CD

Veröffentlicht am 29.07.2002 | von Michael Boldhaus

The Mummy

The Mummy Michael Boldhaus
Bewertung

The Mummy/100 Rifles

Wofür braucht die Mumie 100 Gewehre? Nun, mehr zufällig ist kürzlich neben der Musik zum aktuellen Kinofilm Die Mumie auch die bislang unveröffentlichte Komposition für den 1968er Film 100 Gewehre auf CD erschienen. 100 Gewehre ist zweifellos eine besonders hörenswerte Ausgrabung. Dem von diesem Titel ein paar Jahre zuvor angebotenen, qualitativ äußerst mangelhaften Bootleg braucht also keiner der damals leer ausgegangenen Sammler länger nachzutrauern. Die 100 Gewehre-CD ist eine exzellent produzierte, mit fast 79 Minuten Spieldauer randvoll bestückte Spezialedition des rührigen Lukas Kendall, Herausgeber der renommierten Zeitschrift „Film Score Monthly“ in Los Angeles/U.S.A., Die Mumie erschien bei Polygram-Decca.

Beide Filme sind Unterhaltung pur. Der 1968er 100 Gewehre ein passabler Spätwestern, ein wenig Vorläufer von Peckinpahs The Wild Bunch, mit einem machthungrigen mexikanischen General, militärischen Beratern des deutschen Kaisers sowie einer kleinen Gruppe von Outlaws, die den Kampf gegen den Rest aufnimmt. Die Mumie (1999, Regie: Stephen Sommers) ist weniger ein seriöses Remake des Horrorklassikers, denn eine augenzwinkernde, tricktechnisch brillante Tour-de-Force durch 60 Jahre Kinogeschichte. Als wichtigste Zitate und ihre Ursprünge seien hier folgende genannt: es stammt die Attacke der Derwische aus Die vier Federn von 1938, das monumentale antike Ägypten des Prologs aus Die 10 Gebote von 1956, das Verschließen der Schatzkammer aus Land der Pharaonen von 1954, der Kampf mit den Skeletten aus Jason und die Argonauten von 1960, der Schlussgag mit dem goldbepackten Kamel aus Mackenna’s Gold von 1969, das Draufgängerische, Slapstickhafte aus Raiders of the Lost Ark von 1981 und der Kometenregen der apokalyptischen Prophezeiung aus Armageddon.

Titel: The Mummy
Erschienen: 1999

Laufzeit: 57:35 Minuten

Medium: CD
Label: Decca
Kennung: 466-458-2

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 29.07.2002 | von Michael Boldhaus

100 Rifles

100 Rifles Michael Boldhaus
Bewertung

Als Jerry Goldsmith die Musik zu 100 Gewehre komponierte, war er bei Filmmusik-Sammlern noch wenig bekannt, seine Musik auf Tonträger, im Gegensatz zu heute, nur in Ausnahmefällen vertreten. Gerade in dieser Periode waren seine Kompositionen aber in besonderem Maße durch von der Avantgarde beeinflusste, experimentelle Klänge geprägt, ohne grundsätzlich auf die „schöne Melodie“ zu verzichten. Goldsmith kombiniert hier, wie in den meisten seiner Kompositionen dieser Ära, kraftvolle Melodik mit raffinierter Rhytmik, dazu gelegentlich kreischende Einwürfe des Blechs, bei überwiegend kammermusikalischem Einsatz des Orchesterapparates. Motorische Ostinati verweisen auf Einflüsse des Modern Jazz und auf Vorbilder wie Strawinsky und Bartók. Auffällig sind die ungewöhnliche Behandlung der Bläser sowie das raffiniert eingesetzte, teilweise exotische Schlagwerk. Es gelingt dem Komponisten, aus Melodie und Atonalität eine insgesamt geschlossene Komposition zu schaffen, die eben nicht, wie so oft gehört, stilistisch auseinander fällt. Die hier in Ansätzen spürbaren, Geräusch-ähnlichen Klangstrukturen, verweisen auf eines seiner frühen Meisterwerke, die völlig atonale Musik zu Planet der Affen. Zu welch exzellenten, dramatischen Steigerungen Goldsmith damals fähig war, belegt die Begleitmusik zu „The Hanging“. Die mit einem sehr informativen Booklet ausgestattete CD bietet die 100 Gewehre-Musik sowohl erstmalig als Stereo-Mix, als auch in der seinerzeit für den Film erstellten originalen Monoabmischung. Letztere bietet die vollständige Musik, von 3 Stücken existieren keine Mehrkanal-Master mehr, und unterscheidet sich klanglich in einigen Nuancen von der Stereofassung.

Seit Mitte der achtziger Jahre glaubt Goldsmith offenbar, auf den Einsatz elektroakustischer Technik in seinen Kompositionen grundsätzlich nicht mehr verzichten zu können. Obwohl der Synthesizer in der Mumien-Musik erfreulicherweise nur sparsam verwendet wird, empfinde ich ihn als ziemlich aufgesetzt und störend. Im übrigen zieht der Altmeister gekonnt alle Register der großen Orchesterorgel inklusive Männerchor und schwelgt nicht selten in üppigem, teilweise an John Barry erinnernden Wohlklang. Die melodische Inspiration hat noch nicht nachgelassen, doch ist besonders beim eingehenderem Hören ein etwas kapellmeisterlich routinierter Umgang mit dem Material unüberhörbar. Die vielen Actionmusiken erinnern stark an vergleichbare Passagen in King Solomon’s Mines. Ebenfalls vertreten sind Der Wind und der Löwe sowie Das Omen. Mit rund 57 Minuten Spieldauer hebt sich die CD erfreulich vom Durchschnitt der meisten Goldsmith-Veröffentlichungen der letzten Jahre, der bei nur ca. 30 Minuten Spieldauer liegt, ab.

Das Anhören beider CDs macht Spaß, sie einander gegenüber zu stellen kann, nicht nur für eingefleischte Goldsmith-Liebhaber, sehr interessant und spannend sein. Eine kraftvolle Goldsmithmusik mit Pfiff und echtem Biss gegen die zweifellos gekonnte Routine des Altmeisters. Jeder wähle oder nehme vielleicht doch lieber beides. Jerry Goldsmith feierte übrigens im Februar seinen siebzigsten Geburtstag.

Titel: 100 Rifles
Erschienen: 1999

Laufzeit: 77:11 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol 2. No. 1

Komponist(en):

Schlagworte:


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