Special

Veröffentlicht am 13.07.2000 | von Michael Boldhaus

Cinemusic.de meets Erich Kunzel and the Cincinnati Pops

Erich Kunzel studierte zusammen mit dem großen französischen Dirigenten Pierre Monteux, als dessen Assistent er auch fungierte. Von Max Rudolph, Music Director des damals noch Cincinnati Symphony Orchestra, erhielt er 1965 das Angebot, die Acht-Uhr-Pops-Konzerte zu übernehmen. So dirigierte Kunzel im Oktober desselben Jahres zum ersten Mal in Cincinnati. Dies wurde der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem Orchester, das seit 1977 Cincinnati Pops Orchestra heißt und dessen Chefdirigent er seitdem ist. Neben unzähligen Live-Konzerten hat Kunzel inzwischen fast 60 Alben mit eingängiger Musik aus Klassik, Folklore, Musical und erfreulicherweise auch Film, für das audiophile Telarc-Label (Vertrieb über in-akustik: www.in-akustik.com) eingespielt. Kunzel steht hier in direkter Tradition zum legendären Arthur Fiedler und dem Boston Pops Orchestra, das von 1980 bis 1993 von John Williams geleitet wurde. Fiedler, der sogar in Berlin studierte, hatte sich schon frühzeitig auf eingängigere sinfonische Musik spezialisiert und erzielte bereits Ende der zwanziger Jahre mit seinen Freiluftkonzerten am Ufer des Charles River, den „Esplanade Concerts“, große Erfolge. Kunzel hat Fiedler persönlich gekannt und in den siebziger Jahren auch regelmäßig als Gastdirigent das Boston Pops geleitet.

Die amerikanischen Pops-Konzerte, vergleichbar mit den britischen Proms (Promenadenkonzerte), haben in ihrer langen Tradition nicht zuletzt das Anliegen, die Schönheiten klassischer und allgemein sinfonischer Musik breiten Bevölkerungsschichten nahe bringen zu wollen. Überhaupt sind im angelsächsischen Raum die Grenzen zwischen der sogenannten U- und E-Musik traditionell fließender als hierzulande. Im Rahmen dieser Konzerte werden zwar zwangsläufig eher eingängige als sperrige Stücke aufgeführt, aber beileibe nicht nur Banales, sondern auch durchaus Anspruchsvolles gespielt. Man scheut sich nicht, ein Volkslied-Arrangement z. B. mit Wagners „Lohengrin“-Vorspiel oder einem Stück von Beethoven zu kombinieren. Auch der berühmte Dirigent Leopold Stokowski hat sich auf diesem Feld betätigt und z. B. aus Wagners komplexer letzten Oper „Parsifal“ Auszüge in Form einer orchestralen Synthese erstellt, die zu diesem Zweck sogar im Rundfunk uraufgeführt wurde. Auch sein Engagement für Disneys Fantasia-Projekt (1940) war letztendlich auch ein neuartiger, ungewöhnlicher Schritt in die gleiche Richtung. Mit mangelndem Respekt darf man diesen lockeren Umgang mit dem weiten Feld der so genannten Klassik nicht verwechseln. Dass in einigen Arrangements und Zusammenstellungen gelegentlich auch die Grenze zum Kitsch überschritten wird, bleibt verzeihlich, denn das grundsätzlich Positive des Konzepts wird dadurch nicht in Frage gestellt. Freude am Musizieren und dem hierzulande lange Zeit als „eher vordergründige Malerei denn Ausdruck des Empfindens“ verpönten orchestralen Effekt gehen in der Regel mit einem hohen Maß an Spielkultur und technischer Perfektion einher.


Klassik

Veröffentlicht am 13.07.2000 | von Michael Boldhaus

Beethoven: Wellingtons Sieg etc.

Ich bin zum ersten Mal Anfang der achtziger Jahre mit Erich Kunzel und dem Telarc-Label in Berührung gekommen. Die auch heute noch reizvollen Einspielungen von Beethovens Schlachtmusik „Wellingtons Sieg“ und Tschaikowskys unverwüstliche „Ouvertüre 1812“ waren und sind willkommene Demonstrationsobjekte für den HiFi-Freund und Klangfreak. Die aufnahmetechnisch überaus effektvoll eingefangenen vorzüglichen Darbietungen der Musik (auch der Zugabestücke) sowie die echten Musketenschüsse in „Wellingtons Sieg“ und die krachenden Kanonen im Finale der „Ouvertüre 1812“ haben bis heute ihren Reiz nicht verloren. Das Einzige, was an dieser Präsentation der beiden Repertoire-Klassiker inzwischen ein wenig stört, ist, dass die Titel nach wie vor im kurzen alten Plattenschnitt vertrieben werden.

