DVD

Veröffentlicht am 09.12.2002 | von Michael Boldhaus

Die Schöne und das Biest

Die Schöne und das Biest Michael Boldhaus
Film
Bild
Ton
Extras

Seit dem 28. Oktober gibt es Disneys Die Schöne und das Biest (1991) auf DVD zu kaufen. Der 30. abendfüllende Zeichentrickfilm aus den Walt Disney Studios markiert nach den – mitunter zwar mit amüsanten und gaghaften (Tier-)Charakteren bevölkerten, zeichentricktechnisch aber eher blassen – Produktionen der 60er bis späten 80er Jahre einen ersten neuen Höhepunkt der Zeichentrickproduktion. Seit Mitte der 80er Jahre hat die Computertechnik Einzug in die Zeichentrickabteilungen gehalten. In Basil der Mäusedetektiv (1986) wurde mit Hilfe von Kollege Computer der Showdown im Zahnräderwerk von Big Ben getrickst, und in Falsches Spiel um Roger Rabbit (1988) veredelte er Figuren und Ausstattung, war z. B. für die Glitzer- und Schatteneffekte in Jessicas Kleid verantwortlich.

Im Kontext von Symbiose aus Zeichnung und computerunterstützten Effekten ist Die Schöne und das Biest nicht allein tricktechnisch sehr überzeugend. Durch seine besonders ausgeprägte Annäherung an die klassischen Meisterwerke des Studios ist der Film zudem ganz besonders charmant und bildgewaltig geraten. Der Prolog ist Dornröschen (1959) nachgestaltet, die durch den großen Saal tanzenden Besen rufen Micky als Zauberlehrling in Fantasia (1940) in Erinnerung und verschiedene Naturstimmungen spiegeln den Naturalismus von Bambi (1942) wider. Im Zusammenwirken mit den hier überaus sorgfältig und detailverliebt ausgemalten Hintergründen ist es der bislang überzeugendste moderne Vertreter dieser Filmgattung aus dem Hause Disney. Die Kulissen sind Gemälden von Fragonard und französischen Schlössern im Loire-Tal nachempfunden.

Das Grundkonzept der bekannten Geschichte ist in unzähligen Märchenmythen fast sämtlicher Kulturkreise anzutreffen. Mit Disney-typischer Leichtigkeit wurde die Fassung der französischen Romantikerin Madame Le Prince de Beaumont „La Belle et la Bête“ im Rahmen eines Musicals neu erzählt. Im dem Film zugrunde liegenden Skript ist die Handlung durch zusätzliche Figuren (hier „belebte Gegenstände“, wie eine Standuhr „von Unruh“ etc.) ergänzt und zugleich mit ironischen Elementen angereichert – wobei diese Figuren überzeugend aus der ebenfalls „verwunschenen“ Dienerschaft des Schlosses rekrutiert worden sind.

Der alte Märchenstoff ist damit jedoch nicht allein gelungen aufgepeppt, sondern in Teilen ebenso überzeugend psychologisiert worden. Die klassischen Vorgängerinnen der weiblichen Hauptfigur der Geschichte um Die Schöne und das Biest, Belle, Schneewittchen und Cinderella, wirken heutzutage schnell etwas unzeitgemäß stilisiert und damit ein wenig blutleer. Belle hingegen agiert (behutsam) emanzipiert, hat mehr Profil bekommen. Der Belle umwerbende attraktive Schönling Gaston, ein sportlicher und bodygestylter Macho wirkt ein wenig wie eine witzig-ironische Spiegelung des amerikanischen Traumtyps. Sein schurkisches Wesen ist (Disney-untypisch) nicht von Anfang an präsent, sondern tritt erst im Verlauf der Handlung klar hervor.

Die Annäherung der Protagonisten ist von der inzwischen übertriebenen, schnell zum Kitsch tendierenden Romantik der Vorlage entschlackt. Die Handlung wirkt vielmehr lebendig und ist von spritzigen Dialogen eingefasst: So z. B. die Überraschung und Rührung des Biestes, als sich die vor den Wölfen errettete Belle, beim Versorgen der Biss- und Kratzwunden der etwas wehleidigen Bestie, inmitten eines Streitgesprächs plötzlich für ihre Rettung bedankt. Insgesamt werden die romantischen Elemente etwas zurückgenommen, aber zugleich geschickt pointiert und humorvoll aufgepeppt. Das Biest erinnert im Habitus ein wenig an eine verwilderte Version des Zwergs Brummbär aus Schneewittchen, ist zum einen bedrohliches, aggressives Monster und zum anderen vor dem ersten Rendezvous zugleich von Schüchternheit und Nervosität geplagt. Die tiefe Romantik der krönenden Walzerszene wirkt somit geradezu erlösend und läuft damit nicht Gefahr, als kitschig empfunden zu werden.

