CD

Veröffentlicht am 17.03.2000 | von Michael Boldhaus

Superman (OST/Rhino)

Superman (OST/Rhino) Michael Boldhaus
Bewertung

Im Jahr 1998 veröffentlichte Varèse seine Neueinspielung großer Teile der Superman-Musik mit dem Royal Scottish National Orchestra unter John Debney. Infolge dessen verzögerte sich die angekündigte Veröffentlichung der vollständigen Fassung der Original-Einspielung unter John Williams auf dem Rhino-Label bis Februar 2000.

Schon die Doppel-LP-Version von Superman war seinerzeit ein filmmusikalisches Highlight. Die Musik gehörte zu den bis dahin ausgefeiltesten Filmkompositionen von John Williams und bildet zusammen mit den musikalischen Schöpfungen zum ersten Star-Wars-Film und Close Encounters of the Third Kind • Unheimliche Begegnung der dritten Art das „filmmusikalische Williams-Triumvirat“ der siebziger Jahre. So begründete und festigte der Komponist seinen Ruhm als großer Könner des Metiers Filmmusik und diese „drei“ machten ihn nicht zuletzt endgültig zum Hauskomponisten von Steven Spielberg. Auf der anderen Seite markierten diese Kompositionen auch den Beginn der Rückkehr einer traditionsbewussten großen Kinosinfonik, die ja seit Anfang der sechziger Jahre zunehmend durch mehr Pop-beeinflusste Sounds ersetzt worden war: ein Trend, der sich recht gut in den kürzlich wiederveröffentlichten Roy-Budd-Scores (Soldier Blue • Das Wiegenlied vom Totschlag) widerspiegelt. In der zweiten Hälfte der Sechziger bis Mitte der siebziger Jahre waren sinfonisch angelegte Filmmusiken die große Ausnahme. Die (entscheidende) Trendwende wird heute in Williams Star-Wars-Komposition gesehen, wobei als Wegbereiter neben Kompositionen von Jerry Goldsmith auch Williams-Frühwerke wie The Reivers • Der Gauner, Jane Eyre • Eine Frau kämpft um Ihr Glück und Jaws • Der weiße Hai zu nennen sind. Ich gehe hier noch ein Stück weiter und behaupte, dass für die Renaissance der Kinosinfonik auch Charles Gerhardt und seine Classic-Film-Score-Alben auf dem RCA-Label ein nicht unbedeutender Kristallisationskeim waren. Das erste Album der Serie, „Korngold: The Sea Hawk“, erschien 1972 und war in den USA ein Verkaufshit, der Nachwuchsregisseuren verstärkt Mut zum Einsatz orchestraler Filmmusik gemacht hat und auch bei den stark Box-Office-orientierten Produzenten einen Umdenkprozess beschleunigt haben dürfte. Nun, das ist heute alles schon Filmmusik-Geschichte, und mit den beiden vorliegenden Superman-CD-Editionen ist jetzt das „Williams-Triumvirat“ jener Tage komplett oder in repräsentativen Auszügen für den interessierten Sammler verfügbar.

Stilistisch liegt die heroische Superman-Komposition auf einer Linie mit der Star-Wars-Musik, allerdings ohne diese platt zu plagiieren. Der „Superman-Marsch“ , das „Liebes-Thema“, die „Flug-Sequenz“ und der groteske „Marsch der Schurken“ bilden die Kernpunkte der Partitur und dürften inzwischen auch zu den häufig gespielten filmmusikalischen Evergreens gehören. Neben den beiden neuesten CD-Ausgaben gab es vordem Einzel-CD-Reissues des ehemaligen Doppel-LP-Albums: Auf der US-Version, in der zweiten Hälfte der Achtziger veröffentlicht, fehlten ein paar kleinere Stücke; die nachfolgende Japan-Version enthielt dank verbesserter Pressstandards bei CDs – Erweiterung der Spieldauer auf etwa 80 Minuten – den vollständigen Plattenschnitt. Mit ihren rund 78 Minuten war (und ist) auch die Musik-Auswahl des von Williams selbst konzipierten Doppel-LP-Albums keine schlechte Sache. Die Debney-Neueinspielung von 1998 enthält gegenüber der alten Plattenversion rund 20 Minuten neues Material, verzichtete dafür aber auf einige Musikstücke der LP-Version. Insgesamt überzeugt der so entstandene „neue“ Musikschnitt als durchaus gelungener Extrakt, da alle Highlights und wichtigen Passagen des Gesamtwerkes enthalten sind. Die pressfrische Warner-Archives/Rhino-Edition lässt auch für die „totalen“ Superman-Freaks keine Wünsche offen: Auf den beiden CDs bekommt man das vollständige Material der Studiobänder zu hören, wobei nochmals über 40 Minuten erstmalig präsentiert werden. Somit liegt hier die „definitive“ Ausgabe des Superman-Originals vor: Fast 150 Minuten Musik auf zwei CDs bieten die komplette Filmmusik und zusätzlich gibt’s eine Reihe Alternativ-Versionen einiger Stücke sowie eine Konzert-Version des Hauptthemas, die Williams speziell für das Doppel-LP-Album eingespielt hat. Nicht immer enthält bislang unveröffentlichtes Filmmusikmaterial wirklich Bereicherndes: Im Falle von Superman gibt es zwar ebenfalls keine weltbewegenden neuen Erkenntnisse, aber die zusätzliche Musik ist gut anhörbar, und es gibt einige charmante Stücke. Die außerdem vertretenen Popversionen des Liebesthemas haben als Kinder ihrer Zeit (typischer Pop der Siebziger) ziemlich Patina angesetzt und dürften für die meisten Hörer eher belanglos sein. Dies alles kommt in ausgezeichneter und rauscharmer Tonqualität daher – die fast zur gleichen Zeit am selben Ort eingespielte Musik zum ersten Star-Wars-Film ist dagegen deutlich stärker verrauscht und leidet an einem leicht halligen, weniger transparenten Klangbild. Der sehr gute Gesamteindruck wird durch ein ausführliches und liebevoll gestaltetes Booklet abgerundet.