Titel: Beethoven: Wellingtons Sieg etc.
Erschienen: 1983

Zusatzinformationen: Cincinnati Pops, E. Kunzel
Laufzeit: 36:26 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Telarc
Kennung: CD-80079

Komponist(en):

Schlagworte:



Sampler

Veröffentlicht am 13.07.2000 | von Michael Boldhaus

Mega Movies

Mega Movies Michael Boldhaus
Bewertung

Die in diesen Alben als Teil der Musik vorgeschriebene „Geräuschkulisse“ spiegelt sich in den populären Filmmusik-Alben in Form der „Digital Sound Effects“ wieder. Hier tobt sich ein wohl typisch amerikanischer Spieltrieb mitunter doch etwas zu ungezügelt aus. Effekte wie „T-Rex“ auf dem „Great Fantasy Adventure Album“ oder das Anreißen eines Streichholzes vor „Mission Impossible“ auf der „The Big Picture“-CD sind ja noch durchaus originell, die meisten der übrigen Geräusche sind hingegen entbehrlich. Hier hilft (leider nicht immer) Wegprogrammieren mit der Fernbedienung. Dass einzelne Effekte wie „Tornado Terror“ in die Musik hinein ausgeblendet werden, ist somit ein Minuspunkt. Das ausgewählte Musikmaterial dagegen wurde in der Regel ausgefeilt arrangiert und gekonnt auf zumeist wuchtige Orchester-Effekte hin konzipiert. Dabei entfernt sich Kunzel zwar öfter ein Stück vom Original, z. B. wenn er Stücke aus Filmmusiken wie Crimson Tide, The Rock und Dragonheart konsequent sinfonisiert, aber ich empfinde die Resultate in der Regel sogar dem Original gegenüber als veredelt und damit besser. Neben gekonntem, gut eingesetztem orchestralem Bombast und eingängiger Melodik gibt es aber auch ruhigere, rein lyrische Orchesterpassagen. Da dies alles zumeist auch auf spieltechnisch gutem bis hohem Niveau stattfindet, hinterlassen verschiedene dieser Kompilationen einen guten Eindruck. Die vorzügliche digitale Aufnahmetechnik ist auf modernstem Stand; sie unterstreicht das Positive noch, auch wenn manche Klangeffekte akustisch mitunter etwas „larger than life“ abgebildet werden. Hier passt dies allerdings durchaus ins spielfreudige und ohnehin nicht todernst gemeinte Konzept dieser filmharmonischen Pops-Konzerte. Der Spaß an effektvoller und üppiger Orchestermusik und ein Schwelgen in Klang stehen hier im Vordergrund — und dies überzeugte mich. Die Qualität der beiliegenden Booklets ist passabel bis gut.

Der aktuellste der filmmusikalischen Kunzel-Sampler ist die CD „Mega Movies“, die mit knapp 74 Minuten nicht nur sehr gut bestückt ist, sondern außerdem zu den besonders gelungenen Kompilationen dieser Reihe gehört. Kraftvoll schmissig klingt es als Auftakt in The Mummy, romantisch folkloristisch (mit schmachtend-virtuosen Violinsoli im Mittelteil) in The Mask of Zorro, archaisierend in Elizabeth und pathetisch in Air Force One und Armageddon. Originell auch die Kombination der klassischen Star-Wars-Fanfare mit der „Flag Parade“ im Auszug aus The Phantom Menace. Gut schneiden auch die rein sinfonisch arrangierten Hans-Zimmer-Kompositionen zu The Rock und besonders die schöne Suite aus Prince of Egypt ab. Echte Klasse hat neben dem Orchester auch der Chor in Mighty Joe Young. Angenehm ruhigen Kontrast hierzu bieten die Lyrizismem in Contact, in Shakespeare in Love und in Titanic. Gelungen ist auch die Kurzsuite aus L.A. Confidential, die Jazziges mit Chinatown-Flair brillant verbindet. Charmant ist außerdem die bluesig-slapstickhafte und zugleich liebenswert skurril klingende Suite aus A Bug’s Life.

