64:14 Minuten

Medium: CD
Label: Sony
Kennung: SK 66537

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 26.05.2003 | von Michael Boldhaus

James Bond: Back in Action

James Bond: Back in Action Michael Boldhaus
Bewertung

Nic Raines neueste klingende Tat in Sachen John Barry ist der Silva-Sampler „James Bond: In Action Again“. Hier wird eine neue Zusammenstellung von Themen und Suiten aus den ersten sieben James-Bond-Filmen präsentiert: von Dr. No (komponiert von Monty Norman) bis Diamonds Are Forever. Nicht nur die geschickte Mischung aus bislang unveröffentlichten Stücken und bekannten Themen aus den jeweiligen Filmmusiken überzeugt, hier sind die Neueinspielungen erstmalig durchweg gelungen. Dies liegt zum einen sicher an Nic Raines ausgeklügelten musikalischen Rekonstruktionsarbeiten in Sachen Orchestermaterialien, zum anderen am akkuraten Spiel der Prager Philharmoniker. Besagtes Gespann hat sich ja auch zwischenzeitlich zu echten Barry-Spezialisten in den neueren Silva-Veröffentlichungen wie dem Zulu-Sampler und Raise The Titanic gemausert. Ein wenig hat sicher auch der Biss der frühen Barry-Bond-Musiken der Sechziger – und auch noch der siebziger Jahre – an der sehr guten Wirkung dieses Samplers seinen Anteil. Im Gegensatz zum soften Spätstil präsentiert sich Barry hier in Bestform: Er verschmolz raffiniert inspirierte Melodik sowie Jazz- und Pop-Elemente innerhalb eines quasi-sinfonischen Stils zum typischen, unverwechselbaren Barry-Bond-Sound dieser Ära. Jeder der frühen Barry-Bond-Kompositionen hatte einen sehr guten Titelsong, dessen Thema im Verlauf der Filmmusik gekonnt zitiert und variiert wurde. Nicht nur das pfiffige James-Bond-Thema von Monty Norman aus Dr. No (hier originellerweise interpretiert von Vic Flick, dem Gitarristen der 62er Originaleinspielung), auch die Action- und Spannungsmusiken aus dieser Zeit sind gelungen und sogar, vom Film gelöst, überaus unterhaltsam; auch pfiffige Mickey-Mousing-Effekte werden nicht ausgespart. Als Würze gibt’s dann gelegentlich raffinierte exotische Klänge z. B. in From Russia with Love („The Gypsy Camp“) oder „The Wedding“ aus You Only Live Twice. Insgesamt also eine sehr empfehlenswerte Neuerscheinung, dazu mit knapp 75 Minuten auch sehr gut bestückt. Bleibt nur zu hoffen, dass in ähnlicher Aufmachung noch ein weiterer Sampler eingespielt wird, der neben zusätzlichem Material aus den hier vertretenen Filmen längere Suiten aus Man with the Golden Gun und Moonraker enthält.

Titel: James Bond: Back in Action
Erschienen: 1999

Laufzeit: 74:12 Minuten

Medium: Sampler
Label: Silva Screen
Kennung: FILMCD 317

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 26.05.2003 | von Michael Boldhaus

End of Days

End of Days Michael Boldhaus
Bewertung

Für den neuen Arnold-Schwarzenegger-Blockbuster End of Days • Nacht ohne Morgen schrieb John Debney eine groß angelegte Musik – oder besser: „Klang-Collage“ aus verschiedensten Stilrichtungen und Klängen. Neben konventionellen Orchesterklängen kommen ungewöhnliche Instrumente wie z. B. tibetische Langhörner zum Einsatz, und der neben der Knabenstimme überwiegend vertretene, groß besetzte, gemischte Chor singt in Latein und auch in Sanskrit. Die fertige Klang-Collage entstand nachträglich im Studio durch Kombinieren und Zusammenmischen der einzelnen Elemente mit elektronischen Klängen und Rhythmen. Herausgekommen ist dabei eine zum Teil rasante und meistens laute Mischung, die teilweise an Das Omen, Matrix, Blade Runner und speziell in den metallischen Rhythmen an Brad Fiedels Musik zu den Terminator-Filmen erinnert, aber auch die charakteristischen Klangstrukturen eines Elliot Goldenthal (Alien 3, Interview with the Vampire, Michael Collins) sind deutlich spürbar. Nach dem recht ruhigen „Main Title“, übrigens ein gelungener Vorzeige-Track, geht es fast durchgehend „in die Vollen“; in Track 14 gibt’s sogar ein wenig elektronisch erzeugtes Mickey-Mousing – offenbar zur Illustration einer Dampfeisenbahn. Fazit: Im Film dürfte Debneys nicht unintelligent gemachte Kreation durchaus funktional sein, und Freunden lauter Horror-Scores wird sie gefallen.