Zur sympathisch erzählten Geschichte kommt noch die zeichentricktechnische Perfektion hinzu. Seit Pinocchio und Fantasia wirkte kein Zeichentrickfilm vergleichbar räumlich. Dank der Computertricks sind heutzutage Kamerazooms und -fahrten möglich, die in Ihrer Komplexität sogar über das im Realfilm Mögliche hinausgehen. In Die Schöne und das Biest wirken Hintergründe fast immer überzeugend räumlich. So beeindruckt das verzauberte Schloss nicht allein durch die surrealen Perspektiven, es besitzt überzeugend Tiefe und Größe. Während der Walzerszene fährt die Kamera (scheinbar) durch den großen Saal, wirken der große vielarmige Kronleuchter sowie Säulen und Gegenstände überaus faszinierend plastisch. Gerade bei den Kamerafahrten und -zooms gibt es Momente von geradezu verblüffender Plastizität, die selbst mit der bereits in den 30er Jahren ausgeklügelten Multiplantechnik (siehe auch das Fantasia-Special) nicht machbar wären.

Die Liedeinlagen (mit Texten von Howard Ashman) sind durchweg gelungen und gehen dank ihres Charmes gut ins Ohr, verschmelzen mit der Hintergrundmusik von Alan Menken zu einem überzeugenden Ganzen, das dem Film zusätzlichen Reiz verleiht.

Disneys Die Schöne und das Biest ist eine klare Hommage an die (handvoll) wahrer Meisterwerke des Studios, die fast ausnahmslos in den späten 30er und 40er Jahren zu finden sind. Ein Film, der, wie lange nicht mehr, Augen und Ohren zu bezaubern vermag.

Der Film auf DVD

Disneys Special Edition von Die Schöne und das Biest bietet den Film mit einer zusätzlichen Szene, die um einen weiteren Song (der Broadway-Musical-Version) von Alan Menken, „Mensch wieder sein“ gestaltet worden ist. Der Film wird in erstklassiger Qualität präsentiert, das Bild ist tadellos und auch die Tonkulisse überzeugt, hat allerdings an stereofonischen Surround-Effekten nichts zu bieten.

Neben der einfachen Special Edition ist auch eine Deluxe-Version auf zwei DVDs mit erheblich erweitertem Zusatzmaterial erhältlich. Mir lag leider nur die Einzel-DVD-Version vor, deren eher sparsame Beigaben sind: (als Bestes) ein recht gut gemachtes rund 10-minütiges Making of, das bei eingeblendeter Micky Maus zusätzlich abrufbare, ergänzende Informationen (speziell für Kinder aufbereitet) bereithält. Neben zwei ordentlichen Spielen für die Kids gibt’s noch den erfolgreichen Titelsong in zwei unterschiedlichen Versionen: die Pop-Variante mit Celine Dion und Peabo Bryson sowie die Disco-Version mit „Jump 5“. Beim Segment „Die Geschichte der Disney-Meisterwerke“ handelt es sich um reine Promotion für diverse Disney-Zeichentrickfilme. Durch das bei Disney häufig anzutreffende, pauschal und penetrant-nervige Meisterwerkgehabe ist es letztlich nur lächerlicher, ja peinlicher Werberummel!

Titel: Die Schöne und das Biest
Erschienen: 2002

Zusatzinformationen: USA 1991

Medium: DVD
Verleih: Disney DVD
Kennung: 101325

Regisseur(e):

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DVD

Veröffentlicht am 09.12.2002 | von Michael Boldhaus

Die Schöne und das Biest – Weihnachtszauber

Die Schöne und das Biest – Weihnachtszauber Michael Boldhaus
Film
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Extras

