CD A Midsummer night's dream

Veröffentlicht am 13.08.1999 | von Michael Boldhaus

A Midsummer Night’s Dream

A Midsummer Night’s Dream Michael Boldhaus
Bewertung

Devotion, ein Warner-Brothers-Melodram um die Geschwister Brontë, kam 1946 in die US-Kinos. Zu diesem Zeitpunkt begann sich die Hollywood-Karriere Erich Wolfgang Korngolds ihrem Ende zuzuneigen. Begonnen hatte diese 12 Jahre zuvor, als der berühmte Regisseur Max Reinhardt – Begründer der Salzburger Festspiele – seine Hollywood-Bowl-Inszenierung des Shakespearschen Sommernachtstraums für Warner verfilmen sollte. Der verschwenderisch inszenierte Film zeigt neben anderen James Cagney, Mickey Rooney und Olivea de Havilland in ihren besten Zeiten. Im Produktionsteam wirkten viele Große mit wie der Regisseur Wilhelm Dieterle, der sich inzwischen schon „William“ nannte.

Korngold und Reinhardt hatten in Wien erfolgreiche Neubearbeitungen verschiedener Operetten herausgebracht. Reinhardt telexte an Korngold, er solle für „sechs bis acht Wochen“ nach Hollywood kommen, um Mendelssohns Originalmusik für den Film zu adaptieren; daraus wurden dann allerdings rund sechs Monate. Für Korngold war dieses zweifellos eine der komplexesten Arbeiten seiner gesamten filmmusikalischen Karriere, denn eine für einen völlig anderen Zweck komponierte Musik für einen Film passend neu zu arrangieren ist nur scheinbar eine leichte Arbeit. Auf der anderen Seite war es für den Theatermann und Musikdramatiker Korngold aber sicher auch eine faszinierende Aufgabe, für das neue Medium Tonfilm zu arbeiten. Nicht zuletzt hierbei begründete er seinen späteren Kompositionsstil für eigene Filmmusiken, den er selbst ein wenig ironisch als „Opern ohne Worte“ bezeichnete. Dass Korngolds letzte Arbeit für das Kino ebenfalls eine Adaptation ist – hier die Musik Richard Wagners für den Film Magic Fire • Frauen um Richard Wagner (1955) –, hat eine besondere Bedeutung. Zu diesem Zeitpunkt war der Komponist zweifelsohne von den eigenen musikalischen Perspektiven im Nachkriegs-österreich und Deutschland sehr enttäuscht und hat diese letzte Kino-Arbeit nur übernommen, damit nicht irgendein Dilettant die edle Musik Richard Wagners verhunzte.

Für den Sommernachtstraum-Film musste mehr als die vorliegende Mendelssohnsche Originalmusik eingerichtet werden, was der Komponist nicht durch einfaches Wiederholen früheren Materials löste. Korngold formte mit enormem Geschick auf der Basis der Sommernachtstraum-Musik und zusätzlichem Material wie aus der „Schottischen Sinfonie“ und den „Liedern ohne Worte“ ein homogenes symphonisches Ganzes. Diese musikalische Perle ist jetzt dank „cpo“, ein im Bereich musikalischer Raritäten sehr rühriges Label der Firma jpc aus Georgsmarienhütte, der Vergessenheit entrissen.

Konnte Mendelssohns Musik in Originallänge verwendet werden, ließ der Komponist auch die Instrumentation unverändert; wurden allerdings Bearbeitungen erforderlich, zog er neben Schlagzeug und Harfe Saxophone, Klavier, Gitarre und – besonders auffällig – das Vibraphon hinzu. Korngolds schon damals zweifellos exzellenter Klangsinn wurde durch diese Arbeit weiter geschärft. Ein Beleg für Korngolds überaus großes musikalisches Wissen und Verständnis ist eine äußerung, die er gegenüber Hugo Friedhofer einmal gemacht hat: Genau diesen Effekt – den Klang des Vibraphons im Zusammenwirken mit den verdoppelten Streichern – habe Richard Strauss in der Oper „Die Frau ohne Schatten“ erreichen wollen, als er die Glasharmonika einsetzte. In seiner fünften Oper „Die Kathrin“ gehört das Vibraphon daher ebenfalls zum verwendeten Instrumentarium.