Titel: Mega Movies
Erschienen: 2000

Zusatzinformationen: Cincinnati Pops, E. Kunzel
Laufzeit: 73:44 Minuten

Medium: Sampler
Label: Telarc
Kennung: CD-80535

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 13.07.2000 | von Michael Boldhaus

The Big Picture

The Big Picture Michael Boldhaus
Bewertung

Ähnlich stark geht es auch in den beiden Alben „The Big Picture“ und „The Great Fantasy Adventure“ zu. In ersterem bildet das klassische Lalo-Schifrin-Thema (arrangiert von Alan Silvestri) aus der TV-Serie Mission Impossible den schmissigen Auftakt. Herausragend ist hier die Suite aus Batman Forever. Ebenfalls gut ins Ohr geht hier Zimmers (ebenfalls rein sinfonisch angelegte) Crimson-Tide[-Musik, obwohl der Komponist hier ganz kräftig vom Thema der Macht aus Star Wars „geliehen“ hat. An der überaus guten Wirkung des Stückes hat der prächtig intonierende Chor einen herausragenden Anteil, wobei der finale (Seefahrer-)Choral „Eternal Father, strong to save …“ besonders prachtvoll klingt. Sehr schön — nach meiner Meinung edler als die Originale — sind auch die rein orchestralen Arrangements zu Gettysburg, Dragonheart und The Last of the Mohicans. Ein kleines Highlight ist der kraftvoll gespielte Main Title aus Executive Decision, bei welchem das dynamische Schlagwerk und die herrliche Hörnersektion der Cincinnati Pops prächtig zur Geltung kommen. Solide Kost bieten Apollo 13, Speed, Independence Day, Stargate und Twister. Ein kleiner Geheimtipp ist die überaus farbig interpretierte, rund 7-minütige Suite aus Jumanji — ein gelungenes, effektvolles Kondensat aus einer in Gänze eher langweiligen Filmmusik.

Titel: The Big Picture
Erschienen: 1997

Zusatzinformationen: Cincinnati Pops, E. Kunzel
Laufzeit: 76:06 Minuten

Medium: Sampler
Label: Telarc
Kennung: CD-80535

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 13.07.2000 | von Michael Boldhaus

The Great Fantasy Adventure Album

The Great Fantasy Adventure Album Michael Boldhaus
Bewertung

Gelungen klassisch, nämlich mit selten zu hörenden Fanfaren aus El Cid, beginnt die CD „The Great Fantasy Adventure“. Auch die übrigen Einspielungen sind durchweg nett und unterhaltsam. Das Programm offeriert unter anderem Auszüge aus Hook, Jurassic Park, Robin Hood: Prince of Thieves, Willow, The 7th Voyage of Sinbad, The Abyss, Clash of the Titans, The Rocketeer, Conan the Barbarian und Wizards and Warriors. Bei Willow wirkt die künstliche Shakuhachi-Flöte ein wenig blass, desgleichen der wohl ebenfalls nur elektronische Chor in Abyss. Sehr gut wirken hingegen die realen Chorarrangements in Henry V und Hunt for Red October. Einen lyrischen Ruhepunkt bietet The Princess Bride, und der schmissig dämonische Rag aus Beetlejuice ist ebenfalls nicht zu verachten.

Titel: The Great Fantasy Adventure Album
Erschienen: 1994

Zusatzinformationen: Cincinnati Pops, E. Kunzel
Laufzeit: 65:39 Minuten

Medium: Sampler
Label: Telarc
Kennung: CD-80342

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 13.07.2000 | von Michael Boldhaus

Fantastic Journey

Fantastic Journey Michael Boldhaus
Bewertung

Mit dem Album „Fantastic Journey“ bin ich erst langsamer warm geworden. Vielleicht lag es an den hier doch sehr gewöhnungsbedürftigen „Soundeffekten“, die nur für totale „Trekkies“ und sonstige Anhänger derartiger Sciencefiction-Filme interessant sein dürften; möglicherweise aber auch daran, dass die vielen vertretenen Star-Wars-Verschnitte sich musikalisch doch recht ähnlich sind. Das Zugstück ist zweifellos die kraftvoll und dynamisch interpretierte, rund 15-minütige Suite aus Batman. Dieses Stück ist so raffiniert arrangiert, dass die zweifelsohne vorhandenen Schwächen der Partitur nicht zum Tragen kommen und ist somit klasse. Geboten wird außerdem Musik aus The Last Starfighter, Indiana Jones and the Last Crusade, The Day the Earth Stood Still, Explorers, Beastmaster, Star Trek V: The Final Frontier, Twilight Zone: The Movie, The Black Hole, Dragonslayer, Moonwalker, Star Wars und War of the Worlds. Carol Annes Thema aus Poltergeist hingegen behielt seinen Saccharin-Touch und enttäuschte beharrlich. Das „Cantina“-Stück aus dem ersten Star Wars empfand ich zunächst als überflüssig, habe mich aber inzwischen mit dieser virtuos interpretierten, veredelten Fassung angefreundet. Damit kann also auch dieser Sampler nach ein paar kleinen Anlaufproblemen zu den übrigen vorgestellten aufrücken.