1997 produzierte die TV-Division der Disney Studios einen (streng genommen) anachronistisch wirkenden Aufguss der bereits abgeschlossenen Geschichte. Wen es aber nicht stört, dass er eine Variante der ersten Geschichte präsentiert bekommt und eben nicht eine „echte“ Fortsetzung, der wird angenehm unterhalten. Die neue Geschichte um ein großes Weihnachtsfest im Schloss der Bestie, das eine bösartige Orgel mit Namen Forte verhindern will, ist sehr ansprechend umgesetzt. Gegenüber Die Schöne und das Biest erreicht die TV-Produktion aber „nur“ gehobenen B-Standard. Recht originell und dazu besonders überzeugend plastisch wirkt hier das zweite (wahre) Biest der Geschichte, die große Orgel Forte. Und wenn deren machtvolle Klänge zu grün illuminierten Noten werden, die sich durch den Raum bewegen, ist auch hier ein Hauch von Fantasia spürbar. Bei der Bildqualität gibt es nichts zu beanstanden und der Ton ist ebenfalls okay.

Als Bonusmaterial gibt es auch hier ein informatives kindgerecht gestaltetes rund 11-minütiges Making of, das bei eingeblendeter Micky Maus zusätzlich abrufbare, ergänzende Informationen bereithält; ein Musikvideo des zentralen Songs „As long as there’s Christmas“, einen musikalisch unterlegten „Bildschirmschoner“ (mit Kaminfeuer) und ein Menü, in dem sämtliche Film-Songs separat angewählt werden können.

Titel: Die Schöne und das Biest – Weihnachtszauber
Erschienen: 2002

Zusatzinformationen: USA 1997

Medium: DVD
Verleih: Disney DVD
Kennung: 107096

Regisseur(e):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 09.12.2002 | von Michael Boldhaus

Die Schöne und das Biest (Broadway Cast)

Wer der Filmmusik von Alan Menken die Musical-Fassung gegenüberstellen möchte, erhält hier dazu Gelegenheit. Die (zurzeit) im Warner-Vertrieb erhältliche CD bietet das Musical in der erfolgreichen Broadway-Version, von den betreffenden Künstlern interpretiert. Zur Filmversion ergeben sich schon einige Unterschiede. Das Musical ist gegenüber der Filmfassung naturgemäß musikalisch erweitert und in Teilen auch merklich anders instrumentiert und arrangiert. Natürlich sind die bekannten Film-Songs ebenfalls vertreten, was auch für das für die neue Video- und IMAX-Filmfassung nachträglich integrierte Lied „Human again – Mensch wieder sein“ gilt.

Titel: Die Schöne und das Biest (Broadway Cast)
Erschienen: 1994

Laufzeit: 72:25 Minuten

Medium: Sampler
Label: Disney/wea
Kennung: 0927-43747-2

Komponist(en):

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DVD

Veröffentlicht am 09.12.2002 | von Michael Boldhaus

Der Nussknacker – Peter I. Tschaikowsky

Der Nussknacker – Peter I. Tschaikowsky Michael Boldhaus
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Ton
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Der Nussknacker (Ballett)

Peter Tschaikowskys Ballett „Der Nussknacker“ ist nach „Schwanensee“ und „Dornröschen“, die dritte und letzte Ballettmusik des Komponisten und wurde 1892 uraufgeführt. Die ausgekoppelte berühmte „Nussknacker-Suite“ Opus 71a dürfte vielen geläufiger sein, aber gerade die vollständige Ballettmusik ist in jedem Fall eine Entdeckung wert.

Tschaikowskys Musik ist die erste Komposition, welche die damals neue Celesta verwendet, deren glitzernde Läufe an die Klänge kleiner Glocken erinnern. Die Art und Weise wie Tschaikowsky insbesondere den ersten Akt seines am Weihnachtsabend spielenden Nussknacker-Balletts gestaltet hat und auch wie er dabei die Celesta einsetzt, ist klangliches Vorbild für Feen-Atmosphäre und Weihnachtsstimmung geworden – z. B. in Filmen wie Home Alone und Harry Potter. Besagte Nussknacker-Suite enthält überwiegend Musik aus dem handlungsarmen, primär als eine Abfolge von Charaktertänzen konzipierten zweiten Akt. Die Haupthandlung entfällt auf den ersten Akt und entsprechend hat der Komponist hier besonders „auf das Bild“ komponiert.