Titel: Superman (OST/Rhino)
Erschienen: 2000

Laufzeit: 148:56 Minuten

Medium: CD
Label: Warner Archives/Rhino
Kennung: 8122-75874-2

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 17.03.2000 | von Michael Boldhaus

Superman (Varèse/Debney)

Superman (Varèse/Debney) Michael Boldhaus
Bewertung

Zu Varèses John-Debney-Neueinspielung las ich seinerzeit eine Reihe kritischer Stimmen. Bemerkungen wie: „Bei Nachspielungen wird der Eindruck des Originals auch nicht annähernd erreicht“ bis „Das Royal Scottish National Orchestra erreicht niemals den Schmelz und die Qualität der Londoner Sinfoniker“ waren zu lesen. Natürlich klingen Nachspielungen, seien sie im Tempo und Interpretationsstil auch noch so sehr dem Original angenähert, immer etwas anders. Allerdings sind die renommierten Projekte in Sachen Neueinspielungen sinfonischer Filmmusik unter Charles Gerhardt, John Morgan, James Sedares, Joel McNeely usw., von wenigen Ausnahmen abgesehen, durchaus gelungen: Der Geist des jeweiligen Originals wurde bewahrt. Den Einwand der mangelnden Spielqualität weniger renommierter Orchester – ähnliche Argumentationen kenne ich auch aus dem Klassik-Bereich – halte ich in den meisten Fällen für überzogen. Was die Einspielung unter John Debney betrifft, vergebe ich jedenfalls mit Überzeugung die Top-Bewertung. Das Royal Scottish National Orchestra ist zweifelsohne ein edler Klangkörper, der durchaus in der Lage ist, hervorragende Spielleistungen zu erbringen: Die Superman-Einspielung ist hierfür ein bester Beweis. Ein zusätzliches Plus ist die fantastische digitale Aufnahmetechnik, welche die Musik in einer Qualität präsentiert, mit der das Original zwangsläufig nicht ganz mithalten kann: Kein klangliches Detail der raffiniert ausgearbeiteten Partitur geht verloren. Auch dieser Doppel-CD liegt ein geschmackvoll, wenn auch nicht so aufwändig gestaltetes Booklet bei, das interessante Informationen zur eingespielten Musik und den Hintergründen der Neueinspielung enthält.

Fazit: John Williams Superman-Musik gehört zu den großen Williams-Musiken der Siebziger und liegt jetzt in zwei aktuellen Versionen auf CD vor. Wer auf Vollständigkeit Wert legt, muss zwangsläufig zur Rhino-Version greifen, wer auf Super-Sound scharf ist und mit einer überaus geschickt zusammen gestellten Auswahl der musikalischen Highlights zufrieden ist, wird Varèse-Debney den Vorzug geben: Diese ist eine hochrangige, filmnah eingespielte große Konzertfassung. Ich empfehle nicht nur beide Editionen gleichermaßen, sondern rate dazu – auch wenn die finanziellen Mittel knapp sein sollten -, mittelfristig beide Einspielungen für die Sammlung zu beschaffen, denn jede der Fassungen hat ihre individuellen Reize. Zumindest eine Version sollte in keiner repräsentativ angelegten Filmmusiksammlung fehlen.

Titel: Superman (Varèse/Debney)
Erschienen: 1998

Laufzeit: 37:45 + 44:25 (82:10) Minuten

Medium: CD
Label: Varèse Sarabande
Kennung: VSD-2598

Komponist(en):

Schlagworte:


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