CD

Veröffentlicht am 06.05.2002 | von Michael Boldhaus

Iris

Iris Michael Boldhaus
Bewertung

In Iris von Regisseur Richard Eyre geht es um die Schriftstellerin und Philosophin Iris Murdoch, die im Alter ein bitteres Schicksal ertragen musste: Sie erkrankte an Alzheimer. Anhand der Tagebuchaufzeichnungen des Ehemannes John Bayley erzählt der Film Episoden aus dem Leben der jungen Frau und schildert parallel dazu den langsamen und unaufhaltsamen geistigen Verfall der zu großem Ruhm gekommenen alten Dame. Murdoch und Bayley im Alter verkörpern Judi Dench (Shakespeare in Love) bzw. Jim Broadbent (Moulin Rouge), das junge Paar spielen Titanic-Jungstar Kate Winslet bzw. Hugh Bonneville (Notting Hill). Der Film wird in den deutschen Kinos am 16. Mai 2002 starten, die Sony-CD ist ab dem 6. Mai im Handel erhältlich.

James Horner hat zur bedrückend-tragischen Geschichte der Iris Murdoch eine romantisch-melancholische, introvertierte und sehr sinnliche Musikuntermalung beigesteuert. Die Komposition ist zwar weder ungewöhnlich noch sonst wie neuartig, aber trotzdem mehr als ein reines, ausgefranstes Déjà-vu. Zwar gibt es auch dieses Mal klare stilistische Vorbilder, die bei den britischen Romantikern zu finden sind. In erster Linie wohl [url=rezension.htm?rid=1963]Ralph Vaughan Williams[/url] und ganz besonders seine herrliche pastorale Tondichtung „The Lark Ascending“, aber auch das lyrische Violinkonzert von Frederick Delius kommt einem in den Sinn.

Von plattem Plagiieren zu schreiben, wäre allerdings unfair; mit dem Begriff Stilmodell wird man der Iris-Musik eher gerecht. James Horner arbeitet weitgehend mit einem konventionellen Orchester, kommt ohne stark besetztes schweres Blech aus. Überwiegend kommen Streicher und Holzbläser zum Einsatz. Dazu gibt es sporadische Soli von Horn und Klavier und nur gelegentlich wird (sehr dezent) auch Elektronik verwendet. Tragendes Element der sanft schillernden, impressionistisch getönten Klangfarben des Scores sind die häufig eingewobenen Violin-Soli (überaus klangschön interpretiert von Joshua Bell) — ohne dabei der Kitschgrenze zu nahe zu kommen.

Besonders markant ist das Final-Stück: Es handelt sich um eine Art keltisch-englische Ballade mit eingearbeiteten Violin-Soli, die merklich an die Lieder in [url id=1384]Far from the Madding Crowd[/url] von Richard Rodney Bennett erinnert. Ein sehr gefühlvoller und auch nostalgisch anmutender, warmer und lyrischer Abschluss einer insgesamt sehr schönen, in manchem sogar berührenden Filmmusik.

Insgesamt ist Iris eine CD mit beträchtlichen Hörqualitäten und vor allem die überzeugendste Horner-Komposition seit langem. Eine sehr eingängige, träumerisch-romantische und ruhige Filmmusik, welche die bekannten (Hör-)Pfade zwar nicht verlässt, diese aber — im Vergleich mit den inzwischen schnell etwas abgedroschen und langweilig anmutenden Arbeiten (wie zu [url id=1572]A Beautiful Mind[/url] oder [url id=1431]Enemy at the Gates[/url]) — mit Abwechslung und damit neuem Eigenleben erfüllt. Iris ist daher nicht ausschließlich etwas für eingefleischte Fans des Komponisten, sondern vielmehr ein gut fließendes Hör-Album, das eine klare Empfehlung verdient.

Titel: Iris
Erschienen: 2002

Laufzeit: 49:58 Minuten

Medium: CD
Label: Sony Classical
Kennung: SK 89806

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