Titel: A Midsummer Night’s Dream
Erschienen: 1998

Laufzeit: 69:40 Minuten

Medium: CD
Label: cpo
Kennung: 999 449-2

Komponist(en):

Schlagworte:


CD Devotion

Veröffentlicht am 13.08.1999 | von Michael Boldhaus

Devotion

Devotion Michael Boldhaus
Bewertung

Für Korngold wurde die Arbeit am Sommernachtstraum die Grundlage seiner Hollywood-Karriere. Im Gegensatz zu Reinhardt, dessen Stern zum Zeitpunkt der Sommernachtstraum-Produktion bereits zu sinken begann, gehörte Korngold nach der Besetzung österreichs im Jahr 1938 zu den Emigranten, die mit Kusshand in Amerika aufgenommen wurden. Die Sommernachtstraum-Verfilmung wurde trotz Kritikerlobes an der Kinokasse eine Enttäuschung; auch Devotion ließ bereits im Verlauf der Produktion 1942/43 einen Flop erahnen und erschien darum erst 1946 kurzzeitig in den US-Kinos. In Deutschland wurde das verunglückte Vehikel über das Leben der Brontë-Schwestern, von deren Büchern bei uns „Wuthering Heights“ und Jane Eyre bekannt sind, bislang nicht gezeigt. Speziell hier ist es die herrliche Musik Korngolds, die beweist, welch gute Musik mitunter für schlechte Filme komponiert wurde. Dem Hörer präsentiert sich ein kleiner Kosmos der Stimmungen, die diese „Oper ohne Worte“ durchläuft, und kein Detail der raffinierten, glitzernden Instrumentierung geht in der vorliegenden Neuaufnahme verloren. Die expressiven Harmonien von Emilys Todesmusik erinnern an Korngolds Oper „Das Wunder der Heliane“.

Korngold arbeitete an der Musik für Devotion insgesamt vier Monate. Für das Ausarbeiten der Mammut-Partitur – es entstanden immerhin rund 100 Minuten Musik – blieben dabei aber nur gut sechs Wochen übrig. Die Hauptmenge der Restzeit entfiel auf das Durchsehen der Orchestrierungen neben gut drei Wochen für die Aufnahmesitzungen. Erschwerend kam noch hinzu, dass Korngolds bevorzugter Orchestrator Hugo Friedhofer dieses Mal nur begrenzt zur Verfügung stand, so dass die Arbeit auf nicht weniger als sechs (!) verschiedene Orchestratoren verteilt werden musste. Dass trotzdem eine völlig homogene Partitur ohne Brüche von bester Qualität entstand, ist zusätzlich überaus bemerkenswert. Dies ist zum einen Beleg dafür, wie gut Korngold es offenbar verstand, seine Klangvorstellungen dem jeweiligen Orchestrierer herüber zu bringen; zum anderen zeigt es auch, welch hohes Maß an Disziplin und Professionalität diese wichtigen Männer des „Zweiten Gliedes“ besaßen.

Die Booklet-Texte, in beiden Fällen von Brendan G. Carroll, einem versierten Korngold-Biographen verfasst, bieten faszinierende Blicke hinter die Kulissen der Filmproduktionen und detaillierte Einblicke in die Struktur der Kompositionen, die auch für den Laien gut verständlich abgefasst sind.

Fazit: Beide Einspielungen sind sowohl technisch wie interpretatorisch von hohem Rang und eine Bereicherung nicht nur für den Freund Korngoldscher Musik. Vielleicht hätte „cpo“ die verbleibenden immerhin zwanzig Minuten Restkapazität der CD zumindest teilweise nutzen können und noch ein wenig mehr interessante Musik aus den ca. zwei Stunden Material der Midsummer-Night´s-Dream-Musik einspielen können. Trotz dieser kleinen Einschränkung gebe ich eine dicke Empfehlung. Desgleichen (schon fast selbstverständlich) für die wieder einmal superb produzierte Marco-Polo-CD.

Titel: Devotion
Erschienen: 1999

Laufzeit: 59:58 Minuten

Medium: CD
Label: Marco Polo
Kennung: 8.225038

Komponist(en):

Schlagworte:


Nach oben ↑

Pin It on Pinterest