CD

Veröffentlicht am 18.07.2000 | von Michael Boldhaus

Und ewig singen die Wälder …

Und ewig singen die Wälder … Michael Boldhaus
Bewertung

„Alt wie der Fels und in ihm verwurzelt wie die ewigen Wälder ist das Geschlecht der Björndaler …“. Dieser mit Rolf Wilhelms schöner Musik unterlegte Prolog mit Off-Erzähler zum Film Und ewig singen die Wälder, aus der sich das schöne üppige Björndal-Thema herausschält, gehört zu meinen festverwurzelten und liebgewonnenen Kindheitserinnerungen. Gern hätte ich schon damals die Musik auf LP gehabt – leider musste dieser Wunsch bis vor kurzem unerfüllt bleiben.

Der weniger bekannte deutsche Komponist Rolf Wilhelm hat in den fünfziger und sechziger Jahren wertvolle Musikbeiträge für den deutschen und österreichischen Nachkriegsfilm geliefert, die auch heute noch hörenswert sind. Bislang gab es nur in den Achtzigern LP-Veröffentlichungen einiger seiner Filmmusiken, von denen die Komposition für den Zweiteiler Die Nibelungen (1966) wohl die bekannteste ist. Anfang der Neunziger erschienen Teile der Nibelungen-Musik noch einmal auf einer inzwischen vergriffenen CD. Dank der Initiative eines Privatmannes aus Essen wird sich hier in der nächsten Zeit einiges ändern: Mindestens drei weitere Wilhelm-Film-Vertonungen werden auf dem CD-Label Cobra-Records erscheinen (Anschrift siehe unten).

Das Cobra-Label brachte nach der Musik aus zwei Karl-May-Filmen jetzt die dritte CD-Veröffentlichung mit zwei Rolf-Wilhelm-Musiken zu Und ewig singen die Wälder (1959) und der Fortsetzung Das Erbe von Björndal (1960) heraus. Hier handelt es sich um zwei österreichische Epen der Gattung Heimatfilm. Beide gehören zum Besseren, was dieses Filmgenre zu bieten hat. Die mitunter sehr melodramatische Story um ein hochmütiges altes norwegisches Bauerngeschlecht (nach Trygve Gulbranssens Romantrilogie) zeichnet sich besonders durch Landschaftsaufnahmen aus Norwegen aus, die in zeittypisch üppig-schönem Agfacolor hervorragend fotografiert worden sind. Die rücksichtslos ausgetragenen Konflikte im ersten Teil mit dem verarmten adligen Nachbarn führen zu einer Katastrophe mit tödlichem Ausgang. Speziell dieser erste Teil der Saga wird vor allem durch gute schauspielerische Leistungen von Gert Fröbe als bärennarbigem alten Großbauer Dag und Maj-Britt Nilsson als Jungfer Kruse mitgetragen; Und ewig singen die Wälder war in der Kinosaison 1959 denn auch der erfolgreichste deutschsprachige Film, der im gleichen Jahr die begehrte Bambi-Auszeichnung erhielt.

Rolf Wilhelms vollsinfonische, breitorchestral angelegte Musik gehört zum Wertvollsten und auch Zeitlosen, was diese beiden Filme zu bieten haben. Das breit ausschwingende, melodisch eingängige Björndal-Thema ist die Seele der wagnerisch angelegten Kompositionen, die aber auch „nordische Einflüsse“ verarbeiteten. Manchmal erinnert die Stimmung der mitunter auch folkloristisch angehauchten Musik ein wenig an Sibelius und Grieg. In der gut auskomponierten und auch geschickt orchestrierten Partitur durchzieht das Hauptthema in recht vielfältigen Variationen die Klangschöpfungen beider Film-Teile. In Und ewig singen die Wälder geht es dramatischer und bedrohlicher zu, was der Komponist in teilweise besonders düsteren Klängen und einer Reihe von Spannungsmusiken verdeutlicht. Gelegentlich gibt es besonders in den Actionmusiken leichte Durchhänger, aber auch Packendes ist zu hören, wie die mit stampfenden Rhythmen daherkommende, eindrucksvolle Untermalung der Szenen des großen Holzfällens und des Abtriebs der Stämme über den Fjord ins Tal. In der Fortsetzung Das Erbe von Björndal gelingt es Rolf Wilhelm ebenfalls, der trotz aller Probleme und Verwicklungen insgesamt deutlich helleren Grundstimmung des Films gerecht zu werden und seiner dem ersten Teil verbundenen Klangschöpfung neue Facetten hinzuzufügen. Zusätzlich offenbaren beide Musiken beim mehrfachen Hören auch verborgene Schönheiten. Auf der vorliegenden Original-Einspielung dirigierte der Komponist die Wiener Symphoniker. Die Tonqualität der alten Mono-Bänder ist gut, das Booklet ist ansprechend und mit vielen Filmfotos versehen. Wertungsmäßig liegt das Gebotene sicher bei vier bis viereinhalb Sternen. Die am Maximum orientierten viereinhalb Sterne müssten aber auch für kritische Hörer über den Repertoirewert und damit als Albumwertung stimmig sein.