Titel: End of Days
Erschienen: 1999

Laufzeit: 40:39 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse Sarabande
Kennung: VSD-6099

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 26.05.2003 | von Michael Boldhaus

The Sixth Sense

The Sixth Sense Michael Boldhaus
Bewertung

In deutlich anderem Fahrwasser bewegt sich James Newton Howards Musikbeitrag zu The Sixth Sense. Im Gegensatz zum fulminanten Schwarzenegger-Action-Score erstellte der Komponist hier eine sehr einfühlsame, überwiegend ruhige und atmosphärisch dichte Komposition zur unheimlichen Geschichte des Jungen, der Begegnungen mit Hilfe suchenden Geistern Verstorbener hat. James Newton Howard nutzt in seiner Komposition erfreulicherweise weitgehend die reiche Klangpalette des konventionellen sinfonischen Apparates; Elektronisches wird nur dezent eingesetzt. Auch die Chorarrangements sind geschickt eingewoben. Das schlichte, schöne sakrale Hauptthema aus Track Nr. 2 „De Profundis“ wird in Track 11, „Malcolm is Dead“ besonders wirkungsvoll dargeboten. Die – wenn man anhand der CD urteilt – weitgehend dezenten Horrorelemente der Story werden musikalisch (verglichen mit End of Days) recht zurückhaltend inszeniert. Auch wenn die Musik zu The Sixth Sense keine große sinfonische Entwicklung zu bieten hat, leistet sie einen hörbar guten Beitrag zur Atmosphäre des Filmes: Eine gute CD und trotz ihrer Kürze empfehlenswert.

Titel: The Sixth Sense
Erschienen: 1999

Laufzeit: 30:19 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse Sarabande
Kennung: VSD-6061

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 26.05.2003 | von Michael Boldhaus

For Love of the Game

For Love of the Game Michael Boldhaus
Bewertung

Abseits aller Horror- oder Actionmovie-Scores ist die Musik von Basil Poledouris zu For Love Of The Game • Aus Liebe zum Spiel angesiedelt. Der im Baseballmilieu spielende Film – Starttermin Mai 2000 – dürfte in Deutschland auf wenig Interesse stoßen. Von der Musik war bislang nur ein Bootleg mit ca. 15 Minuten Musik erhältlich, allerdings zu horrenden Preisen: Die vorliegende Varèse-CD bietet jetzt immerhin knapp 34 Minuten musikalisches Material zu akzeptablem Preis. Der Score zu For Love Of The Game ist ein insgesamt leichtgewichtiger Beitrag für kleineres Orchester mit Country-, Pop- und dezenten Blues-Elementen, eher vergleichbar mit John Williams‘ Musik zu The River denn Goldsmiths Rudy – ebenfalls eine Komposition zu einem im selben Milieu angesiedelten Film. Überwiegend getragen von sanften, leicht poppigen Klavier- und Gitarrensoli mit kleinerem Ensemble – nur in zwei Tracks und im etwas pompösen Finale geht es quasi-sinfonisch romantisch zu. Als Beitrag des „easy listening“ ist die Komposition durchaus nett, wenn auch ohne besondere Bedeutung. Für Fans von Poledouris‘ Musik ist sie sicher interessant und dazu auch für manchen Sammler, der Filmmusik gern „nebenbei“ hört.

Anmerkung zur Neubewertung von Joan of Arc:

Nachdem ich den Film gesehen habe, sehe ich Luc Bessons Arbeit doch in einem günstigeren Licht und muss mich korrigieren. Unabhängig vom Film bleibt der Höreindruck, wie geschildert, zwiespältig, wobei allerdings speziell die von mir monierten „bizarr pulsierenden Electronic-Sounds“ durch die in Teilen sehr avantgardistisch inszenierten Filmbilder des Regisseurs motiviert sind. Bessons Film ist eben nur zum Teil „klassisch angehaucht“ und überwiegend ein ungewöhnlich und nichtlinear inszenierter Film geworden. Das Resultat ist deswegen nicht uninteressant, aber speziell beim ersten Sehen ein schwer verdaulicher Brocken. Beim Beurteilen der Musik wäre es also unfair, allein dem Komponisten die Schuld zu geben. Eric Serra hat es sich mit der Vertonung des Films sicher nicht einfach gemacht. Für eine Reihe von Szenen, denke ich, wäre eine weitgehend klassisch-sinfonische Lösung kaum vorstellbar. Insofern ist seine Komposition zwar sicher nicht eine „starke“ Filmmusik – die übrigen Einwände bleiben bestehen -, ist aber eine Tonschöpfung, bei der ich die insgesamt ungerechtfertigte Bezeichnung „Desaster“ nicht stehen lassen möchte. Mit zwei Punkten wird die Komposition damit in den Bereich des „Jeder höre und wähle selbst“ erhoben.

Titel: For Love of the Game
Erschienen: 1999

Laufzeit: 33:30 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse Sarabande
Kennung: VSD-6092

Komponist(en):

Schlagworte:


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