CD

Veröffentlicht am 05.04.2001 | von Michael Boldhaus

Duell – Enemy at the Gates

Duell – Enemy at the Gates Michael Boldhaus
Bewertung

Mit seiner Partitur zu Enemy at the Gates • Duell – Enemy at the Gates hat James Horner eine Musik-Untermalung geliefert, die ähnlich zwiespältig wie der Film ist. Wie meist geht Horner auch dieses Mal nicht gerade sparsam mit Musik um. Anders als John Williams in Saving Private Ryan • Der Soldat James Ryan hat James Horner z. B. die ähnlich schockierend angelegte Anfangssequenz (in Duell) komplett und dazu arg pathetisch auskomponiert – was heutzutage etwas altmodisch und anachronistisch wirkt.

Auch sonst wird mit Heroen-Pathos nicht gespart; die vokalen Parts sind dieses Mal interessanter angelegt und heben sich vom recht banalen Kinderchor-Gesäusel in den meisten anderen Arbeiten des Komponisten wohltuend ab. Das Hauptthema steht dem aus Schindler’s List (John Williams) zumindest recht nahe. Deutlich gravierender ist jedoch die Art, wie der Komponist mit dem musikalischen Material und dem Orchester umgeht – diese kann, gelinde gesagt, nur als „wohlbekannt“ bezeichnet werden. Nicht allein die orchestralen Effekte sind wie (allzu) oft gehört, Horner leiht und zitiert (fast identisch) unzählige Male aus seinen eigenen Arbeiten (von Aliens bis Apollo 13) und natürlich auch aus denen Prokofjeffs (Alexander Newsky, Iwan der Schreckliche); bezeichnenderweise beginnt Track 11 sogar mit einem Zitat aus der Eröffnung der 11. Sinfonie „Das Jahr 1905“ von Dimitri Schostakowitsch. Über weite Strecken kommt der Score brodelnd und düster daher. Im Optimismus der Steigerung des Hauptthemas im Schluss-Track erinnert er ein wenig an den aufgesetzten Bombast mancher Finali in Werken des „Sozialistischen Realismus“.

Die Filmmusik könnte man aufgrund des teilweise schon unverfrorenen Recycelns deutlich „negativ“ bewerten. Ganz soweit möchte ich aber nun doch nicht gehen. Klar, im Vergleich zu Horners übrigen Werken schneidet der Score schlecht ab. Für sich allein betrachtet, bietet das CD-Album aber immer noch ordentliches Handwerk und besitzt auch gewisse Hörqualitäten. Es fehlt zwar (wohl stoffbedingt) ein melodisch vergleichbar starker Einfall mit Ohrwurmqualitäten wie in der Musik zu The Perfect Storm • Der Sturm: grundsätzlich „schlechter“ gearbeitet ist sie jedoch kaum, jedoch deutlich weniger originell. Die Film-Komposition zu Duell ist eben eine Art musikalische „Rundreise“ durchs Hornersche Œuvre und das seiner „geliebten Klassiker“ – bewaffnet mit Schere und Kleber. Die Tonschöpfung ist daher weder für das musikalische Gesamtwerk Horners noch für die Filmmusik als solche besonders bedeutend, was aber nicht zwangsläufig identisch mit „vollkommen wertlos“ für interessierte Hörer ist.

Wer sich also über das ausgeprägte Plagiieren nicht (mehr) aufregen kann oder möchte, der bekommt eine handwerklich immerhin solide ausgeführte und auch gut anhörbare Filmmusik geboten – bei aller spürbaren Routine. In Anbetracht der vielen berechtigten Kritikpunkte ist aber nur mit viel Rückenwind eine Einordnung „im soliden Mittelfeld“ machbar.

Lesen Sie den Kommentar zum Film von Hans Helf

Titel: Duell – Enemy at the Gates
Erschienen: 2001

Laufzeit: 76:40 Minuten

Medium: CD
Label: Sony
Kennung: SK 89522

Komponist(en):

Schlagworte:


Der Autor/Die Autoren



Schreibe einen Kommentar

Nach oben ↑

Pin It on Pinterest