Titel: Fantastic Journey
Erschienen: 1990

Zusatzinformationen: Cincinnati Pops, E. Kunzel
Laufzeit: 64:12 Minuten

Medium: Sampler
Label: Telarc
Kennung: CD-80231

Komponist(en):

Schlagworte:


Klassik

Veröffentlicht am 13.07.2000 | von Michael Boldhaus

Gershwin Centennial Edition

Eine stimmige Ergänzung zu diesen auf edle Unterhaltung angelegten Filmmusik-Samplern ist die „Gershwin Centennial Edition“, die auf zwei CDs die vollständigen Orchesterwerke des berühmten amerikanischen Komponisten präsentiert. George Gershwin, der als Klavierspieler begonnen hatte, hat nicht nur unvergessliche Songs für Broadway-Shows und Musicals geschrieben, sondern sich auch auf dem Gebiet anspruchsvoller und eingängiger Konzertmusik profiliert. Neben den epochalen Jazz-Blues-inspirierten Werken „Rhapsody in Blue“, „An American in Paris“, dem Klavierkonzert in F und den Variationen über „I Got Rhythm“ gibt es auch seltener gespielte, ebenfalls hörenswerte Musik. Hierzu gehören die „Second Rhapsody for Piano and Orchestra“, die sinfonische Suite („Catfish Row“) aus seinem Meisterwerk, der Oper „Porgy and Bess“, sowie die schmissige „Cuban Overture“. Obendrauf gibt es noch ein paar hübsche Ausgrabungen wie „Mexican Dance“, „Walking The Dog“, ein schönes „Lullaby“, den „Rialto Ripples Rag“ und das pathetische Chor-Lied „Oh Land of Mine, America“. Auch bei diesen eingängigen, auch bei Freunden des sinfonischen Repertoires anerkannten Werken erweisen sich das Cincinnati Pops Orchestra und sein Chefdirigent Kunzel in bester Form und werden wie immer von perfekter Aufnahmetechnik unterstützt — die hier auf die mitunter etwas künstlich wirkenden Effekte der Filmmusik-Zusammenstellungen verzichtet. Die beiden CDs bieten mit knapp 145 Minuten Spielzeit einen guten Gegenwert für’s Geld.

Fazit: Insgesamt sieben Alben des audiophilen Telarc-Labels ermöglichen eine recht breit gefächerte Begegnung mit einem hochwertigen amerikanischen Orchester und seinem Dirigenten Erich Kunzel. Das Gershwin-Doppel-CD-Set präsentiert eingängiges „seriöses“ Repertoire nebst einigen Raritäten in Bestform. Ebenfalls gute Interpretationen, dazu aber auch im wahrsten Wortsinn „krachenden Effekt“ bieten die zwei CDs mit den Klassikern „Wellingtons Sieg“ (Beethoven) und der „Ouvertüre 1812“ (Tschaikowsky). In der Mitte zwischen diesen „Extrema“ liegen die überwiegend gelungenen, weitgehend in melodischem Klang-Bombast schwelgenden und dazu teilweise mit „Digital Sound Effects“ angereicherten filmharmonischen Kompilationen „Mega Movies“, „Big Picture“, „Fantasy Adventure Album“ und „Fantastic Journey“. Der durchweg ansprechende bis sehr gute Eindruck wird auch durch eine perfekte Aufnahmetechnik abgerundet. Mögen auch Puristen generell bei den (immerhin gekonnt) auf Effekt getrimmten Alben der vorgestellten Kollektion die Gesichtszüge entgleisen, die überwiegend hohe Spielkultur des Orchesters müssen sie trotzdem anerkennen. Wer sich einen Hauch von Spieltrieb bewahrt hat, wer —wie die Amerikaner treffend sagen —„Im Herzen jung“ geblieben ist, kann hier seinen High-Tech-Spaß haben — Unterhaltung auf hohem Niveau ist inbegriffen.

Titel: Gershwin Centennial Edition
Erschienen: 1998

Zusatzinformationen: Cincinnati Pops, E. Kunzel
Laufzeit: 144:24 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Telarc
Kennung: CD-80445 (2 CDs)

Komponist(en):

Schlagworte:


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