Was liegt also näher, sich dem Ballett über eine DVD-Produktion und damit als Kombination aus Bild und Ton zu nähern. Die vorliegende von Naxos Deutschland vertriebene DVD präsentiert eine BBC-Produktion aus dem Jahr 1996: Die Ausführenden sind das Royal Ballet Covent Garden und das Orchester des Royal Opera House unter der Leitung von Ewgeni Swetlanow. Der Zuschauer erlebt eine üppig ausgestattete, dezent modernisierte, aber eindeutig klassisch orientierte Aufführung ohne Regiefaxen. Dank der sehr guten Bildqualität erstrahlen Kostüme und Kulissen in prächtigen Farben. So wird nicht allein die spektakuläre Weihnachtsbaum-Szene, in der sich das bürgerlich-großzügige Weihnachtszimmer in eine Feen- und Märchenwelt verwandelt, zu einem visuellen Höhepunkt. Ebenso der den ersten Akt beschließende weihnachtliche „Schneeflocken-Walzer“ wird zu einer beeindruckend gestalteten Sinfonie aus vor nächtlichem Blau choreographierten weiß gekleideten Tänzerinnen und langsam herabfallendem glitzernden Kunstschnee.

Auch die herrliche Musik kommt sehr gut klingend und auch adäquat interpretiert herüber. Die gewählten Tempi sind allerdings teilweise etwas behäbig, aber das ist in erster Linie Geschmackssache.

Im Zusatzmaterial gibt es einige Einblicke „Hinter die Kulissen“ der Inszenierung und außerdem können die beiden beschriebenen Höhepunkte des ersten Aktes separat – aus feststehender Kameraperspektive – betrachtet werden.

Titel: Der Nussknacker – Peter I. Tschaikowsky
Erschienen: 2000


Medium: DVD
Verleih: Opus Arte DVD
Kennung: OA 0827 D

Schlagworte:


Klassik

Veröffentlicht am 09.12.2002 | von Michael Boldhaus

A Carol Symphony

Die vom Titel schon weihnachtlich stimmende „A Carol Symphony“ von Victor Hely-Hutchinson (1901-47) ist titelgebend für eine sehr ansprechende Kompilation auf Weihnachtsliedern basierender Orchesterstücke des 20. Jahrhunderts. Hierbei handelt es sich nicht um die üblichen Potpourris gewohnter Machart, sondern um gehaltvollere, aber trotzdem eingängige Kompositionen, bei denen die überwiegend bekannten Liedthemen nicht bloß zitiert, sondern auch geschickt sinfonisch verarbeitet werden. Das Gebotene steht damit in bester British-Light-Music-Tradition.

Besagte „A Carol Symphony“ ist ein traditionelles, viersätziges Werk von rund 25 Minuten Spieldauer. Jeder Satz gründet sich dabei auf mindestens ein weihnachtliches Volkslied. Die „Improvisations on Christmas Carols“ von Bryan Kelly machen der Bezeichnung Improvisation einige Ehre. Von Philip Lane (geboren 1950) stammen die farbig instrumentierten „Wassail Dances“. Deren Themen sind den Wassails (einer englischen Abart des Sternensingens zur Weihnachtszeit) entlehnt und werden – innerhalb eines gesetzten Rahmens – rhythmisch und harmonisch gewitzt ausgereizt. Von Lane stammt auch eine Version von Peter Warlocks hierzulande weniger geläufigem Lied „Bethlehem Down“ für Streichorchester. Das Album beschließt „A Christmas Carol Symphony“ von Patric Stanford (geboren 1939). Das am Weihnachtsabend 1979 uraufgeführte beschwingte Werk ist in Form und Struktur einer Sinfonie des 18. Jahrhunderts angenähert, ohne dabei altbacken geraten zu sein.

Das hier unter dem Dirigenten Gavin Sutherland ausführende City of Prague Philharmonic Orchestra ist vielen Lesern von diversen Silva-Filmmusikalben geläufig. Die im Mai 2002 entstandenen Aufnahmen standen unter hörbar gutem Stern, sind durchweg sauber und spielfreudig geraten und auch die Aufnahmetechnik enttäuscht nicht. Somit eine willkommene und dazu sehr preiswerte Naxos-CD, deren Programm die Palette der musikalischen Untermalung zur Weihnachtszeit um einen hübschen und sehr unterhaltsamen Klangtupfer bereichert.

Titel: A Carol Symphony
Erschienen: 2002

Zusatzinformationen: City of Prague PO, Gavin Sutherland
Laufzeit: 68:23 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Naxos
Kennung: 8.557099

Komponist(en):

Schlagworte:


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