Titel: Und ewig singen die Wälder …
Erschienen: 2000

Laufzeit: 73:57 Minuten

Medium: CD
Label: Cobra
Kennung: CR 005

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 18.07.2000 | von Michael Boldhaus

Old Shatterhand

Old Shatterhand Michael Boldhaus
Bewertung

Als früher Teen war ich von Atze Brauners Old Shatterhand (1964) begeistert die Filmmusik gab es damals leider ebenfalls nicht zu kaufen. Immerhin handelt es sich hier um eine für europäische Verhältnisse aufwändige und in schönen Bildern gehaltene Produktion, die sogar in 70-mm gedreht worden ist. In den folgenden Jahren verblasste der ursprüngliche Reiz des Kampfes um Fort Grant allerdings rasch, nachdem ich über das Fernsehen verstärkt mit klassischen Western, hier nicht zuletzt mit denen von John Ford, in Berührung kam. Zwar ist z. B. in Fords Höhepunkt der Kavallerie-Trilogie She Wore a Yellow Ribbon • Der Teufelshauptmann (1949) die Filmhandlung auch nicht in allem überzeugend, aber die Karl-May-Filme sind nicht ansatzweise so sorgfältig in der Ausstattung und auch nicht annähernd so genau im historischen Detail. Die besseren Filme der Serie (z. B. Der Schatz im Silbersee, Winnetou-Trilogie) sind von Harald Reinl realisiert worden und haben trotz der zum Teil grotesk stilisierten Westernatmosphäre immerhin eine noch einigermaßen stimmige, wenn auch nur frei an der betreffenden Romanvorlage orientierte Handlung. Hingegen findet die zusammengestoppelte Geschichte von Old Shatterhand selbst bei Karl-May-Filmfans wenig Beifall. Atze Brauner, der unbedingt auf den Winnetou-Erfolgszug aufspringen wollte, war, da sämtliche Buchstoffe und auch der Komponist der Serie Martin Böttcher rechtlich blockiert waren, zu Kompromissen gezwungen. So wurde der Italiener Riz Ortolani für die Musik verpflichtet. Ortolani zählte zwar nie zu den Großen des Metiers, er hat aber durchaus einige sehr ansprechende Filmmusiken fertig gestellt. Seine Tonschöpfung zu Old Shatterhand war und ist ein netter musikalischer Kontrast zum gewohnten Martin-Böttcher-Standard. In den achtziger Jahren erschienen zum ersten Mal große Teile der Musik auf einer lange vergriffenen CELINE-LP; Cobra-Records hat nun die wohl vollständige Musik auf einer ebenfalls liebevoll editierten CD vorgelegt.

Riz Ortolanis Tonschöpfung macht auch nach der langen Zeit von 36 Jahren immer noch einen soliden Eindruck und hat einen gewissen Charme; die Qualität der besprochenen Wilhelm-Kompositionen erreicht sie aber nicht: Dafür ist das Ganze doch etwas zu simpel gestrickt, die meisten Actionmusiken sind mehr Geräusch als Musik, und auch das schöne epische Hauptthema wird allzu oft kaum abgewandelt wiederholt. Das gegenüber der alten LP-Version zusätzlich gehobene Musik-Material enthält neben einer bislang unbekannten Song-Version des Hauptthemas ein paar nette, zum Teil allerdings auch belanglose Stücke; einige Tracks sind offenbar direkt von der Film-Tonspur transferiert worden. Trotz einiger Schwächen bleibt ein Platz im soliden Mittelfeld und damit eine kleine Empfehlung, nicht allein für Nostalgiker.

Fazit: Lieb gewordene Kindheitserinnerungen spiegeln sich in den Rolf-Wilhelm-Musiken zu den Heimatfilmen Und ewig singen die Wälder (1959) und der Fortsetzung Das Erbe von Björndal (1960). Dank der Privatinitiative eines Esseners kann der Interessierte die stimmungsvolle und auch melodisch eingängige Musik jetzt in einer gelungenen CD-Produktion daheim zum Klingen bringen. Wem dieser nostalgische Bezug fehlt, braucht nicht zu befürchten, dass es hier nur säuselnden Kitsch zu hören gäbe. Nein, Rolf Wilhelms Filmmusik erweist sich als handwerklich überaus solide, gut instrumentierte und emotionale Klangschöpfung deutlich über dem Durchschnitt, die auch abseits der Filmbilder eigenständig und gut anhörbar bleibt. Für die auch liebevoll ausgestattete CD gibt es daher eine eindeutige Empfehlung.

Nicht ganz so viel, aber immerhin drei Sterne bekommt Riz Ortolanis nette, aber schlichte Komposition zum einzigen in 70-mm produzierten relativ aufwendigen Karl-May-Western Old Shatterhand (1964). Die Ausstattung und der saubere Mono-Klang der ebenfalls liebevoll editierten Produktion lassen wenig Wünsche offen. Die Old-Shatterhand-CD bietet somit ordentliche, für manch einen sicher auch nostalgisch-charmante Unterhaltung.

Dieser Artikel ist Teil unseres umfangreichen Rolf-Wilhelm-Specials.

Titel: Old Shatterhand
Erschienen: 2000

Laufzeit: 61:11 Minuten

Medium: CD
Label: Cobra
Kennung: CR 002

Komponist(en):

Schlagworte:


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